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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Heroes of Might and Magic V Geschichten-Wettbewerb



Ubi_Marc
17-03-06, 04:50
Ab heute werden wir in regelmäßigen Abständen die Geschichten der Gewinner des Might and Magic Geschichten-Wettbewerbes im offiziellen HoMMV Forum veröffentlichen.

Warum veröffentlichen wir die Geschichten nicht alle auf einmal? Ganz einfach: Die Teilnehmer haben viel Zeit investiert und wir möchten, dass sich die Leser Zeit nehmen. Hier (http://forums-de.ubi.com/eve/forums/a/tpc/f/8561015103/m/3421012993) könnt ihr über die veröffentlichten Geschichten diskutieren http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

<font size="4">Story #1 von Benjamin Kilzer</font>

Gundan.
Patza mochte diese Stadt nicht. Sie war alt, verbaut und mittlerweile eine Sammelstelle für Verbrechen, Schmutz und falsche Träume. Einst war sie ein blühendes Handelszentrum inmitten den königlichen Landen gewesen, doch steht sie heute an der Grenze zum Steinwald.
Allerdings war es heute ganz besonders schlimm, denn es war Markttag und die Leute tummelten sich auf den engen Straßen und horchten dem wilden Geschrei der Händler,
die versuchten ihre Ware loszuwerden.
Die Stadt versank beinahe in einem Kegel aus Lärm, Dreck und Menschenmassen.
So war der ehemalige Pirat, der jetzt als Kommandant unter den Truppen des Königs diente, nicht umsonst hier eingekehrt, denn vor wenigen Tagen wurde in der Hauptstadt des Reiches, in Gaukenburg, ein wahrlich grandioser Diebstahl begangen.
Vereinzelte Wachleute auf dem Schloss des Königs berichten von zwei Dunkelelfen, welche in die Schatzkammer eindrangen und die heiligen Reliquien stahlen.
Der Tag und die Zeit wurden sicherlich nicht zufällig gewählt. In wenigen Sonnen findet der jährliche Feiertag zur Thronbesteigung des Königs statt. An diesem Tag wird ein großes Fest in der Hauptstadt gefeiert, gefolgt von einem alten Brauch, in welchem der König dem Volk die heiligen Reliquien präsentiert. Dieses ist im Moment wahrhaftig vonnöten, denn Untergrundkriege um eben jene besagte Dunkelelfrasse vollziehen sich in den großen Städten des Königreiches.
Noch weiß die Bevölkerung wenig, aber es kursieren bereits Gerüchte und allmählich durchziehen Vorwürfe und Unruhen das Land.
Noch in jener Nacht wurde Patza mit einigen Leuten, darunter der Elf Anibian,
als unabdinglicher Fährtenleser und Wissender über seine artgekoppelten Brüder und sein alter Kamerad Gunnar, entsandt, die Diebe einzufangen.
Sie verfolgten deren Spur bis kurz vor Gundan, wo sie sich überraschenderweise teilte und eine zurück nach Gaukenburg führte.
Da ein Großteil der hier stationierten Miliz ebenso unter dem Befehl des Königs steht, entschloss Anibian, Patza solle die Stadt untersuchen lassen und nach Möglichkeit einige Leute hinter ihnen herschicken, denn sie werden der anderen Spur nachreiten.
Höchst ungewöhnlich allerdings ist weiterhin noch, dass sich die Spur teilte, überlegte Patza, während er seinen Becher mit einem letzten Zug ausleerte.
Er hatte es aufgegeben die Stadt bei diesem Trubel weiter zu untersuchen, überließ das lieber den Milizen, welche sich besser auskannten und hatte sich in eine alte Kneipe in einer Seitenstraße zurückgezogen.
Der Raum war klein und es roch nach altem Holz, die dunkelfarbenen und spröden Tische wiesen schon etliche Einschläge auf und Stühle waren wohl schon oft ausgetauscht worden, denn sie waren unterschiedlicher Art.
Patza wunderte sich dennoch, dass die Kneipe bis auf ihn leer war, denn er hätte gerade an solchen Tagen viele Leute hier erwartet. Der Wirt hatte auch offenbar zu tun, denn er war vorhin nur kurz erschienen, um ihm sein Getränk zu bringen und sofort wieder durch einen kleinen Durchgang im hinteren Teil zu verschwinden.
Patza wollte sich wirklich nicht betrinken und da er nichts Besseres zu tun hatte, entschied er den Wirt ein bisschen auszufragen. Vielleicht wusste er über jüngste Vorfälle Bescheid.
So schritt der Pirat an die Theke, wartete kurz und wollte dann lautstark nach dem Wirt rufen,
als ein plötzlicher Aufschrei, der jäh wieder verstummte, ihn erschrocken inne hielten ließ.
Instinktiv zog er sein Schwert und ging leise um die Theke herum, um schließlich einen kurzen Blick in den Gang zu werfen.
Er war leer, hatte aber drei weitere Durchgänge. Patza hatte nicht erhöhren können, woher genau das Geräusch gekommen war und ging somit in kampfbereiter Stellung den Gang entlang. Dieser war zwar in groben Stein eingemeißelt, doch innen mit Holz ausgefüllt, sodass er sich bemühen musste, dass man seine Schritte nicht höte.
Aber plötzlich vernahm er selbst ein leises, hektisches Geräusch.
Auf einmal verstummte es jedoch und schwache Schritte aus dem hinteren Gang wurden laut.
Eine mittlegroße Gestalt, in eine braune, weite Robe gehüllt, tauchte aus jenem hinteren Gang auf.
Als sie Patza erblickte, hechtete sie sofort los, blieb an den anderen zwei, gegenüberliegenden Durchgängen stehen und warf schnelle Blicke nach links und rechts.
Patza stürmte auf sie zu, holte im Laufen seitlich mit dem Schwert aus und langte mit voller Kraft zu, als die Gestalt sich in die Tür auf der linken Seite hineindrehte und ihre Robe wild flatterte.
So nagelte Patza seinen Widersacher mit Schwert und Robe im Türrahmen fest und als dieser weiter rannte, riss sein Kleidungsstück endgültig und gab den Blick auf den Dunkelelf frei.
Es war, wohl wider jeder Erwartungen Patzas in diesem Moment, der Dunkelelf nach dem er zu suchen eigentlich überhaupt in diese Sadt gekommen war.
Patza jubelte fast bei diesem Anblick und versuchte sein Schwert mit einem kräftigen Zug aus dem Türrahmen zu befreien. Doch er hatte seinen Gegner wohl maßlos unterschätzt.
Noch im Stolpern, rollte sich dieser plötzlich herum, saß, auf einem Knie gestützt, den anderen Fuss fest auf dem Boden gestellt da und warf dem erstaunten Piraten einen kleinen Wurfdolch entgegen.
Dieser ließ sofort von seinem Schwert ab und verbarg sich gerade im richtigen Moment neben dem Durchgang, als der Dolch vorbeiflog und sich im anderen Raum bis zum Heft in die Wand bohrte.
Als Patza dies sah, blickte er nach unten an diese Wand, die ihm vermeidliche Deckung bot und rannte sofort am Durchgang vorbei auf die andere Seite und versuchte erneut sein Schwert wieder zu erlangen.
Da hatte der Elf schon den nächsten Dolch zum Wurf bereit und ließ in auf Patza zusausen.
Dieser begab sich jedoch im Laufen sofort wieder in Deckung und es gelang ihm sein Schwert endlich aus dem Türrahmen zu ziehen.
Augenblicklich aber glitt es ihm mit einem Klirren wieder aus der Hand, denn der Dolch traf es an der Klinge, als Patza es noch nicht hinter die Wand gezogen hatte.
Patza fluchte und vernahm ein kurzes metallenes Singen im Raum, gefolgt von heftigen Schritten auf dem Boden.
Dies war Patzas einzige Waffe, die jetzt vor ihm auf dem Boden lag und panisch griff er danach.
Doch plötzlich bildete sich eine Explosion an dieser Stelle auf und dicker Rauch wirbelte in der Tür auf.
Erschrocken sprang Patza zurück und riss die Hände vors Gesicht, sah aber kurz darauf wie sich der Rauch teilte, als eine messerscharfe Klinge hindurch fuhr, gefolgt von der grinsenden Fratze des Dunkelelfen, welcher in den Gang trat.
Patza schritt angsterfüllt rückwärts, drehte sich schließlich ganz um und erblickte den Durchgang der links vor ihm auftauchte. Ein kurzes Geräusch hinter ihm ließ ihn noch bemerken, dass der Elf den am Boden liegenden, zuvor nach dem Schwert geworfenen Dolch, aufhob.
Zu seinem allergrößten Glück glitt der Pirat seitlich aus und entging somit dem tödlichen Wurf, der ihn im Nacken erwischt hätte.
Er blickte in eine Blutlache, warf sich, erschrocken und angewiedert zugleich, schnell nach vorn in den Raum hinein und landete beinahe auf dem, am Boden liegenden, Wirt.
Blut tropfte von dessen Hals und war wohl jenes, welches sich bis auf den Gang ausgebreitet hatte. Doch worauf Patzas Augen sofort fielen, war das Kurzschwert, welches dieser seitlich am Gürtel befestigt hielt.
Ächzend griff er nach dem Teppich, auf welchem der Wirt lag, und zog sich zu ihm hinüber, während seine andere Hand das Schwert ergriff und buchstäblich vom Riemen riss.
Sofort arbeitete sein Verstand wieder klarer und er vernahm beinahe die genüsslich langsamen Schritte, welcher der Elf auf dem Gang tat und sich ihm näherte.
Dieser Kerl war unglaublich schnell, im direkten Kampf hatte er wohl keine guten Chancen.
Diesen Gedanken gerade zu Ende gefasst, hatte sich Patza aufgerappelt, als der Elf auf dem Blut um die Ecke glitt und den Dolch aus der Wand zog.
Schnell nutzte Patza dessen überraschung und stürmte auf ihn zu. Doch der war vorbereitet, ließ den Dolch fliegen und tat einen Schritt zurück in den Gang.
Patza wusste hinterher nicht, was ihn in diesem Moment rettete. Vielleicht waren es seine jahrelang trainierten Reflexe, sein Lebenswille oder irgendeine göttliche Kraft, die über ihn wachte.
Er riss sein Schwert nach oben, startete eine Drehung nach links und krümmte mit diesem Schwung seinen Köper, sodass der Dolch um Haaresbreite an seiner Hüfte vorbeizischte.
Während der Dolch noch durch die Luft flog, vollführte er mit einem lauten Schrei die Drehung zu Ende und rammte sein Schwert mit der ganzen Energie in die Wand.
Es fraß sich mühelos gänzlich hindurch und auf der anderen Seite, ertönte ein reißendes Geräusch, gefolgt von einem schrillen, erstickenden Laut.
Keuchende ließ Patza los.
Sein ganzer Köper zitterte und er sank auf die Knie. Vor ihm drehte sich alles und sein Blick war verschleiert.
Den Kopf in eine Hand gelegt, während er sich mit der anderen an der Wand abstützte, merkte er, dass Kraft allmählich in seinen Köper zurückkehrte.
Während er so dasaß, vernahm er nur den schwerem, rasselnden Atem des Elf, der immer schwächer wurde.
Auf einmal richtete sich Patza langsam, mit dem Rücken an der Wand entlang, auf.
Kopf und Köper an die Wand gelehnt, atmete er merklich aus und blieb einen Moment so stehen.
Irgendwann ließ er den Kopf wieder sinken und drückte sich von der Wand ab,
Er schritt über die Blutlache hinweg und stellte sich mitten in den Gang.
Gerade konnte er noch einen schrecklichen Fluch höen, bevor der Elf seine Hand in dem nach unten sinkendem Arm öffnete, um einem seltsamen Stein auf den Boden fallen zu lassen.
Sofort fing das Holz Feuer.

Gunnar wies etliche Brandwunden am Köper auf, ein Dolch steckte in seiner Lunge.
Unlängst von Gunnar lag abgewandt auf der Seite, ein Dunkelelf in seinem Blut, und eine mächtige Streitaxt ragte aus ihm heraus, bedrohlich mit ihrem Schaft gen Himmel zeigend.
Anibian beugte sich zu dem Krieger hinunter und schaute ihm in die Augen.
Sie waren müde und sein Blick wirkte erschlafft.
Im nächsten Moment fixierten sie den Elf und verrieten ihm, dass Gunnar größte Mühe aufbrachte, um etwas sagen zu wollen.
Der Elf schüttelte sofort eingehend den Kopf, richtete sich auf, lief davon und kam sogleich mit einer Tasche um die Schultern zurück. Er kramte einige Kräuter hervor und ließ sich erneut zu Gunnar hinunter.
Als er ihm jedoch wieder in die Augen schaute, war dessen Blick leer.
Anibians Mine erstarrte augenblicklich. Er ließ keuchend den Kopf sinken.
Nach einer Weile schaute er Gunnar wieder an.
Er nahm vorsichtig seine Wangen in beide Hände und küsste ihn auf die Stirn.

Gegen Abend, als ein kleiner Trupp der königlichen Miliz im Wald von Gaukenburg eintraf, loderte ein Feuer auf und rief die Sterne um Gnade an.

