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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Haie und kleine Fische



malaise1968
16-01-09, 08:25
Grüezi miteinand,

ich habe gerade den Roman "Haie und kleine Fische" von Wolfgang Ott gelesen. Seitdem weiss ich, wo der olle Buchheim abgeschrieben hat. Im Prinzip sind die Parallelen schon sehr augenfällig. Sogar der unvermeidliche Kriegsberichterstatter an Bord des U-Bootes fehlt nicht. Ich finde den Roman von Ott aber noch besser. Es ist härter, ungeschminker, illusionsloser und politischer als das "Boot".
Es kommt damit meiner Vorstellung von einem Antikriegsroman näher. Im ersten Teil, der den Seekrieg bei einer Minensuchflotille schildert, habe ich noch viel Neues gelernt. Der zweite Teil spielt bei der U-Bootwaffe und ist sehr eindrücklich. Ich dachte, das Buch wäre längst vergriffen, aber dann habe ich herausgefunden, dass es auf Amazon sowohl eine gebundene (2003) als auch eine TB Ausgabe (1996) angeboten werden. Ich kann es nur empfehlen.
Es gibt auch eine Verfilmung (SW/1957), die aber nicht so prächtig, sondern ziemlich hölzern finde. Es gibt auch inhaltliche Unterschiede zum Buch, die meiner Ansicht viel von der ursprünglichen Schärfe und Bitterkeit rausnehmen. Ausserdem grüssen die U-Boot Männer im Film ihren Kommandanten mit "Herr Kapitän". Wo gibt es denn sowas ? Der Film lief neulich mal im TV und ich habe ihn Euch im wmv Format unter <pre class="ip-ubbcode-code-pre">http://hosted.filefront.com/malaise1968/</pre> zur Verfügung gestellt.
Also dann viel Vergnügen bei Lesen und Schauen.

http://a.imagehost.org/0525/800px-Haie_und_kleine_Fische.jpg

Voyager532
17-01-09, 03:31
Hallo malaise1968,

danke für den Tipp. Werd ich mir al ansehen. http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_cool.gif

Magic1111
17-01-09, 05:46
Zitat von malaise1968:
Seitdem weiss ich, wo der olle Buchheim abgeschrieben hat. Im Prinzip sind die Parallelen schon sehr augenfällig. Sogar der unvermeidliche Kriegsberichterstatter an Bord des U-Bootes fehlt nicht. Ich finde den Roman von Ott aber noch besser. Es ist härter, ungeschminker, illusionsloser und politischer als das "Boot".


Moin !

zu o.g.: Lothar-Günther Buchheim hat als Kriegsberichterstatter selber, ich glaube an drei, Feindfahrten von U96 unter Kptl. Lehmann-Willenbrock teilgenommen. Er hatte zuletzt den Rang eines Oblt. z.S. Somit schildert er seine ureigensten Erlebnisse in seinem Roman "Das Boot" und hat nirgendwo abgeschrieben.
Nachzulesen u.a. hier: KLICK MICH! (http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar-G%C3%BCnther_Buchheim)

Auszug aus Wikipedia:
"1940 trat Buchheim als Freiwilliger in die Kriegsmarine ein und tat Dienst als Kriegsberichterstatter auf Minenräumbooten, Zerstörern und U-Booten, zuletzt im Range eines Oberleutnants.
Während und nach dem Kriege schrieb er zahlreiche Bücher über seine Erfahrungen bei der Marine. Auf seinen Erlebnissen als Besatzungsmitglied des VII-C-Bootes U 96 beruht sein wohl bekanntestes Buch „Das Boot“ von 1973. 1943 verfasste er seinen Erlebnisbericht „Jäger im Weltmeer“, der von einem erbitterten Kampf zwischen einem deutschen U-Boot und einem englischen Zerstörer handelt, der die Grundlage für „Das Boot“ wurde. 1944 entkam Buchheim mit einem der letzten deutschen U-Boote aus der Festung Brest. Danach floh er quer durch Frankreich mit viel Glück zurück nach Deutschland. Diese letzte Feindfahrt hat er in seinem Opus Magnum „Die Festung“ (erschienen 1995) verarbeitet."

Nicht böse gemeint: Aber mal besser vorher informieren ! http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-wink.gif

Zur Anrede "Herr Kapitän": Die Anrede "Jawohl, Herr Kaleu" (wie im Film "Das Boot") ist nichts anderes als die Abkürzung von Kapitänleutnant (= Kaleu = Hauptmann beim Heer). Ab dem Rang eines Korvettenkapitäns (= Major beim Heer) sprach man den Kommandanten nur mit "Herr Kapitän" an. Wenn also der Kommandant z.B. den Rang eines Korvettenkapitäns hat, grüßte man ihn z.B. mit "Jawohl, Herr Kapitän". Also durchaus zutreffend.

Viele Grüße,
Magic

malaise1968
18-01-09, 04:43
"zu o.g.: Lothar-Günther Buchheim hat als Kriegsberichterstatter selber, ich glaube an drei, Feindfahrten von U96 unter Kptl. Lehmann-Willenbrock teilgenommen. Er hatte zuletzt den Rang eines Oblt. z.S. Somit schildert er seine ureigensten Erlebnisse in seinem Roman "Das Boot" und hat nirgendwo abgeschrieben.
Nachzulesen u.a. hier: [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar-G%C3%BCnther_Buchheim]KLICK MICH![/url



Die Vergangenheit von Buchheim ist mir bestens bekannt. Da der Roman von Ott aber früher als "das Boot" publiziert wurde, ist davon auszugehen, dass Buchheim ihn kannte. Es gibt einfach viele Passagen, die in beiden Büchern sehr ähnlich, fast identisch sind. Da wäre der erzeisenharte, aber immer gerechte Kommandant (in beiden Büchern "der Alte" genannt), die nächtlichen Fliegerangriffe aus dem Nichts (ermöglicht durch neue Ortungsgeräte), die ambivalente Stimmung in den Marinebordellen, die bei Wabo-Beschuss hysterischen Dieselmaate, die aufgeblasenen Kriegsberichterstatter, usw.. Während einer Wabo-Verfolgung wird in beiden Romanen ASDIC-Ortung eingesetzt und in beiden Passagen wird das ASDIC-Geräusch mit "dem Geräusch, das Kieselsteine machen, die von aussen an die Bordwand geworfen werden" verglichen. Also nichts für ungut, aber ein wenig Inspiration wird Buchheim sich bei Ott geholt haben. Nur weil er selber dabei war und meinetwegen ein guter Chronist ist, muss er noch kein guter Romanschriftsteller sein.



"Zur Anrede "Herr Kapitän": Die Anrede "Jawohl, Herr Kaleu" (wie im Film "Das Boot") ist nichts anderes als die Abkürzung von Kapitänleutnant (= Kaleu = Hauptmann beim Heer). Ab dem Rang eines Korvettenkapitäns (= Major beim Heer) sprach man den Kommandanten nur mit "Herr Kapitän" an. Wenn also der Kommandant z.B. den Rang eines Korvettenkapitäns hat, grüßte man ihn z.B. mit "Jawohl, Herr Kapitän". Also durchaus zutreffend."


Das ist eine interessante Information. In Otts Roman hat es der Kommandant allerdings nur zum Kaleu gebracht. Daher rührt meine Verwirrung.

Matze_828
18-01-09, 06:04
Mit den Anreden der Offiziere bei der Marine kann ich die Aussagen von Magic1111 nur bestätigen. Als ich damals auf dem Zerstörer Rommel gedient habe, haben wir unseren ANO (Antriebsoffizier), der Kapitänleutnant war auch nur mit Kaleu angeredet. Da ist einem jedesmal die Brust angeschwollen, weil man dabei automatisch an den Film "Das Boot" dachte.
Und unsere sogenannten Kapitäne beginnend mit dem Kovettenkaitän haben wir alle mit Kaptän angeredet.
Man sagte nie Herr Kapitän sondern nur Herr Kaptän.