Ubi_Marc
22-03-06, 10:57
<font size="4">Story #2 von Mark Schafbuch</font>

DER SCHWARZE DRACHE
Werter Ritter ihr wollt meine Abenteuer für euren Meister erfahren, so lauschet meinen Worten. Ich erzähle euch die Geschichte von dem Schwarzen Drachen und mir.
Es begann vor 3 Monden als ich durch unsere Lande streifte und mich an ihrer Schönheit und Einzigartigkeit genüsslich tat. Ich erkannte, dass in eben diesem Moment, eine Rast an diesem wunderschönen Ort ausgezeichnet wäre, um die Kräfte meiner kleinen Armee aus Pikenieren und Bogenschützen ebenso wie die meinigen zu erfrischen. So befahl ich meiner Gruppe zu rasten. Die Freude über die Rast nach fast zwei Tagen ununterbrochenen Fußmarsches tat gut und die Stimmung war prächtig. Da ich allerdings keinen großen Gefallen an Feiern finden kann, errichtete ich lieber mein Zelt, denn ich hatte vor die ganze Nacht hier zu verbringen. Nachdem mein kleines rotes Zelt, in dem auch Ihr gerade verweilt, aufgebaut war, entledigte ich mich meiner Waffen und der Rüstung, deren silberner Glanz von den vielen Schlachten, die ich zuvor schon geschlagen hatte langsam begann zu verblassen und einem mattem Grauton wich. Ich legte mich in das Feldbett das ich immer an der selben Stelle aufstelle. Der Lärm der durch die ausgelassene Stimmung im Lager herrschte war verblüffend, denn ich hatte erwartet, dass meine Männer den Schlaf vorziehen würden, hatten sie doch die letzten zwei Nächte kein Auge zugetan.
Das Schlafen viel mir bei diesem Lärm natürlich schwer und so lag ich mit offenen Augen in meinem Bett und dachte über mein Leben nach. Ich erschauderte, als ohne Vorwarnung ein Schatten unmittelbar neben mir an der Zeltwand vorbeihuschte, wenn mich meine müden Augen nicht trübten, so dachte ich, war dies kein menschlicher Schatten gewesen, sondern irgendetwas anderer Natur. Ich richtete meinen Köper auf, ergriff mein schon altgedientes und rostiges Schwert. Die taktische Schulung die ich genossen hatte sagte mir, ich solle mich hinter der Zeltstütze in Deckung begeben und beim ersten Ton in den Angriff übergehen. Erneut nahm ich den Schatten war und es bildeten sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Nun ertönte auch noch ein rascheln nahe des Eingangs und die Zeltplane begann sich zu bewegen. Ich wollte den überraschungseffekt nutzen und stürmte mit gezücktem Schwert aus meinem Versteck. Während ich rannte holte ich mit dem Schwert aus um zuzuschlagen. Doch dann..., konnte ich in allerletzter Sekunde mein Schwert zügeln und lies es zu Boden sinken. Mein Herz schlug vor Aufregung mit solcher Kraft, dass es mir in meiner Brust schmerzte, hätte ich doch beinahe meinem höchstrangigen Offizier die Kehle mit einem Hieb durchtrennt. Vor lauter Schreck brachte er keinen Laut aus sich heraus und in seinen Augen stand ein tiefes Entsetzen.
Glücklich darüber, dass dieses Missgeschick nicht in einer Katastrophe geendet hatte entschuldigte ich mich für diesen unverzeihlichen Fehler. Doch mein Untergebener rührte sich nicht. Ich fragte ihn was denn bloß in ihn gefahren sei, denn so tief konnte der Schock nun doch nicht sitzen, schließlich war er beim Militär und stand schon häufiger auf der Schwelle des Todes. Das einzige was er in den nächsten Momenten zustande brachte war etwas gestammeltes und endlich bewegte er sich. Er hob langsam seinen rechten Arm und zeigte auf etwas hinter mir. Erneut begannen sich Schweißperlen auf meiner Stirn zu bilden. Ich festigte meinen Griff um das Schwert und drehte mich um. Keine zwei Meter entfernt saß ein gewaltiger Phönix.
Sein Feuer erhellte mein ganzes Zelt und es wunderte mich warum mir diese Veränderung nicht auch ohne meinen Offizier aufgefallen war. Der Phönix war ein wunderschönes Wesen und dieser schien besonders prachtvoll zu sein. Das Feuer war größtenteils rot und flackerte seinen ganzen Köper entlang. Die Größe dieser Vögel ist beachtlich, so war sein Kopf direkt unter meiner Zeltkuppe und es war ein Wunder warum nicht mein gesamtes Zelt in Flammen stand. Nun wusste ich auch warum mein Untergebener nicht mehr Herr seiner Sinne war und auch ich rechnete felsenfest mit meinem Tod, denn um einen Phönix zu besiegen, ist mehr als nur ein Schwert von Nöten. Obwohl ich mich mit meinem Ende abgefunden hatte tat sich mir plötzlich ein Rätsel auf: Ich hatte einen Schatten und keinen Lichtfleck auf meinem Zelt gesehen. Das Rätsel löste sich aber im nächsten Augenblick, denn hinter dem Phönix tauchte ein gut gerüsteter Zentaur auf. Er war es gewesen dessen Schatten ich erkannte. Sein Fell glänzte im Licht des Phönix orangefarben und seine sichelfömige Lanze reflektierte jedes züngeln einer Flamme auf dem Köper des Phönixes und ließ es aussehen als wäre die Lanze aus flüssigem Gold. Meine Angst wich, denn der Phönix hätte, wenn es in seinem Sinne gewesen wäre, meinen Offizier und mich schon längst in Aschehaufen verwandelt. Der Zentaur erhob das Wort: "Werter Herr Ritter, gewährt Ihr meinem Gebieter eine Audienz?" Da ich erwartete meinen letzten Atemzug genommen zu haben, wenn ich im sein Belang verweigerte antwortete ich mit ja. Der Phönix begann einen wundervollen Gesang von sich zu geben. Als er verstummte ergriff erneut der Zentaur das Wort: "Mein Herr und Meister ist über Eure Antwort sehr erfreut und bittet, dass Ihr Euch eurer Furcht entledigen möget." Scheinbar war der Zentaur so etwas wie der übersetzer des Phönix. Er fuhr fort mit den Worten: "Herr Ritter es gibt in dem Gebiet, das wir unsere Heimat zu nennen pflegen in letzter Zeit des häufigeren Angriffe, denen nicht nur der Wald, sonder auch viele seiner friedlichen Bewohner zu Opfer fallen." Dreist fragte ich, was dies mit mir zu tun hätte, bereute es aber sofort. Erneut erklang der wundervolle Gesang des Phönixes und der Zentaur übersetzte: "Mein Meister verbitten einen solchen Ton und versteht dennoch euer Begehr nach Information. Er lässt mich Euch sagen, das Ihr derjenige sein sollt der uns von diesen bedrohlichen Schlägen gegen unsere Gemeinschaft befreit." Ich antwortete: "Wie stellt sich euer Herr und Meister dies vor, wo er doch in der Lage sein sollte, zu erkennen das ich wesentlich schwächer bin als er?" Der Phönix stimmte erneut seinen Gesang an und ich wunderte mich warum niemand meiner Leute bemerkte, dass etwas in meinem Zelt vor sich ging. "Ihr seid ein Herr mit reinem Herzen und somit in der Lage unsere wertvollsten Schätze in den Kampf zu führen. Wir, das Volk des Waldes, besitzen nämlich eine magische Ausrüstung die nur für einen Menschen gedacht ist, dessen Herz nicht von Schandtaten befleckt ist", übersetzte der Phönix und fügte hinzu "Euer besorgter Blick verrät mir, dass Ihr Euch um Wohl Eurer Soldaten fürchtet. Ihnen geht es gut. Sie befinden sich bloß in einem tiefen magischen Schlaf wie Euer Offizier neben euch." überrascht über diese Aussage drehte ich mich um, um nach meinem Offizier zu sehen. Er lag regungslos am Boden und gab ein leises Schnarchgeräusch von sich. Entsetzt fragte ich, was mit ihnen angestellt wurde. Der Zentaur antwortete sofort, ohne dass der Phönix zu singen begann: "Unsere Feen haben einen Schlafzauber auf Euer Gefolge gelegt, damit wir ungestöt unser Gespräch führen können. Sie werden aber keinen bleibenden Schaden davontragen." Jetzt begann der Phönix mit seinem Gesang, der wie jedes Mal zuvor ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit in mir auslöste. Während er sang, dachte ich mir, dass mich der Phönix wohl genau verstehen könne, wenn ich etwas sagte, oder viel mehr sogar meine Gedanken zu lesen im Stande war. Nach einer Weile verstummte der Phönix und der Zentaur erhob seine tiefe Stimme: "Herr Ritter, es bleibt keine Zeit, wir müssen uns augenblicklich auf den Weg begeben." "Aber meine Männer!" Unterbrach ich ihn. "Ihnen wird nichts zustoßen. Hier auf den Pheldirfeldern sind sie sicher. Aber je mehr Zeit verstreicht, desto geringer wird die Chance, dass ihr uns helfen könnt. Rettet ihr uns, stehen wir auf ewig in Eurer Schuld, bedenkt dies, denn die Schuld des Phönixkönigs zu genießen, ist ein wahrhaftig einmaliges und besonderes Privileg. Falls ihr etwas genaueres über den Feind erfahren wollt, der Euch gegenüberstehen wird, so müsst Ihr dies Verlangen auf die Anreise verschieben, denn uns rinnt die Zeit davon. Während des Rittes werde ich alle Informationen derer wir habhaft werden konnten, an Euch weitergeben."
Schweren Herzens akzeptierte ich die Aufgabe des Phönixkönigs und ließ meine Männer schlafend auf den weiten Feldern zurück, nachdem ich meine Rüstung, den Schild und das Schwert auf Befehl des Zentauren zurückgelassen hatte. Er befahl mir aufzusitzen und wir ritten los. Der Phönix flog direkt über unseren Köpfen hinweg und leuchtete unseren Weg aus, so dass es uns leicht viel Hindernisse zu umgehen. Während des Rittes änderte sich die Landschaft beträchtlich. So erklärte mir der Zentaur, dass ich es mit einem schwarzen Drachen zu tun bekommen würde, während wir durch felsiges und hügeliges Gelände ritten und am Horizont die Silhouette eines Waldes erkennbar wurde. Er stand zu weiten Teilen in Flammen und der Himmel glühte rot, während gewaltige schwarze Rauchschwaden gen Himmel stiegen. Nun verstand ich das Problem der Bewohner des Waldes und ihrem König, dem Phönix, jedoch zweifelte ich immer mehr daran, je näher wir dem Wald kamen, wie ich alleine einen so mächtigen Feind besiegen könnte. Unsere seltsam anmutende Gemeinschaft erreichte den Wald und plötzlich tauchten zwischen den Bäumen mehrere Zwerge auf. Einer trug etwas goldenes und zwei andere weitere glitzernde Gegenstände. Wir hielten an und ich stieg ab.
Der Zentaur begann die Situation zu klären: "Herr Ritter dies sind die Schmiede der magischen Gegenstände, die Sie dazu befähigen sollte dem Drachen die Stirn zu bieten. Ich bitte Sie nun inständig die Ausrüstung an sich zu nehmen und diesem übel ein Ende zu bereiten. Ich tat wie mir geheißen und legte die golden schimmernde Rüstung an. Ich war erstaunt über ihre Leichtigkeit, denn ich spürte kein Gewicht an mir haften. Die anderen Zwerge reichten mir die weiteren Gegenstände. Ein Schwert, dessen Schärfe mit bloßem Auge erkennbar war und einen Schild der aus reinem Gold gefertigt zu sein schien. Auch die Edelsteine die in den Griff des Schwertes und in den Schild eingelassen waren, zeugten von der Meisterhaftigkeit, mit der diese Waffen geschaffen wurden. Als ich mich fertig vorbereitet hatte erhob der Phönix einmal mehr seinen Gesang den der Zentaur sogleich in die menschliche Sprache übersetzte: "Steigen Sie auf den Rücken des Phönix Herr Ritter, er wird sie an die Front tragen, während wir uns um die Untertanen des Drachen kümmern. Unser Meister kennt die Hemmungen die Sie jetzt hegen, aber bittet darum, dass Sie ihm vertrauen."
Als der Zentaur geendet hatte senkte sich der Phönix und erlaubte mir aufzusitzen. Tatsächlich hatte der Phönix meine Bedenken vorrausgesehen. Ich erwartete bei Kontakt mit ihm zu verbrennen, vertraute aber auf die Worte des Zentauren. Ich setzte mich auf den Rücken des Phönix und sofort durchströmte mich ein Gefühl der Wärme, aber was erstaunlich war, es war eine milde Wärme und ich begann dieses Gefühl zu genießen. Der Phönix richtete sich auf und hob mit wenigen Schlägen seiner mächtiger Flügel ab. Er erhob sich immer höher und ich konnte hinter ein paar Baumreihen ein Schlachtfeld ausmachen, auf dem sich aber Tausende Soldaten eine heftige Schlacht lieferten. Es waren Zentauren, Zwerge, Elfen und sogar kämpfende Bäume auf der einen und Minotauren, Medusen, Harpien und ein gewaltiger schwarzer Drache, der mit einem Feueratem duzende Waldkrieger in den Tod riss. Plötzlich beschleunigte der Phönix und wir erreichten eine Geschwindigkeit von der ich nicht einmal zu träumen im Stande gewesen war. Wir erreichten schnell das Schlachtfeld und an der Spitze landete der Phönix und setzte mich ab. Erneut ließ er seinen Gesang ertönen um mir noch einmal Mut zu machen. Er zog sich zu seinen Leuten zurück um sie zu unterstützen. Nun lag es an mir diesen Krieg zu beenden, denn glaubte ich den Worten des Zentauren, würden die Krieger des schwarzen Drachen sofort kapitulieren, wenn ich ihren Meister vernichtete. Ein Erzittern der Erde weckte mich aus meinen Gedanken. Vor mir stand der schwarze Drache. Der Anblick ließ mich erschaudern. Sein Schuppenkleid hätte jeder Waffe standgehalten und ich fragte mich wie ich allein diesen Kollos zu fall bringen sollte. Während Rauch aus seinen Nüstern quoll schlug er mit seinem Schwanz nach mir und ich konnte im letzten Moment mit meinem Schild seinen Hieb parieren. Es schleuderte mich mindestens 20Meter durch die Luft als ich weich aufsetzte. Meine Rüstung schien mich nicht nur vor Waffen zu schützen. Ich stand auf und stürmte dem Drachen entgegen. Er holte tief Luft und spie Feuer nach mir. Geblendet von der Feuersbrunst die auf mich zu raste hob ich die falsche Hand mit dem Schwert. Doch auch diesen Angriff überstand ich unbeschadet. Während um mich herum alles versengt war ging es mir gut. Das Schwert hatte den Feuerball in zwei Teile geschnitten und ich begann daran zu glauben, dass ich die Macht besaß, dieses Ungetüm zu besiegen. Denn ich hatte ein Schwert, das selbst Feuer schneiden und eine Rüstung, die selbst den härtesten Treffer zu federn im Stande war. Ich setzte meinen Angriff fort und der Drache hieb erneut mit seinem Schwanz nach mir. Ich holte mit meinem Schwert aus und traf den Schwanz des Drachen bevor er mich erreichte. Um seine Schwanzspitze erleichtert wurde der Drache wütend und griff mich mit seinen Pranken an, die ich mit dem Schild zu parieren versuchte. Doch gleichzeitig spie er erneut Feuer nach mir. Er traf mich mit seinem Atem in die Seite und ich schrie auf vor Schmerz. Die Rüstung war geschmolzen und ich hatte schwere Verbrennungen erlitten. Ich kämpfte aber unter Schmerzen weiter, bis er erneut einen Feuerball auf mich los ließ. Ich hob mein Schild und dieser reflektierte den Feueratem zu seinem Verursacher zurück. Der Drache konnte gerade ausweichen, doch mit gezücktem Schwert war ich schon losgerannt und ehe er sich versah, rammte ich ihm mein Schwert in eines seiner Beine. Der gut 30m lange Drache fiel in sich zusammen und stürzte dabei genau auf mich zu, denn ich war schon, wie ich dachte, in sichere Entfernung gerannt. Erneut hielt ich mein Schwert schützend vor mich, als mich das tonnenschwere Ungetüm erfasste.

Danach erinnere ich mich erst wieder daran, dass ich in einem Elfenhaus zu mir gekommen bin. Ein Zentaur stand neben mir. Sein Fell war silbern und die Sonne erleuchtete seinen menschlichen Oberköper ebenso, wie sie den ganzen Raum in warmes Licht tauchte. Als er sprach erkannte ich ihn wieder. Es war der übersetzer des Phönixes und er teilte mir mit, dass ich den Drachen besiegt hätte. "Ihr wart in der Lage dem schwarzen Drachen das Schwert direkt in sein Herz zu rammen. Dabei ist es jedoch zerborsten und unbrauchbar geworden. Ihr hattet sehr viel Glück, dass die zerstöte Rüstung noch teilweise von Magie durchflossen ward, als der Drache auf euch stürzte. Dies hat euer Leben gerettet, welches Eure Mannen gerne feiern würden. Euer erster Offizier ist die letzten drei Nächte nicht von Euch gewichen nachdem er vom Phönixkönig hier her geleitet worden war. Ihr habt uns alle und den Wald gerettet, dafür sind wir euch zu ewigem Dank verpflichtet." Wieder gefasst fragte ich nach dem Verbleib des Phönixkönigs. Als Antwort erhielt ich die Auskunft über sein Opfer für den Wald, dass er gegeben hatte, um zusammen mit dem Wald aus der Asche wiedergeboren zu werden. Hinkend verließ ich den Raum. Mich erwartete ein Zwerg mit dem magischen Schild in seinen Armen. Er überreichte es mir mit den Worten: "Dies soll als Dank für unsere Rettung euch gehöen." Ich nahm es dankend an und sah meinen ersten Offizier. Er kam mir entgegen und rief: "Mein Herr endlich seid ihr wach kommt heraus und genießt diesen wundervollen Tag an diesem wundervollen Ort. Von einem Krieg war nichts mehr zu sehen und bis zu meiner entgültigen Genesung verbrachten wir unsere Zeit in diesen wundervollen Wäldern.
Am Tag unserer Abreise setzte sich ein kleiner brennender Vogel auf meine Schulter und begann zu singen. Ich wusste wer er war und um ihn zu verstehen, war in diesem Fall kein übersetzer notwendig. Er dankte mir von ganzem Herzen. Ich und meine Gefolgsleute verließen also den Wald und heute kamt ihr zu uns. Falls ihr mir meine Geschichte nicht glauben solltet, so blickt über meine Schulter auf das Schild neben dem Bett und ihr werdet mir glauben.


ENDE

Ubi_Marc
29-03-06, 09:53
<font size="4">Story #3 von Matthias Muche</font>

Feldzug gen Niederberg

Ein Pfeil verfehlt Orrin knapp. Sie werden immer besser flucht der Ritter und gibt seinem Pferd die Sporen. Vor ihm liegt eine Anhöhe, wenn er diese erreicht ist er erstmal sicher vor seinen Vefolgern. Die Zentauren erkennen die Gefahr und ein Dutzend Speere fliegen heran. Die meisten verfehlen Orrin, doch dann schreit er auf: ein Speer ragt aus seiner linken Schulter.
"Schneller!" ruft er seinem Pfed zu. Er darf auf keinen Fall langsamer werden. Sein Rappe mobilisiert noch einmal seine Kräfte und ihnen gelingt es, den Hügel hinter sich zu lassen.
Orrin blickt sich um und läßt dann sein Pferd austraben und wendet sich schließlich seinen Verfolgern zu. Die ersten Zentauren kommen über den Hügel und stoppen abrupt. Ein unmenschlicher Schrei kommt aus ihren Kehlen.
"Feuer."
Befiehlt Orrin triumphierend und die Bogenschützen, die sich rund um den Hügel in Feldern und Bäumen versteckt hatten, lassen ihre Pfeile fliegen und die Schar Zentauren verstummt für immer.
Die Soldaten kommen aus ihren Verstecken und formieren sich um Orrin, der sogleich eine Ansprache hält: "Männer! Ihr habt gute Arbeit geleistet. Diese marodierenden Zentauren verwüsten schon viel zu lange unser wunderschönes Land."
Weiter kommt er nicht, denn Ingham, ein Mönch, bahnt sich seinen Weg zu Orrin, fuchtelt mit seinem Stab und ergänzt in nögelndem Tonfall: "Ja. Ja. Aber jetzt laßt mich eure Wunde versorgen. So ein Speer ist keine Kleinigkeit. Eure Männer können sich derweil nützlich machen und die Leichen von der Straße schaffen, damit nicht der erstbeste Bauer über sie stolpert." Murrend ziehen die Soldaten ab, die lieber noch ein wenig Lob von ihrem Anührer genossen hätten und Orrin und Ingham bleiben allein zurück. Orrin steigt von dem Pferd und Ingham schaut sich die Wunde an.
"Ihr dürft sie nicht ständig loben. Heute habt ihr die Hauptarbeit erledigt, sie mußten nur noch den Pfeil loslassen und dazu bedarf es keiner besonderen Fähigkeiten." Erklärt Ingham und probiert, wie fest der Speer steckt.
"Aber sie haben....Au!" Orrin dreht sich zu Ingham um, der den Speer grinsend in der Hand hält.
"Ein Glück sind die Wurfspeere der Zentauren kleiner als gewöhnliche Speere, sonst hättet ihr jetzt ein ganz übles Loch in der Schulter, aber ich kann euch beruhigen, dass was ich da sehe, heile ich im Handumdrehen."
"Na dann mal los."
"Und Ruhe bitte."
Nach einiger Zeit kommen die Soldaten zurück und machen es sich auf den umliegenden Wiese bequem und schließlich erklärt Ingham die Wunde für geheilt.
"Männer! Macht euch bereit, wir marschieren in fünf Minuten los!" Ruft Orrin aus, nachdem er wieder einsatzbereit ist.
Die Bogenschützen formieren sich und Orrin verkündet: "Unser nächstes Ziel ist Niederberg, die Stadt, die den Mächten des Bösen als Basis für ihre zahlreichen Untaten in unserer Heimat dient." Ingham rollt mit den Augen und Orrin endet kurz, "Laßt uns den Feind ausrotten." und reitet los.
Nach vier Tagen Marsch erreicht Orrin mit seiner Truppe Niederberg, vor den Toren der Stadt erwartet sie ein Mönch, der sich sofort zu Ingham und Orrin gesellt und sie informiert: "Die Stadt wird von Medusen unter dem berüchtigten Crag Hack gehalten. Ich möchte euch nicht beleidigen, aber mit euren Bogenschützen werdet ihr nicht gegen sie ankommen."
"Blödsinn!" Braust Orrin auf, "Morgen erobern wir Niederberg und festigen unseren Ruhm!"
Der Mönch ist erstaunt, ob der heftigen Reaktion des Ritters, doch Ingham beruhigt ihn: "Keine Angst, er ist immer so. Wenn es nicht mehr zu berichten gibt, lasst uns an das Lagerfeuer gehen und einige Neuigkeiten des Ordens austauschen."
Der Nacht folgt der Morgen und Orrin stellt seine Truppen leicht auseinander auf, so dass die gegnerischen Pfeile ihr Ziel schwerer finden. Hinter den Mauern erscheinen die Medusen, doch von Crag Hack fehlt jede Spur.
"Feuer!" Befiehlt Orrin und eine Pfeilwolke geht auf die Verteidiger der Stadt nieder, doch auch die Angreifer bleiben nicht verschont und Orrin sieht, wie einige seiner Männer verletzt zu Boden gehen. Weitere Pfeilsalven wechseln die Seiten und Orrin versucht angestrengt, Verluste bei den Gegnern festzustellen, doch scheinen diese eher selten getroffen zu werden. Da kommt der Hauptmann seiner Bogenschützen angerannt und berichtet: "Ritter Orrin, wir kommen nicht gegen sie an. Die Mauern sind zu hoch. Wenn wir uns nicht zurückziehen, verlieren wir unsere Schützen für nichts!"
"Gut. Befehlt den Rückzug!"
Orrin reitet betrübt zu Ingham und dem Mönch zurück, die sich im Hintergrund um Verwundete kümmern.
"Hier kommen wir nicht weiter und ich bezweifle, dass Crag Hack auf irgendeinen meiner Tricks hereinfallen wird."
"Nein, das glaube ich auch nicht, aber kein Grund zum Verzweifeln. Unser Freund hier hat mir eine interessante Geschichte erzählt, die uns vielleicht weiterbringt. Ich kümmere mich nur erst um die Verwundeten, dann können wir das weitere Vorgehen besprechen."
Einige Zeit später gesellt sich zu dem brütenden Orrin ein blutverschmierter Ingham.
"Wir haben viele gute Männer verloren und eine überschaubare Zahl wird lange Zeit keinen Bogen halten können."
"Das weiß ich Ingham, doch was soll ich machen."
"Ihr besitzt doch die "Wunderrüstung"?
"Ja, ich trage sie gerade, was ist damit?"
"Mein Ordensbruder hat mir erzählt, dass sich eine Gruppe Scharfschützen in dem nahegelegenen Gebirge befindet. Sie sind in einer heiligen Mission unterwegs und wollen die Artefakte, die zur "Engelsallianz" gehöen, an sich bringen. Es handelt sich bei ihnen um außergewöhnliche Bogenschützen und vielleicht ist ihr Anführer Gelu bereit, unseren Bogenschützen die Fähigkeiten seiner Scharfschützen zu vermitteln."
"Und du glaubst im Gegenzug möchte er meine "Wunderrüstung"?" Entgegnet Orrin zweifelnd, auf seine geliebte Rüstung blickend.
"Ja, aber ich denke, das ist ein angemessener Preis für Niederberg." Sagt Ingham, während er sich nebenbei über den blutverschmierten Umhang fährt.
"Ja, du hast recht. Wir ziehen ab, sobald die Verwundeten transportierbar sind."
Am nächsten Morgen war es soweit, die Truppen Orrins zogen in das Gebirge und nur einige Freiwillige blieben als Späher zurück.
Die Reise zu den Scharfschützen erwies sich als voller Erfolg und Orrin konnte die Begeisterung über die neuen Fähigkeiten seiner Bogenschützen nicht genug loben, so dass er den Verlust seiner "Wunderrüstung" verschmerzen konnte.
Mit gestärkter Moral und neuer Hoffnung marschierten die Truppen vor Niederberg auf, doch schon bald stießen die Späher zu der Truppe und unterrichteten Orrin: "Crag Hack hat Verstärkung bekommen. Vor nunmehr fünf Tagen konnten wir uns gerade noch in Sicherheit bringen, als vier Schwarze Drachen über unsere Köpfe hinwegflogen und sich in Niederberg einnisteten."
"Schwarze Drachen sagt ihr? Ingham, ich glaube es wird Zeit, dass wir ein ernsthaftes Wort mit dem Herrscher sprechen. Wo bleiben meine Erzengel?"