Aber ich werde mir den Film von malaise1968 auch mal anschauen.

prien1981
19-01-09, 03:40
moin ihr röhrenfahrer

ich stimme dem zu!ich war schnellbootfahrer,
im ehemaligen 2. schnellbootgeschwader/rostock-warnemünde. http://forums.ubi.com/images/smilies/784.gif
den kapitänleutnant sprachen wir immer mit kaleu an
und nen fregattenkapitän oder höher mit kaptän.
wie es aber vor 70 jahren war,weiss ich nicht. http://forums.ubi.com/images/smilies/blink.gif
aufgrund der traditionen in der marine,würde ich sagen,
das es auch damals so war,oder sehr ähnlich. http://forums.ubi.com/images/smilies/16x16_smiley-indifferent.gif

gute fahrt
und
fette beute

Henman1979
19-01-09, 04:58
Zitat von malaise1968:

Es gibt einfach viele Passagen, die in beiden Büchern sehr ähnlich, fast identisch sind. Da wäre der erzeisenharte, aber immer gerechte Kommandant (in beiden Büchern "der Alte" genannt), die nächtlichen Fliegerangriffe aus dem Nichts (ermöglicht durch neue Ortungsgeräte), die ambivalente Stimmung in den Marinebordellen, die bei Wabo-Beschuss hysterischen Dieselmaate, die aufgeblasenen Kriegsberichterstatter, usw.. Während einer Wabo-Verfolgung wird in beiden Romanen ASDIC-Ortung eingesetzt und in beiden Passagen wird das ASDIC-Geräusch mit "dem Geräusch, das Kieselsteine machen, die von aussen an die Bordwand geworfen werden" verglichen. Also nichts für ungut, aber ein wenig Inspiration wird Buchheim sich bei Ott geholt haben.

Naja, das sind schon alles Sachen, die einem in fast jedem Bericht zu diesem Thema so oder ziemlich ähnlich begegnen... Die Vergleiche, Begrifflichkeiten denken sich die Chronisten ja nicht nachträglich aus, dass ist halt damals Standardsprech gewesen (bezgl. "Der Alte"), einfach die treffendste und gängige Beschreibung (ASDIC -> Kieselsteine) und manches einfach Realität (nächtliche Fliegerangriffe; das war ja nun wirklich nichts, was nur einem Boot "vorbehalten war"); Und als Dieselmaat hatte man vielleicht eh das dünnste Nervenkostüm, weil man den ganzen Tag hinten im Boot zwischen stinkenden und lärmenden Motoren eingepfercht war... Wer weiss. Will gar nichtmal mit aller Macht abstreiten, dass Buchheim auch mal reingelesen hat. Aber diese Punkte alleine deuten da nur bedingt drauf hin...

rowi58
19-01-09, 07:31
Moin zusammen,

nun muss ich auch mal meinen „Senf“ dazu geben. Das sich die Erlebnisse der „U-Boot-Fahrer“ ähneln, ist wohl mehr als verständlich. Überraschend ist jedoch, dass in LGB’s Bestseller „Das Boot“ sehr viele Parallelen zu anderen Berichten/Büchern von Überlebenden zu finden sind.

Ich empfehle allen nur mal das Buch „Die eisernen Särge“ von Helmut Werner zu lesen, der darin seine gesamten Kriegserlebnisse von der ersten Feindfahrt als Fähnrich bis Kriegsende als Kommandant eines U-Boots beschreibt. An vielen Stellen wirkt dieses Buch – und es ist nun mal kein Roman – wie eine „Vorlage“ für LGB’s Buch.