Ubi_Marc
06-04-06, 02:36
<font size="4">Story #4 von Andreas Veltrup</font>

Die Schlacht im Steinernen Tal

Lord Argor aus dem Hause Rhoynar, einer der mächtigsten Lords des Königreichs, Herrscher über die fruchtbaren Südlande, und sein Eheweib, Lady Crysania, aus dem Hause Martell, dritte Tochter des alten Königs Nymeria I., des Stählernen, und damit Schwester des neuen Königs, König Nymeria II., der schon in jungen Jahren "Der Unbarmherzige" genannt wurde, waren ein Paar, welches ungleicher nicht sein konnte.
Die zierliche Lady hatte die Schönheit ihrer hohen Mutter, aber die Härte und Kühle vom alten König; Ser Argor, ein Riese von einem Mann, war ein kühner, harter, aber gerechter Lord und ein sanfter Ehemann, dem die Götter in den drei Jahren seiner Ehe keinen Erben geschenkt hatten.
Eine bewaffnete Eskorte von dreihundert berittenen Rittern und sechshundert Fußsoldaten geleiteten den Lord und seine Lady, die auf dem Weg in den Westen waren, um dort dem Lord der Flusslande, Ser Gendry aus dem Hause Tanis, ein Angebot zu unterbreiten, welches den langwährenden Streit um die Erzreichen Höhen, die ihre Ländereien voneinander trennten, zu beenden. Ser Gendry war ein verschlagener und listiger Lord, der keine Grundsätze hatte, und alles daran setzte, seinen Reichtum zu mehren.
Die einflussreichen Ritter von Lord Argor hatten vergeblich versucht, ihn von dieser Reise abzubringen, doch Lord Argor war ein entschlossener Mann.
Der Lord wurde begleitet von seinem Alchimisten, Palanthas von Bor, Ser Moat, Argors Rechter Hand, und dessen Sohn.

Meine Männer und ich, eine Truppe von elf Recken, kamen aus dem Norden und waren auf dem Weg in den Südwesten, wo wir für unseren Herren eine Angelegenheit zu klären hatten. Meine langjährigen Gefährten, der Halbelf Elistan, Kendeer mit seinem Schattenwolf, und Raistlin der Magier, sowie eine Gruppe von sieben Söldnern rasteten unweit des Steinernen Tals.
Kendeer, der nie zu schlafen schien, und ein Söldner hielten Wache, während wir anderen ruhten. Kendeer, der Gestaltwandler, hat die Fähigkeit, mit den Augen seines Wolfes Rock zu sehen. Rock ist ein Schattenwolf, ein beängstigendes Tier, zweimal so groß und dreimal so stark wie ein normaler Wolf, grau wie Gestein, mit Augen, so dunkel wie der Grund eines Sees.
Ich kann noch nicht lang geschlafen haben, als mich Kendeer leise weckte. Rock hatte sich während seiner nächtlichen Jagd einige Meilen entfernt und war dem Steinernen Tal nahe gekommen; Kendeer sah durch seine Augen das leere Tal, aber in den Wäldern oberhalb des Tals schienen große Gruppen ihre Lager zu haben, bewaffnet mit schweren Äxten, Schwertern, Armbrüsten und Bögen; gerüstet in Kettenhemden, Harnische und Helme, die allesamt keine Wappen aufwiesen. Sie zu zählen war ihm unmöglich, aber es mussten einige Hundert, vielleicht Tausende sein.
In Zeiten des Friedens ist es ungewöhnlich, solch große, schwer bewaffnete Gruppen nächtens im Wald lagern zu sehen, weshalb wir, dem Königreich verpflichtet, in Erfahrung bringen mussten, wessen Männer kampfbereit dort lagerten.
Elistan, Kendeer und ich machten uns auf den Weg zu den Wäldern des Steinernen Tals. Rund um die Lager waren Späher aufgestellt, wie Kendeer durch Rocks Augen sah.
Elistan, der sich mit der Samtheit einer Katze bewegte, machte sich am Fuß des Tals alleine auf, um einen der Späher gefangen zu nehmen. Rock führte ihn zu einem Wachposten; der pralle Mond wurde von dichten Wolken verdeckt, aber Elistan hatte scharfe Augen und sah bei Nacht nur ungleich schlechter als zu Tage.
Kendeer berichtete mir, was er durch die Augen des Wolfes sah. Ein Späher saß auf einem Ast und schien zu schlafen. Der Halbelf schlich geräuschlos heran, kletterte flink den Baum hinauf und schlug den Späher mit der flachen Seite seines Kurzschwertes bewusstlos.
Kurz vor Anbruch des Morgens waren wir zurück in unserem Lager. Nachdem wir den Gefangenen gefesselt hatten, haben wir aus ihm herausgeholt, was wir wissen mussten; seine Angst ließ ihn singen wie einen balzenden Vogel.
Er war ein Mann des Lords der Flusslande, Ser Gendry.
Lord Genry plante, Lord Argor in einen Hinterhalt zu locken, ihn und seine Mannen zu töten und sich dann seiner Ländereien Herr zu machen.
Wir ritten bis spät am Nachmittag, als wir auf die Vorhut von Lord Argors Kolonne trafen.
Der Führer der Vorhut, Ser Arristan, hatte vor vielen Jahren meinem Herren gedient, deshalb zweifelte er nicht an meinen Worten und führte uns sofort zu Lord Argor. Der Lord befragte uns genau; er war kein leichtgläubiger Mann, er musste wissen, wem und was er glaubte. Seine Rechte Hand bekräftigte ihn dabei, uns zu vertrauen.
Er befahl dem Sohn seiner Rechten Hand, sich zwei Dutzend Männer zu nehmen und Lady Crysania an einen sicheren Ort zu geleiten.
Es war bekannt, das Lord Gendry stets selber seine Truppen führte, begleitet von seinen drei Söhnen und seiner Tochter, einer Frau, die hätte ein Mann sein sollen, groß und breitschultrig, nicht minder stark als ein Mann und geschickt sowohl im Sattel als auch im Umgang mit der Axt.
Lord Argor beschloss, die gegnerischen Truppen in den frühen Morgenstunden zu überraschen.
Da wir nicht wussten, wie viel größer das Heer des Gegners war, war es ein gefährliches und wagemutiges Vorhaben. Trotzdem schlossen wir uns dem Lord an, der uns einen Platz an seiner Seite gewährte.
Wir machten uns auf zum Steinernen Tal.
Da wir zu wenig Männer waren, um auf beiden Seiten des Tals zu kämpfen, mussten wir Lord Gendrys Truppen im Tal einkesseln. Wir teilten uns in vier Gruppen; Argor führte einen Trupp von hundertfünzig Reitern, ebenso seine Rechte Hand; der Alchimist Palanthas, mein Gefährte Raistlin und drei Dutzend Soldaten bildeten einen Trupp; die Hauptmacht, die Fußsoldaten, sollten den Gegner im Süden oberhalb des Tals angreifen.

Wir hatten den westlichen Eingang des Tals erreicht und waren kampfbereit, als auf der Nordseite oberhalb des Tals Schreie laut wurden. Helle Flammen loderten im Wald auf. Fast zeitgleich ertönten auf der Südseite laute Schlachtrufe. Die Schlacht hatte begonnen, die Totenstille war vorbei.
Ser Moat sicherte den Östlichen Eingang des Tals; Argor und ich mit meinen Männern den Westlichen.
Man höte eine laut tobende Schlacht auf der Südseite, wo unsere Hauptmacht den Gegner im Schlaf überraschte und ihm stark zusetzte; die überlebenden Männer des Flusslords flohen ins Tal. Auf der anderen Seite des Tals hatten Raistlin und Palanthas mit ihren Männern ein gewaltiges Feuer entfacht, wie es wohl nur Zauberer und Alchimisten vollbringen können. Dem feindlichen Heer blieb nur die Flucht ins Tal.
Es mussten an die Tausend Männer sein, die auf jeder Seite lagerten und jetzt verzweifelt den Weg ins Tal suchten.
Von beiden Eingängen stürmten jetzt unserer Berittenen ins Gefecht. An der Seite Lord Argors ritt ich ins Tal, auf der Suche nach Lord Gendry und seinen Kindern. Ein wildes Gemetzel begann auf allen Seiten, Blut spritze, Köperteile wurden abgetrennt, Menschen starben. Das laute Klirren von Stahl und das Geschrei sterbender Männer füllte das Tal. Ich höte das Heulen des Schattenwolfes und sah kurz darauf, wie er an mir vorbei sprang und einem Mann die Kehle zerriß, um gleich darauf dem nächsten ein Stück Fleisch aus dem Bein zu reißen. Äxte flogen, Schwerter kreisten, Pfeile schwirrten. Schilder zerbarsten und Köpfe wurden gespalten.
Als ich nach links schaute, sah ich, wie Lord Argors Pferd zusammenbrach, eine Lanze steckte in seinem Hals. Hinter ihm sah ich die Tochter Lord Gendrys heranpreschen, eine Streitaxt in den Händen und auf Argor einschlagen. Argors Zweihänder zerbarst unter der Wucht des Aufpralls. Blitzschnell rammte er den Stumpen des Schwertes ihrem Pferd in den Hals, das sofort zusammenbrach und seine Besitzerin unter sich begrub. Ich sah einen ihrer Brüder schreiend mit einem Streithammer auf den Lord zukommen. Ich hob mein Schwert über den Kopf, und schleudere es dem Mann entgegen, der mit einem erstickten Schrei, in den Hals getroffen, zu Boden ging. Der Lord schaute zu mir herüber, rief etwas, das ich nicht verstand, nahm ihre Streitaxt an sich und bahnt sich einen Weg durch die Gegner, bevor ich ihn aus den Augen verlor.
Ich holte mir mein Schwert, streckte zwei Männer nieder und sah Palanthas am Rand des Schlachtfelds; brennende, feindliche Krieger rannten schreiend von ihm weg.
Mein Bastardschwert lag schwer in meiner Hand, die Beschläge meines Schildes waren zerschlagen.
Auf der Suche nach Lord Gendry sah ich Elistan, der blitzschnell einen Pfeil nach dem anderen auflegte, jeder Pfeil traf tötend sein Ziel.
Hinter ihm kämpfte ein Hüne in den Farben des Hauses Tanis, und rammte einem unserer Männer einen Dolch in den Hals. Ich versuchte Elistan zu warnen, als der Mann von hinten auf ihn zu kam. Elistan drehte sich um, und im nächsten Moment quoll Blut aus seinem Mund und er brach röchelnd zusammen. Ich schrie laut als ich dem Mann mein Schwert in den Bauch rammte, es drehte, und wieder herauszog, mich sofort danach umdrehend, um einer Attacke auszuweichen, jedoch zu spät.
Ich spürte einen dumpfen Schlag an meinem Kopf und meine Sinne schwanden.

Als ich erwachte, war es taghell. Mein Kopf brannte und schmerzte. Raistlin und Argor standen neben mir, ein lauter Siegesruf gellte über das Tal. Als ich das Tal überblickte sah ich Tote, Sterbende und Verletzte, unter ihnen Elistan, mein lieber Gefährte, und Ser Moat, die Rechte Hand des Lords. Die Schlacht war vorüber. Wir hatten Lord Gendry bezwungen, der mit einem Dolch im Herzen neben Lord Argor lag.
Nachdem wir unsere Wunden versorgt hatten, lud Lord Argor uns ein, mit zu Argors Rock zu kommen, seiner Feste im Süden. Doch unsere Wege trennten sich hier, wir waren unserem Herren verpflichtet, und mussten unseren Weg fortsetzen.
Lord Argors Dank aber war uns gewiss, und wir kämpften einige Jahre später wieder an seiner Seite, während der Schlacht am Golden River.
Aber dieses ist eine andere Geschichte, welche ein anderes Mal erzählt wird...

Ubi_Marc
24-04-06, 09:32
<font size="4">Story #5 von Martin Langfeld</font>

"Ich werde euch gerne unsere Geschichte erzählen." setzte ein breitgrinsender, recht junger Ritter an, der von der Statur her an einen der Baumstämme erinnerte, die um das Lagerfeuer herum als Sitzgelegenheit angeordnet waren.
Der fremde Ritter nahm sich die Zeit, ihn genauer zu betrachten, während er eine Kelle Wasser nach der anderen leerte. Das von Narben durchzogene, wenn auch etwas blasse Gesicht und die einstmals prunkvolle Rüstung wiesen den offensichtlichen Anführer als erfahrenen Ritter aus. Der Schmutz und der Rost auf seiner Rüstung, es konnte sich auch um getrocknetes Blut handeln, liessen auf einen kürzlichen Kampf schliessen. Einzig seine leicht trüben, blassblauen Augen verrieten, dass er trotz seines Alters bereits mehr gesehen und erlebt hatte, als ein Mensch in einem Leben sehen sollte. Der fremde Ritter war sich sicher, dieser Mann wusste bestimmt eine gute Geschichte zu erzählen.
"Doch wo sind meine Manieren?" fuhr der Mann fort, nachdem er Platz genommen und sich einen Weinschlauch hatte geben lassen. Mein Name ist Blakeward Orrington - meine Männer nenn mich Orr - und Ihr seht vor Euch den letzten Rest des dritten Regiments der Imperialen Armee des Havens. Verzeiht unser Aussehehn, sicher riechen wir auch nicht gerade frisch, aber meine Geschichte wird uns sicher rechtfertigen."
Er nahm einen tiefen Schluck aus dem Weinschlauch und schien dabei seinen Gast völlig zu ignorieren, der sich weiterhin mit Wasser begnügen musste. Aus welchem Grund war dem fremden Ritter jedoch egal. Misstrauen schien dieser Tage ein guter Ratgeber zu sein, und auf seinen Reisen war er schon deutlich unfreundlicher Empfangen worden.
"Königin Isabel's Imperiale Armee, falls Ihr nicht genau wisst, wo Ihr seid, Fremder." fügte er mit einem Augezwinkern hinzu. "Es ist gut, dass Ihr aus einem fernen Königreich kommt. Nicht viele Freunde stehen in diesen Tagen dem Haven zur Seite, und ich werde auch das Gefühl nicht los, dass die benachbarten Königreiche unser Land bereits unter sich aufteilen. Aus dem Untergrund, den Orkländern, sogar aus der Hölle selbst strömen dieser Tage unsere Feinde. Wahrlich, wenn ihr Kriegsgeschichten sucht, seid ihr bei uns richtig. Vielleicht möchtet Ihr ja später mit uns die Hauptstadt besuchen. Wir erwarten noch in dieser Nacht die Ankunft einiger alter Freunde, mit denen wir uns dann gemeinsam auf den Rückweg begeben. Doch nun zu unserer Geschichte...

Es ist genau sieben Tage her, seit wir auf direkten Befehl des Oberkommandos aufbrachen, um eine neue Brutstätte der Untoten zu vernichten. Natürlich waren wir damals wesentlich zahlreicher. Eine Staffel Imperialer Greifen begleitete uns, der Orden von Elrath hatte uns ein Dutzend Priester und einige erfahrene Inquisitoren zur Seite gestellt, und sogar Paladine hatten sich angeschlossen. Unser Angriffsziel war eines der grossen alten Mausoleen, wie sie früher den Toten zu Ehre erbaut wurden. Der Orden hatte seinen Einfluss in dieser Sache geltend gemacht und wenn diese Fanatiker sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt haben... Ihr kennt das sicherlich." Er rollte mit den Augen und warf danach dem Fremden einen vielsagenden Blick zu. "Wieauchimmer, unsere Reise verlief zunächst ruhig. Während eines kurzen Abstechers, um einen von einigen Troglodyten verwüsteten Steinbruch zurückzuerobern, entdeckten meine Kundschafter einen kleinen Feenring. Diese magischen Orte stärken nicht nur die Moral der Truppe, wir entdeckten sogar ein geheimnisvolles, magisches Stundenglas, doch dazu später. Bereits nach drei weiteren Tagen spürten wir den Einfluss des Totenreichs überall um uns herum. Statt grüner Hügel und rauschenden Wäldern umgaben uns nur knorrige Trauerweiden und tote Erde. Ein grauer, übelriechender Dunst wurde unser neuer Begleiter und je weiter wir vordrangen, desto schlimmer wurde es. Niemand sprach darüber, doch an dieser Stelle hatte ich wohl nicht alleine das erste Mal das Gefühl, dass diese Aufgabe viel schwerer werden würde, als wir zunächst angenommen hatten. Der Boden selbst schien zu leiden, und wo Graslandschaften hätten sein sollen begegnete uns nun ein grässlich stinkender Sumpf. Wir kamen immer langsamer voran, weil wir unsere Pferde immer öfter aus Wasserlöchern herausziehen mussten und unsere Greifen bestätigen uns, dass wir bei dem Tempo unser Ziel nicht vor Abend des zweiten Tages erreichen würden. So kämpften wir uns mühsam voran. Wir verloren zwei unvorsichtige Milizen an die tückischen Sumpflöcher und unsere Nachtruhe wurde stets von unheimlichen Schreien aus dem Nebel gestöt. Ihr uns vielleicht für schreckhaft, aber es war nicht das Heulen eines Wolfes oder des Windes, das uns den Schlaf raubte. Die Schreie klangen nicht menschlich, sie klangen vielmehr so, als wären es mal Menschen gewesen. Ich selbst wurde von einem wiederkehrenden Albtraum geplagt, in dem ein grinsender, grünlicher Totenschädel und schemenhafte Geister mit stechenden Blicken eine zentrale Rolle einnahmen. Sie heissen uns auf ihre Art willkommen, dachte ich, wenn ich des nachts schweissgebadet aufwachte. Doch schliesslich war dies nicht meine erste Mission und unsere Priester gaben sich auf dem Rest des Weges grösste Mühe, weitere schändliche Einflüsse von uns fernzuhalten.
Bereits am Mittag des Tages unserer Ankunft erfolgte der Angriff. Aus dem Sumpf um uns herum erhoben sich von einem Moment auf den anderen Dutzende von Skeletten und Zombies. Man hatte uns bereits erwartet.
Falls Ihr noch keinem Untoten begegnet seit," fügte Orr mit einem Grinsen hinzu, "es ist ein Anblick, an den ein Mann sich nie gewöhnen kann. Einen 'Menschen' zu sehen, der noch Teile der königlichen Rüstung trägt, doch dem das tote Fleisch in Fetzen von den blanken Knochen hängt, ist schlichtweg grauenvoll. Ihre unnatürlichen Bewegungen, ihre toten, weissen Augen und der allgegenwärtige faulige Gestank des Todes brennen sich einem für immer ins Gedächtnis." Orr unterbrach seine Geschichte kurz und leerte seinen Weinschlauch in einem Zug. Niemand am Lagerfeuer sprach ein Wort, bevor er wieder ansetzte. "Am schlimmsten jedoch ist die Ruhe, mit der sie vorgehen. Sie schreien nicht, sie brüllen keine Schlachtrufe, sie stürmen nicht voran. Sie marschieren mit einer Gelassenheit auf einen zu, wie sie nur jemand haben kann, der keine Angst kennt und genau weiss, dass er auf kurz oder lang siegreich bleiben wird.
Doch so leicht würden wir uns gewiss nicht geschlagen geben und ich spürte unter meinen Männern eine gewisse Freude darüber, dem Feind, der uns die letzten Tage nur auf köperlose Weise begleitet hatte, endlich Auge in Auge gegenüber zu treten.
Noch bevor ich meine Kommandos brüllte und einen Schildwall um die Priester formieren liess begann um mich herum das Murmeln meiner Kämpfer. Knappe Stossgebete, die heiligen Formeln der Paladine und die komplizierten Intonationen der Priester. Die Paladine hatten längst ihre gesegneten Schwerter durchzogen und ein silbernes Licht legte sich von den Priestern und Inquisitoren aus um unsere Streitmacht. Wir waren bereit.
Nach einigen unheimlichen Sekunden des Wartens begann der Kampf. Aus dem Murmeln wurde ein Brüllen. Stahl traf auf Stahl, Knochen und totes Fleisch. Die Paladine fegten - lautstark ihre Götter anrufend - durch die Skelette, als bestünden sie aus Glas. Knochen splitterten, wo die silbrigen Blitze der Priester einen oder gleich mehrere Gegner trafen. Die Ritter und Milizen verteidigten die Priester verbissen, und wo die Untoten durchzubrechen schienen schossen mit der für sie typischen Präzision die Greifen aus dem Nebel herab und lichteten umgehends die Reihen der Angreifer.
Doch die hohen Verluste kümmerten die Untoten wenig. Immer wieder höte ich Soldaten schmerzvoll aufschreien und der grausame Strom nahm kein Ende. Nach einer Stunde des Ausharrens wurde mir eines klar: Uns blieb nur die Flucht nach vorn. Erreichten wir das Mausoleum und besiegten wir den Urheber dieses Albtraums würden wir noch einmal mit dem Leben davonkommen. Falls nicht... nun, dann würde es uns wohl auch nicht mehr kümmern, stimmt's?" Orr grinste, und die Männer am Lagerfeuer nickten zustimmend.
"Bis zum Abend bewegten wir uns also verbissen kämpfend voran. Ich wechselte die Formationen je nach Lage der Situation, befahl mal einen Ausfallkeil, dann flankierten wir hartnäckige Ballungen von Untoten. Schliesslich tat sich der Nebel vor uns auf und wir erreichten unser Ziel unter glücklicherweise nur leichten Verlusten.
Ein breites, schwarzes Gebäude, von einem unheimlichen, grünlich pulsierenden Licht umgeben, tauchte aus dem Nebel auf. Umgeben von Grabsteinen und kleineren Krypten wirkte es wie ein riesiges, schwarzes Herz, das unbarmherzig und unaufhaltsam schlug und Energie in die tote Erde pumpte.
Dann tauchte er auf. Ein übergrosses, in ehemals kostbare Roben gehülltes Skelett trat aus den Toren des Mausoleums hervor, einen glühenden Zauberstab in der Hand. Die unheilige Aura des untoten Magiers war so kraftvoll und furchteinflössend, dass ich sie selbst auf die Entfernung warhnehmen konnte. Vielleicht über Jahrhunderte hinweg hatte dieser Untote sich auf den Kampf vorbereitet und Kreaturen um sich geschart und nun stand er uns gegenüber. Ein Erz-Lich war unser Gegner und mit ihm sein schreckliches Gefolge. Auf einen Wink von ihm strömten die köperlosen Geister aus meinem Traum gemeinsam mit zähnebleckende Vampiren zu Dutzenden aus dem Gebäude und stürzten sich ohne zu zögern ins Gefecht.
Ich verschaffte mir einen schnellen überblick über die veränderte Kampfsituation. Während meine Milizen und Ritter weiterhin mit dem immer stärker werdenden Ansturm der Zombies und Skelette zu kämpfen hatten waren unsere Greifen waren nicht länger unangreifbar. Sie lieferten sich eine erbitterte Schlacht mit den Vampiren und Geistern, und es stand nicht gut um sie. Die schiere Präsenz der Geister schien die Angriffszauber unserer Priester bis zur Wirkungslosigkeit zu schwächen und durch die blosse Anzahl unserer Gegner schien unser Schicksal bereits besiegelt zu sein.
Ich spielte unseren Trumpf aus. Die Inquisitoren, die ich bisher soweit es ging aus dem Kampf herausgehalten hatte, formierten sich zu einem Kreis und wirkten einen ganz besonderen Zauber. Nach einer endlosen, blutigen Minute des Ausharrens schien es, als hätte jemand eine Sonne in unsere Mitte geworfen. Mit ohrenbetäubendem Donnern brach die Nebeldecke auf und heiliges Licht erhellte das gesamte Schlachtfeld, bis wir kaum noch etwas erkennen konnten. In unmittelbarer Nähe der Inquisitoren zerfielen die Untoten einfach zu Staub. Die Vampire, die sich in der Luft befanden, stürzten brennend zu Boden und die Schemen der Geister verblassten, als würde man ein Wölkchen Pfeifenrauch wegpusten. Dort, wo die Strahlen den Boden berührten gingen die Skelette in Flammen auf, Grabsteine explodierten und zum ersten Mal höte ich einen Untoten schreien. Der Lich schrie vor Wut über die Wirkung dieses mächtigen Zauberspruchs so laut, dass er selbst über das Donnern hinweg noch zu höen war. Siegessicher befahl ich den letzten Angriff und meine Männer und ich stürmten brüllend auf das Mausoleum und den Erz-Lich zu.
Doch meine Geschichte ist noch nicht zuende. Als der Zauber verebbte scharten sich die verbliebenden Untoten um den geschwächten Anführer. Der griff seinen Zauberstab mit beiden Knochenhänden und hielt ihn gestreckt vor sich in die Luft. Der Kristall an der Spitze glühte auf und die Decke des Mausoleums zerbarst, doch nicht, wie ich zunächst annahm, weil der Zauber der Inquisitoren sie bereits geschwächt, sondern weil sich die mächtigste Kreatur der Untoten bisher nicht gezeigt hatte. Ein schwarzer Knochendrachen erhob sich mit einem schrillen Kreischen in die Luft und stürzte sich zunächst auf die bereits geschwächten Greifen. Sie hatten keine Chance. Danach fielen die Paladine wie Spielzeugsoldaten, einer nach dem anderen. Ich blickte hilfesuchend zu den Inquisitoren, die sich bereits wieder aufgestellt hatten, doch dieses Mal war der untote Magier schneller. Eine giftgrüne, ätzende Wolke erschien um sie herum und ich beobachtete mit vor Entsetzen aufgerissen Augen, wie sich ihnen innerhalb von Sekunden das Fleisch von den Knochen schälte. Sie hatten nicht einmal Zeit, zu schreien. Wir hatten verloren, das wurde mir nun klar, und in letzter Verzweiflung drehte ich das magische Stundenglas, das wir auf unserem Weg gefunden hatten."
Orr liess seine Erzählung einen Moment auf die Zuhöer wirken.
"Nun fahrt fort!" entfuhr es dem fremden Ritter. "Wie seid Ihr dieser Hölle entkommen? War dieses Stundenglas denn tatsächlich so mächtig, den Knochendrachen, den Erz-Lich und die restlichen Untoten zu vernichten?" Orr setzte wieder sein breites Grinsen auf. "Nein, das war es nicht. Das verfluchte Stundenglas war in diesem Feenring vergraben, weil es vor den Untoten beschützt werden sollte. Seine Macht lässt die Zeit in seiner näheren Umgebung für eine Weile langsamer verstreichen, doch beeinflusst es nur die Lebenden."
Wie ein Blitz traf den fremden Ritter die Erkenntnis. Kalter Schweiss schoss ihm auf die Stirn. Die trüben Augen Orrs und seiner Männer, der leicht faulige Geruch! Und war die dunkelrote Flüssigkeit in den Schläuchen wirklich Wein? Hatte man ihm deswegen keinen angeboten? Mit einem Schaudern wich er zurück und zog sein Schwert, doch er war längst umzingelt. "Habt keine Furcht, fremder Ritter. Ich halte meine Versprechen, Ihr werdet uns auf unserer Reise begleiten. Seht nur, da kommen bereits unsere alten Freunde!"
Mit einem ungläubigen Blick drehte der fremde Ritter zitternd den Kopf zur Seite und das letzte, was er in diesem Leben sehen sollte, war ein Horde Untote, angeführt von einem untoten Magier mit einem glühenden Zauberstab und gekleidet in Rüstungen und Roben von Imperialen Paladinen und Priestern.
Sie schienen erst kürzlich gefallen zu sein.

Ubi_Marc
15-05-06, 03:14
<font size="4">Story #6 von Elke Brittner</font>

Flammen, die sich selbst Verzehren

Bei Dämmerung betritt ein Ritter in einer vom Kampf gezeichneten Rüstung den Lagerplatz eurer Gruppe. Plötzlich sinkt er erschöpft zu Boden. Ihr nehmt ihm den Helm ab und reicht eine Kelle Wasser um ihn zu stärken. In dieser Minute beginnt er zu erzählen:
"Ich komme aus einem fernen Reich und reise seit Wochen umher. Mein Gebieter schickte mich euch zu finden und ihm von euren glorreichen Taten zu berichten. Bitte erzählt mir eure Geschichten und mein Herr wird euch dafür belohnen."
Ihr legt weiteres Holz auf das Feuer, öffnet die Weinschläuche und beginnt zu erzählen...

"Unzählige vor euch haben meine Geschichte gehöt, und ihr unglaubliches, ja beängstigendes Ende. Du denkst, meine Taten seien glorreich gewesen? Hö die Geschichte, wie meine Gefährten sie gehöt haben, wie mein Volk sie erlebt hat, und wie kaum einer sie je wiedererzählen wird. Aus erster, aus MEINER Hand.
Viele Monde ist es nun her, da war ich der Herrscher eines kleinen, aber stolzen Königreiches, dessen Männer wie Frauen sich tapfer gegen jene behaupteten, die im Chaos leben." Im Schein des Feuers schimmert die Rüstung der Ritters rötlich. Mein Blick ruht auf diesen Flammen, nachdenklich. Einer meiner Gefährten flüstert etwas raues, ein anderer lacht. Fast unbewusst streiche ich mein Gewandt glatt, es verträgt die waldige Umgebung nicht besonders.
"Du weißt, dass Chaos uns, die wir die Magie der Ordnung studieren, mitunter Schwierigkeiten bereitet." Wieder lacht einer meiner Gefährten, und der Ritter muss schmunzeln. Oh, er wird die Geschichten gehöt haben, die sich um uns Magier ranken. Er wird sie kennen, wie alle sie kennen.
"Wie soll man eine Schlacht planen wenn die Gegner sich nicht an die Richtlinien des strategischen Kampfes halten? Wie soll man eine Truppe schlagen, die nie dort ist, wo sie nach allen Regeln sein sollte? Die Höhlen graben, wo jedes vernunftbegabte Wesen eine offene Feldschlacht planen würde? Die, statt den ehrlichen Kampf zu suchen, sich schleichend an einem vorbei bewegen? Wie viele Minen haben wir verloren, wie viele Döfer wurden geplündert!" Eine Hand legt sich auf meine Schulter. Das flackernde Feuer lässt mich lächeln. Auch Flammen brennen aus.
"Freilich werdet ihr von unserem Sieg gehöt haben, Herr Ritter." Fahre ich fort und schaue dem Mann erstmals ins Gesicht. Erschöpft, vom Kampf gezeichnet. Aber lebendig.
"Auch Flammen brennen aus." Sage ich noch einmal laut. "Jene Brüder des Chaos mit ihren diebischen Dienern, verlogene Halunken allesamt, und diese elenden fliegenden Biester, die sich Harphyen nennen, all das Pack, und nicht zuletzt die Teufel... man muss sich in acht nehmen vor diesen, zu plötzlich sind sie gerade dort, wo man sie am wenigsten braucht... Doch eines haben sie alle gemeinsam. Wenn sie Gold riechen, dann gibt es kein Halten mehr." Ich rümpfe ein wenig die Nase. Kaum zu glauben, dass ein solch chaotischer Haufen noch chaotischer werden konnte. Setz ihnen einen Topf voll Gold vor die Nase, und man könnte meinen es gäbe kein Morgen mehr. Genau das habe ich getan. Das, und noch viel mehr.
"Es missfällt mir, dies zugeben zu müssen. Ich habe mich ihrer dreckigen Spione bedient, um sie auf einen Schatz hinzuweisen, viele Meilen östlich in die Berge hinein. Unser Schatz, Alles Gold, das in den Staatskassen lagerte, alles Gold, das meine Untertanen beibringen konnten. Ich ließ sie schleppen und schuften bis ihre Rücken krumm und ihre Füße wund waren .Hinein in die Berge mit dem Gold, hinein in die Stadt mit allem anderen.
Während das Dreckspack meinem Köder allzu willig folgte, ein paar Scharmützel austragend wohl, aber ohne mein Volk weiter groß zu belästigen, Wuchs unsere Stadt. Magier arbeiteten Tag und Nacht an einem großen Wall, an stählernen Böden, um das Eindringen von unten zu verhindern, an magischen Kuppeln, um die Gabe der Teufel zu blocken .
Wir schufen ein Wunder, ein Wunder ohnegleichen."
Ein Wunder war es gewesen. So schön. So majestätisch. Wohlstrukturiert, nicht zuletzt.
Der Ritter hat von unserer Stadt gehöt, das sehe ich. Sie wird ihn hergelockt haben, wie sie unzählige andere Neugierige hergelockt hat. Und herlocken wird. Die Kunde von der Eisernen Stadt reist schnell.
"Nichts konnte hinein, das die Ordnung der Stadt hätte stöen könne. Nichts konnte hinaus, das unsere Pläne verraten würde. Es war eine perfekte Konstruktion, eine perfekte Ordnung, von Menschen, von MIR geschaffen."
Meine Gefährten bewegen sich unruhig, ein weiteres heiseres Lachen ertönt. Sie alle haben mitgeholfen, das Wunderwerk zu errichten. Aber ich verstehe ihre Unrast. Auch ich fühle mich ein weinig unangenehm berührt.
" Als die Diebesbande sich mit wohlgefüllten Taschen schließlich ihres eigentlichen Ziels besann, da brandeten sie gegen unsere Mauern, zerschellten an unseren Kuppeln, gruben sich die Finger wund um von hartem Metall begrüßt zu werden. Die Felder und Minen lagen Bar und kein Bewohner meines Königreiches war mehr zur Hand, um ihre Arbeit zu tun. Das Dreckspack war niemals in der Lage, sich selbst soweit zu organisieren dass sie Nahrung und Kriegsgerät besaßen. Ein Feuer, das sich, seiner Grundlage beraubt, selbst verzehrt."
Im Blick des Ritters liegt Unglaube und Staunen. Das gesamte Königreich in einer gewaltigen Stadt unterzubringen, das ist keine leichte Aufgabe. Sie erfordert Disziplin, Ordnung, und Opfer. Vor allem Opfer. Auch ich muss jetzt lachen.
"Ich wusste, früher oder später würden sie übereinander herfallen. Vielleicht um das erbeutete Gold kämpfen, das nicht gerecht geteilt wurde. Selbst so etwas bringen diese armseligen Geschöpfe nicht zustande. Dann würde das Essen knapp werden. Vielleicht würde einer versuchen, die anderen zur Arbeit auf den Feldern zu zwingen. Nichts, was unserem wohlgeordnetem Königreich hätte passieren können, bewahre. Aber die Truppen vor unserer Stadt würde es zerreißen. Ich wusste es!"
Wieder streiche ich über mein Gewandt. Oh ja, ich hatte es gewusst. Der Ritter schaut mich gespannt an. Was er wohl sagen wird wenn er die Wahrheit erfährt?
"Es begann im Kleinen." flüstere ich. Nicht, weil es niemand höen soll. Es ist eine ultimative Wahrheit, dass alles im Kleinen beginnt. Ich will seine Aufmerksamkeit. Ich will, dass er versteht.
"Ein Magier erschien nicht zu seinem Dienst an der Kuppel. Es gab einen Brand nahe der Mauer. Ich musste eingreifen, denn die Bauerntölpel waren dabei, wertvolles Wasser zu verschwenden. Sie begriffen nichts von Rationierung und dergleichen, denn wenn wir nur ein paar Liter zuviel Wasser genutzt hätten, würde das mit Sicherheit einen Tag weniger Schutz hinter den Mauern der Eisernen Stadt bedeuten. Und bei einer solchen Planung kommt es auf Tage an! Das hätte jedem denkenden Bürger meiner Stadt klar sein müssen"
Ich runzele unwillkürlich die Stirn, und finde meinen Unwillen im Gesicht des Ritters gespiegelt. Gut. Er muss begreifen. Meine Gefährten scharen sich um mich. Ich kann ihre Kleidung rascheln höen. Heute wird es soweit sein. Das wissen auch sie, denn der Ritter ist alleine gekommen. Und er muss begreifen!
"Natürlich reichte es völlig, das Feuer am übergreifen auf andere Häuser zu hindern. Es hat sich selbst verzehrt, weil wir auch ihm seine Grundlage geraubt haben. Das Feuer starb. Wie jene, die nicht genug Verstand besaßen, sich an die Rationierungspläne zu halten."
Ein fairer Ausgleich, denn so konnte das vergeudete Wasser locker eingespart werden. Ich Beglückwünsche mich noch immer zu meinem spontanen Ausweichplan.
"Der Verlust konnte Ausgeglichen werden. Aber das war nur der Anfang. Die Frau eines Verstorbenen erhängte sich. Jemand kam auf die wahnwitzige Idee, der desertierte Magier sei für das Feuer verantwortlich. Man fand ihn Tot in der Straße. Menschen wurden verhaftet. Menschen, deren Arbeit wir dringend gebraucht hätten, um unsere Pläne zu erfüllen. Andere begannen, die Arbeit nieder zu legen. Essensrationen wurden gekürzt, und in einem unglaublichen Akt von Unbeherrschtheit, zu dem ich mein Volk niemals fähig gehalten hätte..."
Ich stehe auf und sehe auf den Ritter hinab. Er ist gebannt, wie gefesselt. Er hat genug Verstand, um zu begreifen, ich bin mir dessen jetzt sicher. "... haben die Arbeitenden jene angegriffen, welche die Arbeit niedergelegt hatten. Magier schickten ihre besten Truppen gegen die kämpfenden. Doch selbst die unerschütterliche Moral der Titanen zeriss es, als sich einige Magier plötzlich selbst an dem Kampf beteiligten. Auf der falschen Seite. So kämpften Magier gegen Titanen, Titanen gegen Bauern, Bauern gegen Bauern und Magier und alles... alles... versank... in Chos..."
Ich starre den Ritter an, der noch nicht ganz zu verstehen scheint. Er wird verstehen. Ich erhebe die Hände, murmle die Worte, zeichne die Gesten. Meine Gefährten rühren sich. Es beginnt. Einen nach dem anderen trifft der Zauber. Einer nach dem anderen zieht in blinder Wut sein Schwert. Der Ritter springt entsetzt auf, doch auch ihn trifft mein Zauber. Nicht der Berserker, bewahre. Ich... demobilisiere ihn. Nehme sein Schwert. Lasse ihn das Spektakel schauen.
Freund gegen Freund, Stahl gegen Stahl. So war es, so wird es sein. Chaos. Aber es wird nicht siegen. Niemals!
"Siehst du, Ritter? Kannst du die Lösung erkennen?" flüstere ich, ganz dicht an seinem Ohr.
"Wer meine Geschichte höt, wird in Weisheit in sein Land zurückkehren. Ich habe es die Elfen gelehrt. Ich habe es den Völkern des Nordens gezeigt. Die Totenbeschwöer verstehen es sowieso. Aber ihr, die ihr das Leben verköpert... auch ihr müsst begreifen!"
Es wird still als der letzte meiner Gefährten fällt. So herrlich still. Ich erhebe meine Stimme, lasse es in die Nacht hinaus schallen, auf dass der Wind die Botschaft in alle Länder trage.
"Entziehe dem Feuer die Grundlage, und es wird sich selbst verzehren. Um das Chaos zu besiegen - nieder mit allem Leben!"