Ob LGB nun ausschließlich eigenes Erleben oder eine Mischung aus eigenem Erleben und den Berichten anderer U-Boot-Fahrer in sein Buch hat einfließen lassen ist m. E. eher nebensächlich: denn sein Buch will ja auch nur „Roman“ sein, realitätsnah, aber kein „Tatsachenbericht“. Und dieser Roman ist dann von Wolfgang Petersen erfolgreich verfilmt worden. Nur: wer der Meinung ist, dass beide – Roman und Film – die absolut korrekte Darstellung des U-Boot-Krieges beinhalten, lässt außer Acht, dass sowohl Autor als auch Regisseur in ihre Werke ein gewisses Maß an „künstlerischer Freiheit“ haben einfließen lassen (und lassen dürfen). Denn schließlich sollten sowohl Roman als auch Film ein Publikum „unterhalten“, und nicht belehren.

Es ist schön festzustellen, dass hier im Forum auch User sind, die selbst einmal zur See gefahren sind. Bei mir ist das nun schon mehr als 30 Jahre her, als ich bei der Bundesmarine auf einem Minensucher zur See gefahren bin. Ein „Erlebnis“ mit LGB aus dieser Zeit ist mir noch gut in Erinnerung: kurze Zeit (ca. 1 Jahr) nach meinem Ausscheiden aus der Marine lief im Bayrischen Fernsehen eine Dokumentation von LGB u. a. zum „Leben auf einem Minensuchboot der Bundesmarine“. Ich habe diese Dokumentation mit meinen Vater – er hat als Kriegsteilnehmer Stalingrad überlebt und so einige andere Sachen bis zum bitteren Ende im Ruhrkessel 1945 – angesehen und musste ihm klarmachen, dass solche „Heldensagen“ nicht der Realität entsprachen. In dieser „Doku“ wurde von LGB sehr stark pointiert, ja überzeichnet, der Alltag auf einem Minensucher geschildert. Und das immerhin 1979! Lange Zeit nach Joseph G…..Daher ist für mich weder das Buch noch der Film „Das Boot“ das Maß aller Dinge.

Gruß
rowi58

U-Matze
19-01-09, 10:18
Moin,
Richtig Rowi.Das Buch von Herbert A. Werner ist sehr lesenswert. http://www.ubisoft.de/smileys/read.gif
Zu Buchheim und dem Film "Das Boot" kann ich sagen,dass Buchheim nicht immer einer Meinung mit
Petersen war.Buchheim sah die künstlerische Freiheit von P.in einigen Szenen doch etwas als über-
trieben an z.B.der Bananentanz,sowas wäre laut Buchh. nie auf einem U-Boot geschehen.Er meinte,
ein U-Boot ist ein Kriegsschiff und kein Vergnügungsdampfer.

Ich denke mal,dass viele U-Bootfahrer so in etwa das gleiche erlebt haben.Wenn sie dann ihre
Erlebnisse niederschreiben,kann es schon mal zu Gemeinsamkeiten kommen.Meine Meinung dazu.

Gruß U-Matze http://www.ubisoft.de/smileys/3.gif

Matze_828
19-01-09, 10:22
Ich habe von meinem Vater gehört, das Buchheim nicht so begeistert von dem Film "Das Boot" gewesen sein soll. Da wurde vieles übertrieben und auch vieles untertrieben. So eine ausgelassene Stimmung unter der Besatzung war normalerweise nicht der Fall. Die FF auf einem Uboot sind überwiegend langweilig für die Besatzung gewesen, weil sie oft Tagelang, ja teilweise Wochenlang nach Feinden suchten, bzw. ihnen hinterher jagten. Es gab sehr viel langeweile und das eine wenige, was die langeweile unterbrach, war der Wachwechsel.

Es ist im Endeffekt nicht anders als bei uns gewesen. Oft sahen wir tagelang nur Wasser und da konnte einem auch schnell langweilig werden.
Außer Donnerstag, da war äh Seemannssonntag.