Ubi_Marc
07-06-06, 02:27
<font size="4">Story #7 von Kai Söen Eriksen</font>

Boing!

Bei Dämmerung betrat ein Ritter in einer vom Kampf gezeichneten Rüstung meinen Lagerplatz. Plötzlich sankt er erschöpft zu Boden. Ich nahm ihm den Helm ab und reichte eine Kelle Wasser um ihn zu stärken. In dieser Minute begann er zu erzählen:

"žIch komme aus einem fernen Reich und reise seit Wochen umher. Mein Gebieter schickte mich euch zu finden und ihm von euren glorreichen Taten zu berichten. Bitte erzählt mir eure Geschichten und mein Herr wird euch dafür belohnen."

Ich legte weiteres Holz auf das Feuer, öffnete die Weinschläuche und begann zu erzählen...

"žMein Freund ihr müsst wissen, dass ihr euch das Lager eines Händlers ausgesucht habt. Erwartet nicht von großen Heldentaten zu höen. Doch eine Geschichte könnte euren Herrn amüsieren.
Ich hatte mir gerade meinen ersten Wagen leisten können und zog in jugendlicher Unbekümmertheit durch die Lande. Mein Weg führte in keine bestimmte Richtung als ich eines späten Abends mich in einem wundervollen kleinen Tälchen zur Rast begab. Es kam mir zu jener späten Stunde vor, als wäre ich in einen Teil des Paradieses gekommen. Es war ein lichtes Wäldchen mit einer Lichtung auf welcher ich mein Feuer entzündete. Gar nicht so unähnlich dieser hier. Ein Bachlauf plätscherte sanft vor sich hin und spendete mir was ich für eine gute Suppe brauchte.
Nachdem ich mir einige Schüsseln feinster Fischsuppe mit Gemüse genemigt hatte legte ich mich zur Ruhe.
Oh, aber ich bin unhöflich. Wollt ihr auch einen Teller?"
Der Ritter nahm die entgegengestreckte Schüssel dankend an sich. Ich hatte einen starken Fleischeintopf bereitet. Dazu aßen wir je einen halben Laib des wundervollen Brotes,welches meine Frau mir mit auf die Reise gegeben hatte. Nachdem wir gesättigt waren, stopfte ich uns noch eine gute Pfeife, ehe ich mit meiner Geschichte fortfuhr.
"žWo war ich stehen geblieben?", ich nahm einen tiefen Zug aus der Pfeife.
"žAh, ja. Ich weiß wieder. Ich hatte mich gerade zur Nachtruhe gebettet. Jedenfalls konnte ich nicht so gut einschlafen. Ich hatte irgendwie das Gefühl über dem Plätschern des Baches Stimmen zu höen. Aber ich schob es auf den anstrengenden Tag und die späte Stunde. Was war ich überrascht, als sich mir am nächsten Morgen die wahre Situation in der ich da befand erschloss.
Ich erwachte nämlich von einem ungeheuerlichen Radau. Hunderte Kehlen schriehen und Waffen klirrten um mich herum.
Ich hatte mein Lager auf dem Kampfplatz zwischen zwei Heeren aufgeschlagen!"
Dramatisch fuchtelte ich mit den Händen vor dem Gesicht des Ritters. Einige Funken aus dem Pfeifenkopf kamen glimmend auf seiner zerschrammten Rüstung zum liegen. Doch er bemerkte es nicht. Meine Erzählung hatte ihn bereits gefangengenommen. Ich hütete mich sie wegzuwischen oder ihn irgendwas bemerken zu lassen. Auch wenn sie dem Metall nichts anhaben konnten, brannten ein, zwei Funken kleine Löcher in seinen feinen Wappenumhang. Und wer schonmal was mit Adligen zu tun hatte, weiß, die mögen sowas nicht. Also zog ich schnell meine Hände zurück, stopfte neuen Taback in die Pfeife und fuhr mit der Geschichte fort.
"žAus allen Richtungen brachen sie aus dem Gebüsch und fiehlen übereinander her. Bauern Schlugen ihre improvisierten Waffen in die wiederlichen Frisagen von unzähligen Imps. Sukkubi stürtzten sich in rauhen Massen auf eine Gruppe Priester und zerrissen die entsetzten Gottesmänner auf grausigste Weise.
Kampf- und Todesschreie füllten die Morgenluft. Blut färbte das Wasser und das Gras. Ich saß in der relativen Sicherheit meiner Wagenräder und sah entsetzt in das plötzliche Chaos.
Ein schwerer Schlag riß den Wagen zur Seite. Splittern und Krachen zertöte meine letzte Hoffnung. Ich hatte mich bis zu diesem Moment als überlebender gesehen. Doch als nun auf einmal Splitter auf mein Haupt rieselten und den Gestank von Feuer mit sich brachten,wurde es mir klar: Ein Händlerwagen war nicht als Deckung geeignet. Erst recht nicht jener, den ich billig von einem alten Bauern gekauft hatte. Das Ding würde mir noch schneller zum Verhängnis werden als es ein Schwert könnte, sollte ich mich nicht auf der Stelle bewegen."
Ich legte eine effektvolle Pause ein. Der fremde sah mich erwartungsvoll an. Ich erlaubte mir ein Grinsen und entblößte meinen Unterarm. Er sog zischend Luft ein.
"žIch riß die Arme über den Kopf und stürmte blindlings unter dem brennenden Wagen hervor. Doch genauso schnell, wie ich meinen Entschluß gefasst hatte, bereute ich ihn auch schon wieder. Ich prallte in die riesige Gestallt einer Art Dämons. Ich war aus den Flammen geflüchtet, nur um genau in jenes Wesen hineinzurennen, das meinen Wagen wohl in Brand gesetzt hatte. Flammen umfingen mich und brannten sich in meine Arme. Diese Narben bleiben mir auf ewig als Erinnerung.
Das Wesen drehte sich mit unheimlicher Geschmeidigkeit zu mir um und starke, dolchähnliche Zähne schnappten nach meinem Gesicht. Ich warf mich herum und tauchte unter dem zusammenbrechendem Wagen hindurch. Glut brannte sich durch meine Kleidung.
Wie genau ich es geschafft habe den Rest der Schlacht zu überstehen...
Da bin ich mir nicht mehr ganz sicher, meine Erinnerungen sind etwas verworren danach.
Ich stolperte durch den brennenden Wald, während sich am Himmel Engel mit Teufeln schlugen. Ihr Blut tränkte den Wald und ihre Waffen schlugen Breschen in ihn. Flammende Pferde gallopierten an mir vorbei und wurden von den Lanzen der Paladine aufgespießt, noch während diese in ihrem Höllenfeuer verbrannten. Es war die Hölle auf Erden, und ich rannte um mein Leben."
Mit einem Seufzer nahm ich mir einen der Weinschläuche und leerte ihn fast zur Neige. Ich hatte diese Gegebenheit noch kaum jemanden erzählt und es nahm mich mehr mit, als ich bereit war, mir einzugestehen. Ich unterdrückte das Zittern meiner Finger indem ich den Schlauch fest umfangen hielt.
"žNach wie mir schien endlosen Stunden klang der Kampflärm ab und ich wagte mich, meinen Kopf vorsichtig aus dem Felsspalt zu stecken, in den ich mich in meiner Panik gequetscht hatte. Das schöne Tälchen hatte sich in einen Alptraum verwandelt. Ich irrte ziellos zwischen den glimmenden überresten des Waldes herum und stolperte des öfteren über verkohlte Leichen und Dinge, von denen ich nicht wissen wollte wie sie ursprünglich ausgesehen hatten.
Nach einiger Zeit kam ich an den rot leuchtenden Bachlauf. Er hatte sich stark vergrößert und trat auf wiederwärtige Weise über seine Ufer.
Eine Stelle fiehl mir auf, an der die Leichen nicht so stark verkohlt waren. Es war die Lichtung auf der sich mein Lager befunden hatte."
Meine Stimme senkte sich fast zu einem Flüstern.
"žIch konnte durch die Tränen fast nichts erkennen, als ich auf die verkohlten überreste meines Besitzes zurannte. Verzweifelt durchwühlte ich die heiße Asche. Irgendwas musste das Feuer doch überstanden haben!
Letztendlich hatte ich alles geborgen. Mir waren eine Pfanne und eine zur unfömigkeit zerschmolzene Gürtelschnalle aus Silber geblieben...
In dem Moment muss ich wohl endgültig zusammengebrochen sein, denn ich merkte nicht, wie sich das Unheil mit ungeheurer Macht sich erneut auf mich zu stürzen drohte.
Aus dem Qualm schälten sich riesige Gestalten und trafen in meiner unmittelbaren Umgebung aufeinander.
Zwei Reiter. Der Eine hochgewachsen und strahlend auf seinem Roß, der Andere, tief über die flammende Mähne seines Reittieres gebeugt. Mit ihnen kamen ihre ultimativen Kämpfer.
Zwei riesige Gesellen. Licht und Dunkelheit. Leben und Tod. Entstehen und Vergehen trafen mit erderschütternder Gewalt aufeinander. Ich wurde wie eine Puppe in die Luft geschleudert und brach mir beim Aufprall mehrere Rippen. über mir tobten sich zwei Naturgewalten aus und ich war ihr Spielball. Es war eine Schlacht, die nicht nur meinen Köper zu zerreißen drohte. Meine Seele selbst wurde in diesen Momenten bis ins innerste zerrissen und wieder zusammengefügt. Wieder und wieder trafen ihre Waffen aufeinander.
Ich verlor jedes Gefühl.
Als ich zu Bewusstsein kam, waren die Riesen geschlagen und nur die zwei Anführer kämpfen mit letzter Kraft. Ein Schlag traf den Ritter und er ging zu Boden.
Die Verkrüppelte Gestalt stand über dem Wehrlosen und lachte furchterregend.
Er hob sein Schwert zum Todesstoß und..."
Ich musste nach Luft schnappen, ich hatte mich in Rage geredet.
"žBoing! Schlug ich ihm meine Pfanne von hinten über den entstellten Schädel. Er ging zu Boden wie ein nasser Sack.
Dann wurde die Welt wieder schwarz um mich.
Als ich erwachte, hatte man sich um meine Wunden gekümmert und ich befand mich in den heilkundigen Händen von Mönchen. Sie pflegten mich gesund und halfen mir dabei, einen Neuanfang zu machen. Was auch nicht schadete, war das Beutelchen mit Goldmünzen, das bei meinem Erwachen auf dem Nachttisch gelegen hatte, zusammen mit der Pfanne."
Mein Finger zeigte auf die über dem Feuer hängende Pfanne voller duftendem Speck.
"žDiese dort."
Ein Grinsen umspielte meine Lippen.
Das Wappen, welches der Ritter auf den Mantel gestickt hatte, war mir wohlbekannt.
"žWar es diese Geschichte, die ihr vielleicht höen wolltet?"
Er starrte mich lange an, ehe er antwortete.
"žIch glaube, ja."

Ubi_Marc
07-06-06, 02:28
<font size="4">Story #8 von Tobias Immich</font>

Das Singende Horn

Kapitel 1:

Die Schwarze Höhle

"Ahh, das tut gut", erwiderte Kagrim, als er sich über die, am Lagerfeuer, (frisch gebratene Schweinekeule) hermacht.
Es ist finstere Nacht, und die drei Gefährten sitzen an dem, wohl momentanen hellsten Ort im Argus-Wald. Das Licht des Feuers wirft große Schatten auf die Bäume, welche selber im leichten Wind rascheln!
"Was genau suchst du in der Argus-Höhle, Lurien?"Kagrim war recht gelassen, denn nichts, und wirklich nichts machte ihm Angst. "Es soll dort ein art von Pilzen wachsen, welche ich als Anerkennung für mein Dorf brauche. Die Pilze, so sagt man, haben in Elfenhand, besondere Kräfte, ich soll dem Dorfe mindestens 3 von dieser Sorte mitbringen. Natürlich soll der Nebeneffekt sein, dass mich Lorelia mehr beachtet" Lurien schaut verlegen zur Seite. Aber auch Aire war an den Pilzen interessiert und fragte:" Was genau für Kräfte sollen das denn sein, ich höte bisher nichts von den, ähh, Argus-Pilzen" Nein, nein," erwiderte Lurien, "die heißen nicht Argus-Pilze, sondern Eremel. Sie sollen eine art Geistige Konzentration Bündeln können. Ich selber weiß auch nicht mehr!"

Die drei Freunde wurden Müde und gingen unterm freien Sternenhimmel schlafen. Die Nacht war sehr kalt, Die Wölfe höte man von weitem heulen, und die Eulen singen. Der Wind blies Lieder durch den Wald. Der Mond, welcher langsam hinter den deckenden Wolken hervorkam, legte einen Riesigen Wald in den Schlaf.

Doch Plötzlich ein Schrei im Dunkeln. Kagrim erschrak und Sprang sofort auf. Der Schrei war so Schrill, man höte jetzt nichts mehr. Der Wald starb fömig bei dem lauten Ton aus dem Wald!

Kagrim schnappte sich seine Axt und beugte sich zu Aire herüber, erst da bemerkte er, dass die beiden Elfen nicht mehr in seiner Nähe waren. Nur wo könnten sie Sein. Höten sie den Schrei und sind ihm schneller in den Wald gefolgt als er überhaupt aufstand. Kam vielleicht der Schrei von einem seiner Freunde. Er rief laut nach ihren Namen, drehte sich im Kreis. Stille. Nichts als Stille. Er rief noch einmal, und noch einmal. Nichts. Er schnappte sich sein Umhang und rannte in die Dunkelheit. Äste striffen seine Langen Haare, und färbten seine Wangen Blutrot. Er lief weiter und weiter, und wusste eigentlich gar nicht wohin. Trotzdem Blieb er Ruhig. Er blieb vor einem großen Schwarzen Nichts stehen. Es war sogar schwärzer als die Nacht selber, und es war Riesig, fast 3 Mann hoch, höher konnte er nicht sehen. Es muss die Höhle sein, die Argus-Höhle! "Ob sie wohl hinein gelaufen sind, "dachte er" und wenn warum, und was war das für ein Schrei"
Langsam machte er ein paar Schritte auf das Nichts zu, ja, es ist eine Höhle. Doch bevor er ein paar Schritte hinein machen konnte, raschelte es hinter ihm im Gebüsch. Kagrim zückte seine Axt. Er hielt sie in beiden Händen fest, ging langsam auf den Busch zu, Er brüllte " Wer versucht mir Angst zu machen?" Plötzlich...
... spürte er eine Hand auf seinem Mund. Aber der Geruch dieser Hand war ihm bekannt. "Sei ruhig mein lauter und stürmischer Menschenfreund. Wir spürten schon vor dir dass der Wald in Aufregung ist und zogen los um zu sehen wer dieses Tier vorhin umgebracht hat, aber wenn du weiter so laut bist werden wir vielleicht bald das Schicksal dieses Wildschweins teilen." "Aire was ... ?" "Seid ruhig mein Freund und seht. Dort hinten brennt ein Feuer."

Weiter weg von der Höhle loderte ein kleines Feuer und nun drang der Duft von gebratenem Fleisch in der Luft. Die beiden Gefährten schlichen sich langsam und lautlos an das Feuer heran, sodass der Geruch des Fleisches immer stärker und schmackhafter in Kagrims Nase schien. Seitdem er mit den beiden Elfen unterwegs war lebte er ein Dasein als Vegetarier, weil die naturverbundenen Elfen es verabscheuten andere Geschöpfe zu töten um sie zu essen.

Nun lagen sie am Rand eines kleinen Lagers und mit einem kleinen Luftzug war auch nun Lurien neben den beiden. "Der gewandte Elf musste wohl die ganze Zeit über uns in den Bäumen gewesen sein", dachte sich Kagrim. Vor ihnen war ein kleines Zelt mit einem Lagerfeuer davor, auf dem das Fleisch des Wildschweins brutzelte. Auf dem Zelt war ein Wappen zusehen das Kagrim sehr erfreute, denn er kannte es aus seiner Heimat, die er schon so lange hinter sich gelassen hatte. Das Wappen der heiligen Kathedrale zu Stormwind. Aber etwas war anders daran, denn neben dem Wappen war ein Bierkrug abgebildet und ein Name stand darunter. Kagrim stand auf und die Elfen schauten sich mit einem Blick der Hoffnungslosigkeit über den Tatendrang ihres jungen Freundes an.

"Ursun, Paladin zu Stormwind, ich bin Kagrim ein Krieger aus Stormwind. Kommt heraus und beehrt uns mit eurer Anwesenheit!" Hinter einem Baum am anderen Ende des kleinen Lagers kam ein rothaariger Zwerg zum Vorschein. Sein roter Bart, der ihm bis an seinen Gürtel hing, war zu drei großen Zöpfen verflochten und man konnte erkennen dass unter diesem Bart sich sein Mund zu einem Lächeln verformte.
"Jungchen ich dachte schon da wäre ein Bär im Gebüsch so laut wie ihr geatmet habt. Aber wen meintet ihr mit uns?"

Kagrim winkte seine Gefährten zu sich und so setzte man sich an das kleine Feuer um sich vorzustellen und über die Gründe für ihren Aufenthalt im Wald zu sprechen.
"Warum ich hier bin?", sagte Ursun mit halb vollem Mund und seiner rauen Stimme, "Ich muss zur Argus-Höhle um ...
... dort meinen Bruder ausfindig zu machen. Seine geliebte sagte er sei vor zwei Wintern dort gewesen, und niemand hat ihn seit dem gesehen. Ich erhielt die Nachricht recht spät, ich war noch unterwegs in Antalhal, bei den Ebenen des Lichtes." "žAber ist dort nicht gerade Krieg?" entdeckt Lurien geängstigt, "ž halb Athorien spricht davon, was hat euch dorthin verschlagen?" Ursun schaute traurig drein. "žIch war als Botschafter von Stormwind unterwegs, eine Nachricht meines Königs, dass Stormwind nicht zu Hilfe eilt. Turmwach, eine Festung in Antalhal wurde vor meinen Augen überrannt. Die Menschen dort hatten keine Chance. Die Armeen von Ugdur waren zu zahlreich. Hätte mein König sich für den Krieg entschieden und dies Rechtzeitig, hätten wir Turmwach retten können.
Ich stand weit entfernt, auf den Hügeln des Lichts, musste mir diese graue Tat antun, mein König befahl mir jeglichen Kampf zu umgehen. Ich wollte, aber durfte nicht Helfen. Ich hoffte mit der Nachricht, dass Turmwach fiel, meinen König umzustimmen, aber der wollte nur das Auge auf sein Land walten lassen. Das Sterben war ihm egal, obwohl es unseres Gleichen waren, die dort ihr leben ließen. Auf dieser Wut in mir, konnte ich meinen Dienst in der Legion zu Stormwind nicht mehr fortfahren, also begann ich mich von Stormwind abzusetzen und meine Familie aufzusuchen. Ich erfreute mich an dem Gedanken, ein schönes Weib zu nehmen, die Felder zu bestellen und eine Familie zu gründen. Doch als ich in Narta ankam, brachte mir Meleia, die geliebte meines Bruders diese Schlechte Nachricht. Ich machte mich direkt auf den Weg in den Argus-Wald. Vor drei Wochen bin ich los geritten, leider musste ich Essela, mein treues Pferd, vor dem Wald zurücklassen!" "žNa, das trifft sich ja gut", Kagrim versuchte ihn aufzumuntern, "žWir wollten auch in Die Argus-Höhle, dort soll es diese Ärmel, ähh Ermel, hm, Pilze geben." "žEremel heißen die", erwiderte Aire, "žweißt du wieso sein Bruder zur Höhle ging?" "žUrsun antwortete flink, "žnein, leider nicht, vielleicht suchte er auch diese Pilze. Was soll denn so besonders an ihnen sein?"
Lurien klärte Ursun auf, dass er auf der Suche nach mindestens 3 dieser seltenen Gewächse ist, und wozu er sie brauche.
Die nun vier Gefährten einigten sich, sich gegenseitig zu helfen, aber natürlich erst am nächsten Morgen, denn sie waren alle Müde, aber dafür auch Satt. Auch Ursun versprach in nächster Zeit mehr Früchte zu essen, obwohl es ihm nicht grade passte, denn er liebte Fleisch über alles.
Wieder wurde es Still, Die Nacht war nun wieder beruhigt, und alle konnten ihren Schlaf einhalten! Langsam brutzelte das Lagerfeuer aus, das Licht verschwand und alles war wieder Dunkel!

Am nächsten Morgen wachten sie Alle gleichzeitig auf, als es plötzlich anfing zu regnen. Die Sonne war noch im Aufstieg, aber mehrere schwarze Wolken ließen den Wald immer noch Dunkel erscheinen. Sie packten schnell ihre Sachen. "ž Lass das Zelt stehen!" rief Lurien zu Ursun herüber, "ž es wird uns schon nicht weglaufen" Ein grinsen folgte seinem reden. Schnellen Schrittes gingen sie in Richtung des Höhleneinganges.

Wieder baute sich dieses riesige Schwarze nichts vor Ihnen auf. Lurien machte einen ersten Schritt in die Höhle. Dann nahm er eine Fackel aus seinem Rucksack und warf sie Ursun zu. "žDann wollen wir mal deinen Bruder suchen, nebenbei ein paar Pilze aufsammeln und uns wieder in unsere Döfer begeben." "žIch glaube kaum, dass er noch hier ist", erwiderte Ursun. Er nahm ein kleines Schächtelchen aus der Tasche und daraus ein Zündhölzchen, womit er die Fackel entzündete. "žWenn er zwei Winter lang schon in dieser Höhle wäre, lebt er bestimmt nicht mehr. Ich glaube nichts könnte in dieser Dunkelheit lange Leben. Ich erhoffe eher, einen Anhaltspunkt seines Verbleibes zu finden."
Langsam gingen die Vier in die Höhle hinein. Ein Längerer dunkeler Gang baute sich vor ihnen im Fackellicht auf. Die Decke kam langsam von Meter zu Meter niedriger. Ursun ging voraus, direkt hinter ihm Lurien und Kagrim. Aire folgte ihnen. Ein Tropfen war zu höen. Immer und immer wieder, in keinerlei erkennbaren Rhythmischen folge. Nach einigen weiteren Metern wurde der Gang so niedrig, dass sie geduckt gehen mussten. "žKagrim, du hast es gut." sagte Aire, "žWir müssen hier in der Hocke bleiben während du normalen Schrittes weiterlaufen kannst." "žZwerg sein hat seine Vorteile", warf der bärtige unter ihnen ein, "žSturheit, Kampfeslust und Zechen sind längst noch nicht alles." Kagrim war wirklich nicht sehr groß. Er reichte gerade mal bis Luriens Kopf, obwohl Elfen sowieso nicht die größten der Völker im Bündnis sind. Ein paar anstrengende Minuten später kamen sie an eine Abzweigung. Der Höhlengang teilte sich auf. Ein kleinerer Gang, der nach unten zu scheinen ging, und ein etwas größerer und breiterer Weg, als der, von dem sie kamen, lud zum Aufstieg ein.
Sie blieben stehen und überlegten sich, welchen Gang Sie nehmen sollten. "žWir könnten uns trennen?" warf Kagrim ein, worauf Ursun schnellen Wortes antwortete: "žJa, ich denke das ist eine gute Idee." Aire spürte etwas, wie ein Schlag gegen seinen Magen. Er bemerkte in Ursuns Worten eine Behaglichkeit und erwiderte Skeptisch, dass er es für einen Schlechten Zeitpunkt hält, sich zu trennen. Ursun schaute griesgrämig zu Aire herüber, "žNagut, dann sollten wir den größeren Pfad wählen." Die anderen willigten ein und sie setzten ihren Weg über den größeren Gang weiter.
Der Pfad wurde immer steiler und Breiter. Die Decke war kaum noch zu erkennen, bis sie nach einigen weiteren Schritten, nicht mehr zu sehen war. Aire fühlte sich plötzlich nicht mehr sehr wohl in Ursuns nähe, "šIrgendetwas Stimmt nicht mit ihm', dachte er.
Aire, Sohn von Lyssa, einer der Elfen von Lethloien, hatte öfter eine Vorahnung in Worten anderer, niemals zuvor aber solch eine starke. Er wusste selber nicht was los war.

Sie gingen den Höhlenpfad weiter hinauf. Bei einem steilen Hindernis, welches sich vor ihnen aufbahrte, halfen sie sich gegenseitig herauf. Direkt dahinter kamen sie plötzlich in eine etwas größere Höhle. Die Decke war noch nicht einmal mehr zu erahnen als Ursun die Fackel recht hoch hielte. Sie gingen ein paar schritte vorwärts. Riesige Säulen aus Stein tauchten vor ihnen auf. Eine Regelmäßigkeit konnten sie nicht feststellen, obwohl man direkt sah, dass diese erbaut wurden und nicht der Natur entsprangen. Das tropfen war inzwischen leiser geworden. "žGib mir mal die Fackel! Ich werde mal hinaufsteigen und etwas Licht ins Dunkel bringen." Flink wie er ist, schnappte sich Lurien die Fackel und kletterte schnell aber dennoch geschmeidig die Säule herauf. Er benötigte nur eine Hand zum Klettern, den Rest machten die Füße. Umso höher er kletterte desto schmaler wurde die Säule. Ein Ende konnte er aber nicht entdecken, genauso wenig wie die Decke, welche verschwunden schien. Als er etwa so hoch wie fünf Mann kletterte, hielt er sich an dem Stein nur mit den Beinen fest. Dann machte er eine merkwürdige kreisfömige Bewegung mit seiner linken Hand. Er fuhr mit seinen Fingern durch die lodernde Flamme der Fackel, dann wieder mehrere Kreisbewegungen als langsam der oberste Teil des Holzteils hell aufglühte. Der Elf hauchte mit seinem Atem vorsichtig auf das glühende etwas, als es plötzlich laut zischte. Das Feuer der Fackel entsprang in viele kleine Flammen. Im hohen Bogen flogen sie davon und legten die Höhle ins Licht. Er warf die Fackel herunter. Lurien sah noch viele dieser Säulen in der Höhle verteilt. Etwas weiter hinten, konnte er noch zwei Höhlengänge erkennen. Dann sah er einen Pfad, in der nähe von den anderen drei Gefährten. Er folgte den Pfad mit seinen Augen. Er verlief am Rand der Höhle entlang und wurde immer höher und steiler, nahezu der Decke entgegen, welche nun auch wieder leicht zu erkennen war. Im hinteren Teil der Höhle welcher schwerer zu erkennen war, reflektierte das Licht zurück. Kagrim staunte, als die flackernden kleinen Lichter, nahezu ein Meer aus Flammen, zu Boden sanken. "žDas Liebe ich so an Lurien, temperamentvoll, Graziös und immer eine überraschung auf Lager." Langsam wurde es wieder Dunkeler, denn die Lichter erloschen kurz nachdem sie auf den Boden fielen. Lurien rief: "žDa hinten könnte ein See sein, und wo Wasser ist, dort könnten auch Pilze wachsen. Ich komme wieder runter." Er begann den Abstieg der Säule. Die Höhle neigte sich wieder zu seiner Schwärze. Doch plötzlich drehte sich Lurien um und schaute gegen die Nordwand der Höhle. "žDort ist jemand, dort oben auf dem Pfad." Ursun sprang direkt auf, Schwung seinen Hammer vom Rücken und hielt ihn Fest in der hand. Dann spurtete er in Richtung Pfad und fischte beim vorbeilaufen die noch brennende Fackel auf. "žDas ist er bestimmt, wartet auf mich." Man sah wie er sehr schnell rannte. Aire noch erschrocken von dieser beschleunigten Eile, nahm skeptisch seinen Ebenholzbogen zur Hand und rannte hinter dem Paladin her. "žHalt", rief Kagrim, "žwartet auf uns." Lurien machte einen Satz und landete auf seinen Füßen. Er glaubte eine Gestalt gesehen zu haben. "žKomm kleiner Zwerg, wir müssen hinterher." Sie spurteten los und versuchten den noch schlecht zu erkennenden Elfen und das noch weiter liegende Licht zu erreichen. Sie konnten kaum etwas sehen, nahezu nichts. Der Pfad war sehr Steil. Aire aber verschwand in der Dunkelheit. Auch das Licht war nicht mehr zu sehen. Alles Schwarz. Der Pfad wurde steiler und enger, fast nur noch ein Schritt breit. Sie mussten schon recht hoch sein. Sie liefen weiter. Doch ausversehn stolperte Kagrim über einen kleinen Felsvorsprung und prallte mit dem Kopf gegen die Wand. Dann fiel er zu Boden und rutsche über den Abhang. Lurien aber, schwang seinen Arm hinter ihm her und er konnte den tollpatschigen Zwerg gerade noch an der Hand fassen. "žKagrim, reich mir deine andere Hand, ich kann dich so nicht mehr halten." Doch er antwortete nicht, schien wohl bewusstlos zu sein. Mit großer mühe hielt er den, nicht allzu leichten, Zwerg fest. Lurien rief um Hilfe, doch Aire war wohl zu weit voraus. Kagrim rutschte weiter, Lurien hakte seine Füße über den kleinen Vorsprung, welcher Schuld an diesem Schlamassel war. Doch Kagrims Arm rutschte aus Luriens Griff. Schnell langte Lurien mit seiner zweiten Hand nach des Zwergens Rechten. Er bekam ihn zu fassen und zog ihn ein Stück zu sich, aber Luriens Füße schafften es nicht Sie beide zu halten. Somit stürzten beide in die Tiefe. Er versuchte sich beim Fall noch an der Steilwand festzuhalten, aber nur blutige Abschürfungen waren die Belohnung dafür. Sie fielen tiefer und tiefer und mit einem lauten Platschen landeten Sie im Wasser. Ein Echo schallte durch die gesamte Höhle. Es muss wohl der See gewesen sein, welchen Lurien zuvor sah. Sie wurden durch den Aufprall tief ins Wasser hineingedrückt. Der Elf schnappte Kagrim am Kragen und schwamm in die Richtung, wo er das Ufer vermutete. Er lag richtig. Elfen haben ein bekanntes gutes Orientierungsvermögen, wobei Lurien sonst immer schon eher Probleme damit hatte. Er stapfte aus dem Wasser und zog Kagrim auf den Felsigen Boden. Lurien war außer Atem. Neben seinem Atemgeräusch höte man nun wieder ganz deutlich das Tropfen. Kagrim erwachte: "žArghh, was ist passiert?" "žWir verfolgten gerade Aire, währen er hinter Ursun herrannte, aber du bist über einen Felsvorsprung gestürzt und hast dich am Kopf verwundet. Da der Pfad recht eng war, stürztest du uns beide zum Glück in den See hier. Hätte nicht gedacht, dass ein Stein dich so schnell außer Gefecht setzten kann." Lurien lachte. Kagrim lachte auch und schaute beschämend drein, "žHmmm, ich bin auch nur ein Zwerg." Sie wrangen ihre Sachen aus und beschlossen erst weiter zu gehen, wenn sie wieder Licht haben. "žIch hoffe dass es den beiden anderen noch gut geht", besorgte sich Kagrim", vielleicht sind sie auch weggerutscht?" "žNein, das glaube ich nicht", beruhigte Lurien ihn, "žElfen stolpern nicht so schnell, und Ursun hatte eine Fackel dabei, es wird schon alles gut sein. Mich interessiert aber wer dort oben noch war?"

Etwa zur selben Zeit war Aire schwer damit beschäftigt über den engen Pfad dem flackernden kleinen Licht zu folgen. Er rannte nun schon etwas länger, sehen konnte er kaum etwas. Doch plötzlich verschwand das Licht. Steine bröckelten die Felswand herunter. "žOb er wohl gestürzt ist?" fragte sich der Elf. Nach einigen Schritten kam er zu der Stelle wo das Licht verschwand. Er drehte sich um, schaute nach unten. Kein Licht. Er tastete die Wand ab. Da, eine Öffnung. Er kletterte hindurch und sah einen Gang. Weiter hinten konnte er etwas Licht sehen. Er folgte dem Pfad weiter, kam näher zu dem Licht. "žDiese Helligkeit kann niemals von nur einer Fackel stammen" flüsterte er leise vor sich hin. Doch da, was war das. Er höte Stimmen. Leise schlich er sich an eine Biegung des Ganges. Eine größere Höhle mit mehreren Verzweigungen kamen ihm zum Vorschein. An 5 Ecken, die wie Säulen aussahen, hingen Helle Fackeln. Er sah, weiter weg von ihm, Ursun, wie er über eine Gestalt kniete. Sein Hammer, auf dem rücken leuchtete gelblich auf. So ein Hammer, der heiligen Paladine, fing nur an zu leuchten wenn er im Kampf Ungerecht gebraucht wurde, so erzählt man. Was war passiert. Aire lauschte. "žEndlich ist es MEIN, Hahaha, Glücklich, ja glücklich wird ER Sein. Macht, ja Macht wird ER mir geben, so soll es sein." Ursun lachte hämisch, machte einen Schritt zu Seite. Aire glaubte seinen Augen kaum, er dachte sich schon, dass Ursun ihm nicht geheuer ist, aber so etwas. Der Blick fiel auf einen An der Wand lehnenden etwas. Sah aus wie Ein Mensch, Dieser Saß an einer Wand gelehnt. Der Kopf aber war an der Wand mit irgendetwas Zertrümmert worden. Man konnte keine Gesichtszüge mehr erkennen. Alles voller Blut. Aire nahm seinen Bogen, und spannte leise einen Pfeil ein. Angst überkam ihn. Ursun stand auf streifte einen Teil vom Arm des Kadavers ab und Stülpte es sich über den seinen. Dieses Teil, das vom weiten aussah wie ein größerer Armreif, oder eine Armschiene, fing golden an zu leuchten, als er es sich es auf den Arm zog. Aire trat langsam hervor. Seinen Bogen richtete er genau auf Ursuns Kopf. "žUrsun, Paladin zu Stormwind! Bleibt stehen, oder ich durchbohre euren Schädel wie ein Sieb." Ursun drehte sich langsam um. Seine Hände waren Blut getränkt. Es war wie er vermutet hatte eine goldene Armschiene am rechten Arm. "žWas ist hier passiert, Ursun, wer ist der Tote dort, hast du ihn Erschlagen?" Tränen flossen aus den Augen des Paladins, dann sagte er mit trauriger Stimme: "žMein Bruder, er ist Tot. Ich habe ihn so vorgefunden, wie konnte dies nur passieren. O nein, Mein Armer Bruder", er drehte sich wieder um und kniete sich zu dem Leichnam. Aire aber wusste nicht was er Glauben sollte, langsam ließ er seinen Bogen neigen, Bespannt hielt er ihn dennoch. Aire aber fragte skeptisch weiter: "žWas ist das denn dann für ein Armreif, Ursun?" Keine Antwort. "žAntwortet mir" sagte er mit gehobener Stimme. Doch da, sein Blick fiel auf den Hammer am Rücken des Paladins. Dieser war mit Blut getränkt. Plötzlich stand Ursun mit einer schnell drehender Bewegung auf, fasste zu seinen Hammer, seine Augen waren Blutrot, und er schrie mit gewaltiger Stimme: "žEs ist MEINS" Aire wusste nicht wie ihm geschah. Ursun baute sich vor ihm auf, holte aus und schwang seinen Mächtigen Zweihänderhammer nach ihm. Der Elf sprang zur Seite auf den Boden. Sein Pfeil löste sich und flog seitlich gegen die Wand. Ursun stürmte auf ihn zu, hob den Hammer über seinen Kopf und zielte auf das Spitzohr. Aire wich mit einer Rolle zur linken aus und rammte den Menschen seinen Bogen in den Magen. Ursun verzog keine Miene. Wieder zielte er auf Aire und versuchte ihn zu treffen. Beim Ausweichen durch einen Sprung, stürzte der kleine auf den Boden und rutschte gegen die Wand. Ursun schleudert sein Kampfwerkzeug direkt hinter dem Elfen her. Einmal geduckt und der Hammer prallte direkt über seinen Kopf gegen die Wand. Aire versuchte seinen Bogen zu spannen, aber der Stämmige erfasste seinen Fuß und schleuderte ihn mit beiden Händen und Gewaltiger Kraft an die Gegenüberliegende Wand. Aire lag nun hilflos auf den Boden. Ursun aber ging auf seinen Hammer zu, und nahm ihn auf. Der Elf versuchte sich mit den Füßen so abzustützen, dass er wieder auf die Beine kommt, aber die schmerzen erschwerten den Versuch extrem. Ursun ging wieder auf den an der Wand liegenden Stöenfried zu und holte aus. Der Hammer glühte Hell auf, Aire war Ursun nicht gewachsen, er hätte aber auch nicht mit solcher Kraft gerechnet. Doch da. Ein zischen. Ein Pfeil traf Ursun an seiner linken Schulter. Das Spitze Holz durchdrang sein Knochen und Gewebe. Ein Teil des Pfeils bohrte sich auf der Rückenseite durch. Ursun wurde zurückgedrängt. Er ließ einen Lauten Kampfschrei wüten und holte erneut aus um den Elfen zu erschlagen. Zisch, wieder ein Pfeil. Genau durch seine Brust. Der Hammer fiel ihm zu Boden. Der Mensch fing an zu schwanken. "žArghh" Ein weiterer Kampfschrei. Er rappelte sich wieder auf und wollte nach seinen Hammer greifen, da durchstach ein dritter Pfeil seinen Hals. Dieser stieß aber nicht durch. Er stapfte ein paar Schritte rückwärts. Dann lehnte er sich an die Wand und rutschte zu Boden. Nun Saß er fast neben seinem Opfer ohne Kopf. Aus seinem Hals und seiner Brust flossen Mengen an Blut. Weiter Oben in der Höhle, etwa 4 Mann hoch, erkannte Aire eine Schattengestalt mit Bogen. "žWer ist da?" rief er. Er versuchte sich aufzurappeln und stützte sich mit seinen Armen ab. Mit einem eleganten Satz landete eine Gestalt neben ihm. Sie hatte einen Langen Umhang um und einen Bogen aus einem Holz, dem Aire recht unbekannt zu scheinen mag. Er bemerkte gleich, dass der Unbekannte kein Mensch und auch kein Ork ist. Die Haut des Wesens war Dunkel, es hatte spitze Ohren und war so groß wie ein Elf. Das Wesen schaute zu Aire. Glühende Augen waren zu sehen, "žJa, es muss ein Dunkelelf sein", dachte sich Aire. "žAber was haben Dunkelelfen hier verloren. Der Argus-Wald liegt mitten im Reich, das den Zwergen gehöt. "žWas sucht ein Dunkelelf, an solch einem Ort?" fragte Aire das Wesen. Er rappelte sich auf. Keine Antwort. Der Unbekannte wendete seinen Blick von dem Elfen ab und ging zu dem Blutenden Menschen. "žNeeeeeiiiiin" stammelte Ursun, "žes ist MEINS, ER will es haben, IHR dürft es nicht bekommen." Blut rann aus seinem Mund. Der Dunkelelf erhob Stumm sein Bein und trat Ursun zu Seite. Dann drückte er mit seinen Grünen Lederschuhen auf den Pfeil in Ursuns Hals. Langsam drang der Pfeil tiefer ins Gewebe. Ursun schrie vor Schmerz. Dann, eine Furchterregende Stimme: "žWer schickt dich?" "žIch werde schweigen, du Verlauster Elf. Er wird ihn eh beko... ahhhhhhrghhhh" Der Pfeil glitt weiter in seinen Hals. Der Dunkelelf stützte seinen Fuß nun gegen des Paladins Kopf und zog mit beiden Händen an der Armschiene. Es schien ihm keine Anstrengung zu sein. "žWer seid ihr, und was ist dies für eine Schiene" rief Aire, der wieder auf seinen Füßen stand. Er griff langsam zu seinen Bogen. Der andere Elf aber stülpte sich die Armschiene auf, spannte seinen Bogen und zielte auf Ursuns Herz. Aire aber schrie mit wieder gespanntem Bogen: "žHalt Dunkelelf, ich glaube er hat genug. Lasst ihn in Frieden sterben und beschert ihm nicht seiner letzten Blicke mit eurem Antlitz." Der Unbekannte drehte sich um und ließ seinen Bogen in Aires Richtung los. Aire bemerkte nur wie ein Pfeil genau neben sein Gesicht in die Wand eindrang. Diese Pfeile müssen etwas besonderes sein. So hart wie Diamant. Aire schaute verwirrt drein, erwiderte aber mit einem Pfeil auf den Unbekannten. Doch dieser Wich aus, indem er aus dem Stand etwa 3 Mann hoch oben auf einen Felsvorsprung sprang. Dann verschwand er in einem Höhleneingang. Aire war erstaunt und versuchte ihm zu folgen. Er kletterte die Wand herauf. und langte, nachdem er sich auf den Felsvorsprung raufzog, eine der Fackeln. Dann rannte auch er den Pfad herunter direkt hinter dem Dunkelelfen hinterher. . Schmerzen peinigten ihn. Der ganzen Sache war er nicht gewachsen, denn ein Krieger ist er noch nicht. Er folgte den Gang, aber nichts war zu sehen.

Lurien und Kagrim warteten noch immer auf die beiden. Folgen wollten sie ihnen nicht mehr, da sie momentan nicht mal ihre Hand vor den Augen sehen konnten. So saßen sie am See und höten dem Tropfen zu. Kagrim war genervt: "žTropf, Platsch, Bumm, ich kann's nicht mehr höen, dieses Elende Getropfe. Schon seid dem wir hier sind ist es die ganze Zeit am Tropfen." Du sturer Zwerg, da müssen wir jetzt durch, natürlich könnten wir den beiden auch noch mal versuchen zu folgen, aber meine Sachen sind schon Nass genug. Hö jetzt auf zu jammern und versuch lieber ein Stück Holz zu finden, was wir anzünden könnten." Lurien wuschelte am Ufer des Sees herum "žHm, außer deinem Bogen finden wir hier eh nichts", trotzte der Rotbart. Er schaute auf Luriens Rücken. "žDas kannste schön vergessen. Der Bogen ist aus Ebenholz angefertigt. Aire und ich haben ihn als Geschenk erhalten. Der ist für mich Unbezahlbar." Kagrim stocherte mit seinem Fuß am Seeufer entlang. Doch Plötzlich erhellte sich die Höhle. Das Licht scheint aus dem See zu kommen. Er erhellte den größten Teil der Höhle. Man konnte alles recht gut sehen, den Pfad, auch wie er weiter hinten um die Ecke verschwand, Die Hohleneingänge und Die Zahlreichen Steinsäulen. Aus dem See ragten drei weitere Säulen, welche aber noch lang nicht so groß waren wie die zuvor. "žKagrim, was hast du angestellt?" "žHm, ich dachte eigentlich, dass es einer deiner Tricks wäre, Herr Elf" Kagrim spottete. Lurien erkannte, das das Licht hinter den drei Säulen, aus dem Wasser kam. "žKomm Kagrim, wir müssen das Licht nutzen und unsere Freunde suchen. Wir kommen noch mal zurück und schauen was es sich mit diesen Säulen auf sich hat." "žWarte", rief Kagrim, "žsieh, dort unten im See, da wachsen Pilze, an den Säulen." Lurien, der schon auf dem Pfad zulief, drehte freudig um und schaute seinem Freund zu, wie er ins Wasser sprang und zu den Säulen schwamm. "žLass mich dich begleiten, alter Freund, Endlich haben wir diese Pilze gefunden. Lass sie bitte mich einsammeln, oder willst du meinen Ruhm zerstöen" "žKomm ins Wasser", antwortete der Zwerg. Ich will mir auch ein wenig mitnehmen, sie sehen köstlich aus, und außerdem hab ich schon wieder Hunger." Lurien legte seinen Bogen ab und sprang zu Kagrim in den See.
Dann schwammen sie beide auf die Säulen zu. Das Licht sah Gespenstig aus. Die Pilze wuchsen entlang der Säulen in etwa zwei Mann tiefe. Als Lurien zu tauchen begann, war Kagrim schon mit einem Büschel der Pilze aufgetaucht. Der Elf schnappte sich ein paar dieser seltsamen grauen Gewächse und tauchte wieder auf. Sie konnten immer noch nicht erkennen, wo genau das Licht herkam. Kagrim aber fand unten an den Säulen eine kleine Schatulle, welcher er an sich nahm. Sie schwammen zurück zum Ufer. Lurien steckte ein paar der Pilzbüschel in seinen Rucksack. "žIch packe deine mit ein!" sagte er zu Kagrim. Der Zwerg bejahte es. Der Nasse Elf nahm wieder seinen Bogen an sich. "žSchau was ich gefunden hab, eine Schatulle." Staunend schaute Kagrim auf die Inschrift. "žDas ist alte Zwergenschrift, das ist schwer zu entziffern. Ich lese etwas von Amuletten und Armschienen, auch ein Name, Alf-, Hm, Alfanje, Kriegsgöttin Alfanje, ich hab's. Mehr kann ich nicht erkennen. Mal sehn" Er öffnete Langsam die Schatulle, aber nichts war zu sehn. "žSchade", sagte Lurien, "žwäre in Endobragas bestimmt viel Wert gewesen." "žGut", erwiderte Kagrim, "žwir können uns das ja in der nächst größeren Stadt übersetzen lassen. Jetzt lass uns erstmal unsere Freunde finden, solange es noch Hell ist." Kagrim verstaute die Schatulle in seinen Rucksack. Sie gingen den Pfad langsam und vorsichtig hinauf.

Aire kam derweil aus dem Gang zurück, wodurch er zuvor verschwand. Der Dunkelelf ist ihm entkommen, außerdem hatte er noch immer große schmerzen von dem Kampf mit Ursun. Er hatte vor, erstmal seine Freunde zu holen und ihnen diese traurige aber recht merkwürdige Geschichte zu erzählen. Langsam kletterte er wieder auf den Höhlenboden herunter. Er drehte sich um. Dann sprang er vor entsetzen zurück. Neben dem Kopflosen Kadaver lagen nur noch drei Blutverschmierte Pfeile. Wie konnte er nach diesen tödlichen Treffern noch leben, und wie konnte er dann noch die Pfeile entfernen. Aire schaute sich rätselhaft um. Es war auch keine Blutspur zu sehen, welche eventuell bei diesem Höhlenlabyrinth einen Anhaltspunkt auf seinen verbleib machen konnte. Er setzte sich zu Boden, lag seinen Bogen daneben und ruhte sich einen Moment lang aus.
Da kamen plötzlich Kagrim und Lurien um die Ecke in die Höhle. Erschrocken sahen sie den Zerschmetterten Kopf des Unbekannten und daneben einen mitgenommen Elf. "žWas ist passiert?" fragte Lurien mit entsetztem Gesicht, "žund wo ist unser Freund?" Aire begann zu erzählen: "žIch verfolgte Ursun über den Pfad, ich hatte schon, seid dem wir in diese Höhle gegangen sind, ein merkwürdiges Gefühl in seiner Nähe. Ich kam ihm nicht Hinterher, hatte ihn aus den Augen verloren. Dann habe ich den Pfad gefunden, welchen ihr gerade auch gefolgt seid, und kam zu dieser Höhle. Dann höte ich wie Ursun mit jemand sprach, konnte aber noch kein Wort verstehen. Als ich näher kam, sah ich wie Ursun vor dieser Leiche hier stand, sein Hammer und seine Arme Blutgetränkt. Dann nahm er diesem Hilflosen Toten eine Armschiene, oder etwas ähnliches, ab und redete etwas wie, es sei SEINS." Kagrim und Lurien schauten sich fraglich an. Doch bevor Lurien zu Wort kam, begann Aire ohne Pause weiter zu erzählen. "žDaraufhin wollte ich Ursun zur Rede stellen, ich habe gedacht dass er den Menschen dort getötet hat, dann griff er mich an. Schleuderte mich gegen die Wand dort und verletzte mich stark. Er wollte mich töten, er schien gewaltige Kräfte zu haben. Sein Hammer leuchtete Gelb und seine Augen Blutrot. Dolch kurz bevor er sein Werk vollenden konnte erschien ein Dunkelelf, eine der Nachtelfen von Mechtlolia. Er beschoss Ursun mit drei Pfeilen die ihn auch scheinbar töteten. Der Dunkelelf nahm ihm diese leuchtende Armschiene ab und streifte sie sich selber über. Dann floh er. Mit einem einzigen Sprung erreichte er den Höhleneingang dort oben. Ich versuchte ihn zu verfolgen aber der Kampf zuvor verletzte mich zu stark. Als ich wieder zurück in die Höhle kam, war Ursun verschwunden. Nur noch seine Pfeile, welche er in seinem Brustkorb, Schulter und Hals stecken hatte, liegen noch hier." Er zeigte auf die Pfeile. "žDann lebt mein Freund noch" warf Kagrim ein, "žwir müssen ihn suchen" "žIrgendetwas stimmt nicht an diesem Ort" entdeckte Lurien. Er begann Aire zu berichten, welche Entdeckung er und Kagrim machten, und das nicht nur die Armschiene sondern auch der See anfing zu leuchten. Sie zeigten dem Verletzten Elf die Schatulle. "žVon der Größe her, könnte es passen", sagte Aire, "žwir müssen herausfinden was es mit dieser Armschiene auf sich hat" "žAber was ist nun mit Ursun", fragte Kagrim, "žwir können ihn doch nicht zurücklassen." Aire bedachte: "žEntweder hat der Dunkelelf ihn geholt, oder er lebte noch, aber das, war vorhin nicht Ursun!" Lurien schaute bei dem Leichnam einmal nach, ob er irgendwelche Anhaltspunkte finden konnte, aber außer einer kleinen Sanduhr war nichts an ihm zu finden. Kein Rucksack oder Taschen sonst einfach nichts. Lurien steckte sich die Sanduhr ein.

Traurig gingen sie zurück in die Große Höhle. Ein Tropfen war zu höen. Auch das Licht aus dem See war nicht mehr vorhanden. Mit drei Fackeln bewaffnet und einem Verlust auf dem Herzen beschlossen sie die Höhle schleunigst zu verlassen und sich auf den Weg nach Stormwind zu machen, um das Geheimnis um Ursun und der goldenen Armschienen zu lösen. Sie sprachen beim Pfad gen Ausgang kaum ein Wort. Ohne weitere Probleme erreichten sie den Höhleneingang, durch den Sie die Höhle betreten hatten. Es war mittlerweile wieder Dunkel geworden...

Ubi_Marc
07-06-06, 02:31
<font size="4">Story #9 von Lorenz Beierl</font>

"Nun, zuerst muss ich Euch sagen, dass ich wohl nicht der strahlende Held bin, den zu suchen Euer Auftrag ist, doch auch ich habe eine interessante Geschichte zu erzählen.
Mein Name ist Raziel und ich bin auf dem Weg um Königin Isabel meine Dienste anzubieten. Aber ich sollte wohl doch lieber am Anfang beginnen.
Ich bin als Sohn eines Schreiners und seiner Frau in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Als ich zwölf Jahre alt war wurde unser Dorf von Barbaren überfallen. Sie brannten die Häuser nieder, erschlugen die Männer und vergewaltigten die Frauen...es war furchtbar! Ich hielt mich zusammen mit meinen Eltern in unserer Hinterkammer versteckt als plötzlich die Tür aufsprang und ein blutüberströmter Wilder mit einer Axt in den Händen und Mordlust in den Augen auf uns zukam. Ich schloss die Augen, streckte ihm zur Abwehr die Hände entgegen und schrie vor Angst. Als ich kurze Zeit später die Augen wieder öffnete sah ich nur noch seinen brennenden Leichnam vor uns liegen. Meine Eltern erzählten mir, dass Flammen aus meinen Handflächen hervorgebrochen seien, die den Angreifer getötet hätten.
Seit diesem Tag wusste ich, dass ich ein Magier war und ich verwendete fortan meine ganze Zeit darauf diese Macht kontrollieren und nutzen zu können. Ich lernte zu lesen und reiste zu allen Burgen im Umland, wo ich die dort vorhandenen Aufzeichnungen über Magie studierte und mir ein reiches Wissen darüber aneignete.
Im Alter von zwanzig Jahren zog ich zusammen mit meinem besten Freund Lanib dem Zwerg los um auf Abenteuersuche zu gehen. Er ist ein sehr guter Kämpfer, aber wie die meisten Zwerge ziemlich mürrisch. Wir wollten beide mehr sehen von der Welt und ich hoffte außerdem noch mehr über meine Fähigkeiten erfahren zu können. Inzwischen war es mir möglich, wann immer ich wollte Feuer von der Größe eines kleinen Lagerfeuers aus meinen Händen lodern zu lassen. So hatten wir es jedes mal schön warm, wenn wir unser Nachtlager aufschlugen. Auch konnte ich hühnereigroßer Feuerbälle werfen oder eine kleine tanzende Feuerfigur beschwöen, aber das waren nur Kunststückchen.
Wir waren seit sechs Tagen unterwegs ohne dass wir etwas Besonderes erlebt hätten, als wir auf der Straße vor uns sahen wie ein Reisender von einem Minotaurus angegriffen wurde. Wir eilten ihm zu Hilfe, doch die räuberische Bestie bemerkte uns und floh noch ehe wir nahe genug waren um etwas zu unternehmen. Der Mann war von ihrem Schwert stark verwundet worden und so lehnten wir ihn an einen Baum um ihm das Atmen zu erleichtern. Er konnte nicht mehr richtig sprechen und nach einer qualvollen Minute stieß er einen letzen röchelnden Schrei aus und ließ den Kopf sinken. Doch im nächsten Moment riss er seinen Kopf wieder nach oben und öffnete die Augen, die von einem seltsamen Glanz erfüllt waren. Er öffnete den Mund und sprach mit einer Stimme, die nicht seine eigene zu sein schien, laut und deutlich die Worte: "žWenn ihr mit ganzem Herzen kämpft und hinter die Techniken blickt, dann wird auch der Schatten im Mondlicht richtig sein." Dann sackte er zusammen, leblos und wieder ganz wie zuvor. Als wir ihn begruben wandte sich Lanib zu mir: "žMeinst du, dass seine letzten Worte eine Vision waren, oder?" "žJa" gab ich zurück, "žaber ich habe keine Ahnung was sie zu bedeuten hat." Ich nahm mir fest vor, auch alles über Visionen und Prophezeiungen zu lernen, sobald wir zu einer Bibliothek kämen. Unzukehren und nach Hause zurück zu gehen kam uns jetzt natürlich nicht mehr in den Sinn.
So zogen wir weiter und die ganze Zeit dachte ich über die Vision des Reisenden nach. Was hatte sie zu bedeuten? War es uns überhaupt bestimmt gewesen sie zu höen, oder hätte er sie einem Helden vortragen sollen? Ich wusste nur, dass wir sie nicht vergessen durften und versuchen mussten, sie zu verstehen. Die Bedeutung des ersten Teiles war nicht schwer zu deuten. "Mit ganzem Herzen kämpfen", das war eine klare Anweisung – nur, wie macht man das? Ich war nie ein besonders guter Kämpfer gewesen, mein ganzer Eifer galt immer der Magie. Naja, ich würde es vielleicht herausfinden, wenn ich eines Tages einen Kampf zu bestreiten hätte, wozu ich aber keinen großen Drang verspürte.
Der dritte Teil, so dachte ich mir, würde mit klar werden, wenn ich erst einmal die anderen beiden, die ja Bedingungen dafür zu sein schienen, enträtselt hätte. So blieb ich in Gedanken am zweiten Teil der Vision hängen. Hinter die Techniken blicken... ich wusste nicht, wie das zu verstehen war. Ich hatte ja alles über Magie und magische Techniken gelernt, was ich konnte. Ich verstand, nach welchen Prinzipien sie funktionieren. Es gab, so dachte ich, kein "ždahinter" mehr. Und so zermarterte ich mir das Gehirn und fand kaum mehr Schlaf vor Aufregung und Verbissenheit. Doch nach Tagen des Grübelns, in denen ich sogar noch griesgrämiger als Lanib war, kam mir eine Idee: Vielleicht ging es gar nicht um bloßes verstehen, sondern darum, die Magie zu fühlen. Bisher hatte ich stets geglaubt, dass man sie nur mit dem Verstand allein begreifen, beschreiben und durchschauen kann. Doch da mich das bei diesem Rätsel nicht weiterbrachte versuchte ich jetzt, meine Fähigkeit einmal mit Gefühl, welches ich sonst immer streng ausgeklammert hatte, zu betrachten. Ich setzte mich hin und begann zu meditieren und mich auf den Fluss der magischen Energie in meinem Köper zu konzentrieren. Doch erst nach langer Zeit, nachdem ich ganz in einen tiefen Ruhezustand versunken war, begann ich eine unbändige Kraft zu spüren. Es war nur ein ganz kurzer Moment, aber ich wusste nun, wo ich meine Antwort zu suchen hatte.
Von da an schlugen wir immer am späten Nachmittag schon unser Lager auf und ich saß oft bis in die Nacht hinein da und fühlte die Magie. Zwar konnte ich dieses Gefühl noch nicht nutzen, aber ich begann zu verstehen, dass die Magie eine unglaubliche Energie hatte, und nicht ich es war, der sie beschwor, sondern dass ich vielmehr nur im Stande war, diese vorhandene Energie zu kanalisieren.
Auf unserem Weg zur Bibliothek von Lat Eneth, der größten des Landes, mussten wir auch durch ein Gebiet, das Sempernox hieß. Viele grausame Geschichten rankten sich darum, man sprach von Ungeheuern, die dort hausten. So waren wir sehr froh, dass wir am Abend, bevor wir Sempernox erreichten auf eine Gruppe Handelsreisender trafen, die auch nach Lat Eneth unterwegs waren. Wir wollten uns ihnen anschließen und sie waren dem auch nicht abgeneigt, denn sie wussten die Möglichkeit zu schätzen, einen kampferprobten Zwerg bei sich zu haben.
Die Durchquerung von Sempernox, so wussten wir, dauerte zwei Tagesmärsche. Doch bis auf eine beklemmende Stille hatte das Gebiet, das seinen Namen der immerwährenden Dunkelheit unter dem dichten Blätterdach des Waldes verdankte, nichts Bedrohliches an sich. Gegen Abend schlugen wir unser Lager neben einem großen Felsen auf und verzichteten daher darauf, eine Wache einzuteilen. Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als ich durch das Knacken eines Zweiges aus meinem unruhigen Schlaf gerissen wurde. Ich blickte mich um und was ich sah erschrak mich so, das ich nicht einmal mehr schreien konnte. Ein riesiges Wesen, wohl an die drei Meter hoch, das sich auf allen Vieren fortbewegte. Es hatte einen langen Hals und sein länglicher Kopf endete in einem Schlund aus Stacheln. Es schien nur aus Knochen und Muskeln zu bestehen, die jedoch alle aussahen, als wären sie aus Holz. Ich sah gerade noch die Beine eines der Reisenden in seinem Maul verschwinden, da bewegte es sich auch schon auf den nächsten Schlafenden zu. Da fiel mir plötzlich ein, was die Kreatur sein musste: Man erzählte sich in unserem Dorf früher die Geschichte vom Lhurgoyf, einem untoten Monster, das sich von Toten und Schlafenden ernährte. Ich war noch völlig starr vor Angst und konnte mich nicht bewegen, sodass ich mit ansehen musste, wie der Lhurgoyf sich über den nächsten Reisenden hermachte. Da er zuerst den Kopf verschluckte konnte der Arme nicht einmal mehr schreien. Nun wandte sich das Ungeheuer dem nächsten zu und das war Lanib. Jetzt endlich, da ich meinen besten Freund in Gefahr sah fand ich die Kraft mich wieder zu bewegen. Ich hatte schreckliche Angst, doch noch stärker als das war meine Entschlossenheit. "žNein" dachte ich, "ždu wirst Lanib nicht töten!" Ich stürmte auf den Lhurgoyf zu und wollte ihm einen Feuerball entgegenschleudern doch mein Verstand war viel zu schockiert um sich darauf zu konzentrieren. So rammte ich ihn mit aller Kraft und brachte ihn damit zumindest von Lanib weg. Jetzt schnappte er nach mir und seine Fresswerkzeuge rissen mir den linken Unterarm auf. Ich stürzte zu Boden und er beugte sich über mich. Angst und Wut kochten in mir hoch und da ich nicht klar denken konnte ließ ich mich einfach von der Wut leiten. Ich stieß einen Schrei - halb Angstschrei, halb Kampfgebrüll - aus, riss meine Arme nach vorne und schloss die Augen. Ich fühlte die unsägliche Macht der Magie mich durchfließen und öffnete die Augen wieder. Aus meinen Handflächen loderten die Flammen wohl an die vier Meter weit und umhüllten den Köper des Lhurgoyf, der aufschrie und brennend in den Wald flüchtete. Sobald ich mich aufgerappelt hatte sah ich nach Lanib, doch der war unverletzt.
Natürlich waren die Anderen vom Gebrüll des Monsters aufgewacht und bemerkten nun, was ihren Kameraden widerfahren war. In dieser Nacht tat keiner mehr ein Auge zu und ich sprach erst mit Lanib über das, was geschehen war und wollte dann alleine darüber nachdenken. Das war es also gewesen, was die Vision bedeutet hatte. Hinter die Techniken zu blicken hieß, nicht zu versuchen die Magie mit dem Verstand kontrollieren zu wollen, sondern diesen außen vor zu lassen und nur auf die Gefühle zu höen. Und in dem Moment als ich Lanib gerettet hatte, wusste ich auch, was es hieß, mit ganzem Herzen zu kämpfen. Während ich noch so nachdachte brach das Mondlicht durch das Blätterdach und warf den großen Schatten einer Eiche auf den Felsen. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, denn da erblickte ich den Eingang zu einer Höhle, wo gerade noch massiver Stein war.
Meiner Neugierde folgend trat ich in die Höhle ein und sobald ich ganz darin war, konnte ich das Lager nicht mehr sehen. Stattdessen waren die Wände ganz schwarz und doch wunderschön, wie ein klarer Nachthimmel ohne Sterne. Von weiter hinten schien ein bläuliches Licht zu mir, dem ich folgte. Ich kam zum Ende der Höhle und dort lag auf einem Stein, der wie ein Altar aussah, ein Stab. Äußerlich war er nicht sehr auffällig, ein einfacher Knorrenstab, doch sofort spürte ich, dass eine immense Macht von ihm ausging. Und als ich ihn an mich nahm, da durchfuhr es mich wie ein Blitz und ich wusste, dass mir dieser Stab vorherbestimmt war. Ich konnte es mir nicht erklären woher ich es wusste, aber ich war mir sicher, dass er es mir ermöglichen würde, Zauber zu wirken und dabei sowohl den Verstand als auch meine Gefühle zu berücksichtigen, und dass dies die höchste Stufe der Magie war. Als ich mich, nachdem ich im Lager zurück war, noch einmal umdrehte war die Höhle verschwunden.
Nun da ich alles über die Magie wusste, was ich brauchte wollte ich nicht mehr nach Lat Eneth gehen, sondern meine Fähigkeiten einer gerechten Sache zur Verfügung stellen. Darum teilte ich Lanib mit, dass ich vorhatte, zu Königin Isabel zu gehen um mich ihrem Gefolge anzuschließen. Er war natürlich gerne bereit dazu, denn er versprach sich davon, auch einmal in eine richtige Schlacht ziehen zu können. So brachen wir auf und in den Döfern wo wir rasteten schlossen sich uns einige abenteuerlustige Recken an, so dass wir, wie ihr seht mittlerweile eine kleine Gruppe sind, die sich der Krone verpflichten will.
Und da sitze ich nun und erzähle Euch meine Geschichte. Ich hoffe, sie hat euch gefallen, auch wenn ich noch kein großer strahlender Held bin, nach dessen Berichten ihr ja eigentlich ausgeschickt wurdet. Wenn ihr wollt, könnt ihr mit uns zur Residenz der Königin reisen, dort werdet ihr sicherlich wahre Helden finden. Wir werden sie wohl in zwei Tagen erreichen."

Lorenz Beierl

Ubi_Marc
07-06-06, 02:32
<font size="4">Story #10 von Georg Girlinger</font>

"žDas Mädchen" von Georg Girlinger

Bei Dämmerung betritt ein Ritter in einer vom Kampf gezeichneten Rüstung den Lagerplatz eurer Gruppe. Plötzlich sinkt er erschöpft zu Boden. Ihr nehmt ihm den Helm ab und reicht eine Kelle Wasser um ihn zu stärken. In dieser Minute beginnt er zu erzählen: "žIch komme aus einem fernen Reich und reise seit Wochen umher. Mein Gebieter schickte mich Euch zu finden und ihm von euren glorreichen Taten zu berichten. Bitte erzählt mir eure Geschichten und mein Herr wird euch dafür belohnen."

Ihr legt weiteres Holz auf das Feuer, öffnet die Weinschläuche und beginnt zu erzählen: "žIch weiß, woher Ihr kommt", eröffnet Ihr dem Ritter. "žIch weiß auch, wer Euer König ist und warum er Euch zu mir schickt. Euer Königreich wird schon seit Monaten von den untoten Horden der Bluthexe angegriffen, und Euer König erhofft von mir zu erfahren, wie Ihr sie besiegen könnt." Ihr brecht Eure Rede ab und schweigt einige Sekunden lang, während Ihr mit einem Ast in der Glut herumstochert. Der Bote bleibt ebenfalls stumm. Er scheint zu spüren, dass Ihr nicht bedrängt werden wollt. Plötzlich schüttelt Ihr den Kopf und seufzt. "žIch kann Euch nicht helfen. Ihr habt den weiten Weg umsonst gemacht."

"žVerzeiht, Herr, aber das kann ich nicht akzeptieren", entgegnet der Ritter ruhig aber nachdrücklich. "žIhr seid die letzte Hoffnung für unser Königreich. Noch ist das Heer der Bluthexe nicht stark genug, um gegen uns in die Schlacht zu ziehen, aber mit jedem Dorf, das sie überfällt, wächst die Zahl ihrer Sklaven. Das ganze Land lebt in Angst und Schrecken, weil niemand weiß, wo sie als nächstes zuschlagen wird, und wenn sie angreift, erfahren wir erst nach Tagen davon, weil dann in dieser Gegend nichts mehr lebt, keine Kinder, keine Haustiere, nichts." Er beugt sich zu Euch herüber. "žWir wissen nicht, wie wir ihr Einhalt gebieten können. Ihr seid unsere letzte Hoffnung, Herr."

"žIch kann euch nicht helfen."

"žWarum nicht?" Widerwillig steigt Bewunderung für den Ritter in Euch auf. Jeder andere, den Ihr kennt, wäre aufgrund Eurer Weigerung wütend geworden, aber er bleibt ruhig. Obwohl Ihr das Funkeln in seinen Augen sehen könnt, beherrscht er sich. Er weiß, dass es seinem König nicht helfen würde, wenn er Euch anschreit. Sein König hatte eine gute Wahl getroffen, ihn zu senden. "žWenn Ihr uns schon nicht helfen wollt, müsst Ihr mir wenigstens erklären, warum nicht", fährt der Ritter fort und verschränkt die Arme vor seinem im Licht des Feuers glänzenden Brustpanzer. "žIch denke, Ihr seid meinem König wenigstens eine Antwort auf diese Frage schuldig."

Einen Moment lang seid Ihr versucht, einfach zu schweigen, um zu sehen, ob der Ritter doch noch seine Geduld verlieren würde, aber welchen Sinn hätte das? Er ist ein guter Mann und er weiß nichts von Euren Gründen. Es hatte keinen Sinn, ihn sich zum Feind zu machen. "žDenkt Ihr das?", entgegnet Ihr. Dann setzt Ihr euch gerade hin und blickt den Ritter scharf an. Er bleibt ruhig sitzen. "žSchön, wenn Ihr unbedingt wollt, werde ich Euch meine Geschichte erzählen. Dann werdet Ihr selbst sehen, dass ich Euch nicht helfen kann.

Ihr wisst, was sich die Leute über mich erzählen. Manche sagen, in meinen Adern würde Engelsblut fließen, andere wiederum denken, es sei Drachenblut. Einige behaupten sogar, ich wäre ein Gesandter des Himmels, gekommen um alle übel dieser Welt zu tilgen. Nichts davon ist wahr. Geboren wurde ich in einem kleinen, unbedeutenden Dorf, das heute nicht mehr existiert. Meine Mutter war eine Bedienstete im Schloss des Provinzverwalters, mein Vater einer der Waffenschmiede. Dank meiner Eltern durfte ich also wohlbehütet in der Burg aufwachsen.

Da ich die Burg nur selten verlassen durfte, hatte ich nicht viele Freunde. Die Jungen in meinem Alter waren fast alle Adelige und durften sich nicht mit mir abgeben. Und die Mädchen hielten sich von der Schmiede fern. Aber eine von ihnen war anders. Sie war von ihren Eltern der Priesterschaft in der Burg zur Erziehung übergeben worden, aber sie nützte jede freie Minute, um sich zu uns einfachen Leuten zu gesellen. Ich habe selten eine so lebensfrohe junge Frau getroffen wie sie.

Da man bei der Schmiedearbeit oft genug Schrammen und Verbrennungen abbekommt, hatte ich immer eine Ausrede, um mich mit ihr zu treffen. Ich werde ihr wissendes Lächeln, wenn ich wieder einmal zu ihr kam, um mich heilen zu lassen, niemals vergessen. Meist blieb ich, nachdem sie mich versorgt hatte, noch lange bei ihr, um mich mit ihr zu unterhalten. Ich war damals noch jung und unerfahren, sonst hätte ich vielleicht erkennen können, wie viel sie mir bedeutete, bevor es zu spät war.

Von einem Tag auf den anderen befiel mich dann plötzlich ein seltsames Fieber. Mein Vater bat alle Priester um Hilfe, aber niemand kannte diese Krankheit. Auch das Mädchen kam jeden Tag zu uns, saß an meinem Bett und versuchte mir zu helfen – vergebens. Während alle anderen aufgaben, blieb sie bei mir, obwohl ihre Verzweiflung stetig wuchs. Eines Tages kam sie schließlich ein letztes Mal. Ich war im Fieberwahn, deshalb weiß ich nicht mehr genau, was sie sagte, aber es handelte von einer letzten Möglichkeit, mir zu helfen. Schließlich gab sie mir noch einen Kuss – unseren ersten und einzigen Kuss - und verschwand dann. Hätte ich gewusst, was sie vorhatte, ich hätte sie trotz meines elenden Zustandes aufgehalten.

Einen Tag später war das Fieber verschwunden. Meine Eltern waren überglücklich, die Priester fassungslos und ich schwankte zwischen diesen beiden Gefühlen. Ich musste mich natürlich noch einige Tage erholen, aber meine Gesundheit kehrte rasch zurück. Was mich wunderte war, dass das Mädchen mich nicht mehr besuchte. Ich dachte mir jedoch nichts Schlimmes dabei. Als ich sie jedoch einige Tage später aufsuchen wollte, teilte man mir mit, sie wäre verschwunden.

Ich weiß heute nicht mehr, was ich damals gefühlt habe, aber es spielte auch keine Rolle, denn noch in derselben Nacht wurde unsere Burg angegriffen. Es gab keine Warnung, die Wächter waren lautlos getötet und dem Feind die Tore geöffnet worden, bevor jemand Alarm schlagen konnte. Als ich aus dem Haus stürzte, ein neu geschmiedetes Schwert in der Hand, wurde ich sofort von einem Skelett empfangen. Die Untoten waren klammheimlich aus ihren Gräbern gekrochen, hatten sich gesammelt und waren durch Verrat in die Burg gelangt. Ich schaffte es dank meiner hart erarbeiteten Kraft, das Skelett mit einigen Schwertstreichen in die Unterwelt zurückzusenden, aber die Burg stand bereits in Flammen. überall kämpften Leute um ihr Leben, Schreie und Flammen erfüllten die Dunkelheit.

Irgendwie schaffte ich es, durch die Reihen der Kämpfenden zum Tor durchzudringen – vermutlich, weil die Untoten in mir keinen Gegner sahen. Schließlich war ich nur Junge, auch wenn ich ein Schwert trug. Dort bemerkte ich jedenfalls eine in eine schwarze Kutte gehüllte Gestalt, welche neben der Winde für die Zugbrücke stand und den Kampf beobachtete. Die Gestalt war klein, beinahe zierlich gebaut, aber von ihr ging eine Macht aus, die keinen Zweifel ließ, wer die Untoten hierher geführt hatte.

Damals war ich außer mir vor Zorn, ich könnte mir nicht erklären, wieso ich sonst alleine einen Totenbeschwöer angegriffen habe. Selbstverständlich bemerkte mich die Gestalt und hob lediglich die bleiche Hand, woraufhin mich ein unsichtbarer Schlag von den Füßen fegte. Ich wollte mich sofort wieder aufrichten, aber dieselbe Kraft hielt mich am Boden fest. über mir stand die düstere Gestalt und starrte aus dem Inneren ihrer Kutte auf mich herab. Ich war mir vollkommen sicher, dass ich sterben würde. Aber es war nicht mein Tod, den die Gestalt wollte. Stattdessen streifte sie langsam ihre Kapuze zurück.

Selbstverständlich erkannte ich ihr Gesicht. Es war bleich, ihr einst so volles, schwarzes Haar war weiß und brüchig geworden und ihre Augen starrten ohne Glanz auf mich herab, aber dennoch war das Gesicht des Mädchens unverkennbar. Ich weiß, was Ihr sagen wollt. Untote haben keine Gefühle, sie empfinden nichts mehr für die, die sie einst kannten. Dennoch glaube ich auch heute noch, dass ihr Gesicht traurig war, als sie auf mich, den vor Grauen erstarrten Jungen, herab sah. Dann machte sie eine Bewegung mit ihrer Hand, die schon so oft meine Wunden geheilt hatte, und löschte mein Bewusstsein aus.

Als ich erwachte, waren alle um mich herum tot. Die Burg war bis auf die Grundmauern abgebrannt und niemand war mehr in der Lage meine Schreie zu beantworten. Neben mir fand ich einen Brief, den ich mit mir nahm, als ich wie betäubt mein Zuhause verließ. Im nächsten Ort fand ich jemanden, der ihn mir vorlesen konnte. Das Mädchen teilte mir darin mit, dass ihr Leben der Preis für das meine gewesen war. Sie hatte einem untoten Geist ihre Seele gegeben, damit ich vom Fieber geheilt wurde. Ihr habt nicht gewusst, dass jemand aus Liebe zum Untoten werden kann, oder? Ich auch nicht, und es stimmte mich nicht fröhlicher, wie Ihr euch denken könnt. Da es einige Zeit dauerte, bis sich ein Mensch in einen Lich verwandelte, war noch genug von ihrem alten Ich vorhanden gewesen, als sie auf mich traf, deshalb hatte sie mich verschont. Aber ihr Pakt war bindend, und sie bat mich, sie nicht zu verfolgen, denn für sie wäre es bereits zu spät.

Den Rest meiner Geschichte kennt Ihr. Nach einigen Wochen Trauer und Verzweiflung scharte ich jene um mich, die wie ich Angehöige an die Untoten verloren hatten und gründete eine Miliz. Monatelang bekämpften wir die Untoten, wir lockten sie in Hinterhalte und schlachteten sie ab. Schließlich gelang es uns auch, die Bluthexe, wie das Mädchen inzwischen genannt wurde, zu stellen. Während meine Männer um mich herum kämpften, drang ich mit Hilfe eines Priesters zu ihr vor und setzte ihr mein Schwert an die Kehle. Ich schwöe Euch, hätte sie auch nur ein Wort gesagt, hätte sie mich auch nur angelächelt, dann hätte ich sie getötet. Aber sie sah mich mit ihren kalten, toten Augen einfach nur an... so wie sie mich in dieser Nacht angesehen hatte. Und dann..."

"ž... habt Ihr sie entkommen lassen." Die Stimme des Ritters klingt nicht wütend, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Sie ist auch nicht freundlich, aber Ihr glaubt einen Hauch Verständnis heraushöen zu können.

"žIch habe zu lange gezögert", bestätigt Ihr. "žDer Priester bedrängte mich, sie zu töten, aber ich konnte es nicht. Dann löste sie sich plötzlich vor meinen Augen in Rauch auf und verschwand." Ihr macht eine kurze Pause. "žEinen Tag später verließ ich die Miliz. Die Untoten in dieser Gegend waren geschlagen, also packte ich meine Sachen und seitdem wandere ich durch die Länder."

"žSeid Ihr auf der Suche nach ihr?", fragt Euch der Ritter. "žOder flieht Ihr vor ihr?" Ihr schweigt. "žSie hat Euch das Leben gerettet", fährt der Ritter fort. "žDenkt Ihr nicht, Ihr seid es ihr schuldig, Ihrer Seele Frieden zu geben?" Euer Schweigen dauert an und der Ritter steht auf. "žIch will Euch nicht weiter bedrängen. Aber wenn Ihr Eure Meinung noch ändert, findet Ihr mich bis morgen in meinem Zelt. Ihr denkt vielleicht, dass Ihr nichts Besonderes seid, aber das ist nicht wahr. Das Leben des Mädchens fließt in Euren Adern. Möglicherweise seid Ihr der einzige, der Ihr den ewigen Frieden geben kann. Denkt darüber nach."

Am nächsten Tag verlassen zwei gerüstete Männer gemeinsam das Schlachtfeld, um ein anderes aufzusuchen.