PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interview mit Olivier Ledroit



Ubi_Marc
20-03-06, 08:25
1. Wie kam es zu deiner Mitarbeit am Might&Magic Universum?

Die erste Kontaktaufnahme ging von Erwan aus, der auf der Suche nach einem Zeichner war, der dem Might&Magic Universum eine starke visuelle Identität verpasst. Die Universen, die ich in meinen Comics zeichne, sind düster, kriegerisch und gewalttätig. Genau in diese Richtung wollte Erwan die Welt von Might&Magic befödern.


2.Was sind deiner Meinung nach die interessantesten Erscheinungen dieses Universums und wie werden sich diese im Design widerspiegeln?

Das interessanteste für mich an jedem Fantasy Universum ist die Tatsache, dass man verschiedene Orte, Epochen etc. erlebt und jederzeit die Möglichkeit hat, zu fliehen... Ich denke, es ist ganz normal; man braucht immer einen Ort, an den man sich zurückziehem kann, um den Zwängen der realen Welt zu entfliehen. Manche schauen sich Fussballspiele an, andere wiederum lesen Fantasy Romane. In der vergangenen Sci-Fi Generation gab es das Hauptuniversum, heute ist es heldenhafte Fantasy. Alles in allem aber bemächtigen sich alle Fantasy Genres immer des gleichen Ansatzes; die Story erinnert stets an einen guten alten Western und das Bedürfnis zu fliehen bleibt. Es ändert sich nur die Art und Weise.


3. Könntest du beschreiben, wie ein neues Design entwickelt wird?

Ich fange immer mit der bildlichen Darstellung der Fraktionen an. In welcher Beziehung stehen sie zueinander, was unterscheidet sie voneinander... Anschließend entwerfe ich grundlegende Formen und Silhouetten, die an verschiedene Plätze, Epochen etc. erinnern und gebe ihnen damit eine bildliche Identität. Diese Basis nutze ich, um alle weiteren Charaktere und Plätze zu entwickeln. In Might&Magic war es Bedingung, das Universum unterschiedlich zu den gewöhnlichen Fantasy Universen zu gestalten. Fraktionen wie die Untoten oder die Elfen haben stark eingefahrene visuelle Merkmale. Ubisoft allerdings wollte weg von dieser einspurigen Darstellung; deswegen verfügen die Elfen in Might&Magic nicht ausschliesslich über keltische Merkmale, sondern erinnern teilweise an amerikanische Indianer. Andererseits erinnert der Look der dunklen Elfen an die italienische Renaissance.


4. Was inspiriert dich hauptsächlich?

Ich orientiere mich hauptsächlich an älteren Werken, wie z.B. denen von Giger. Des Weiteren beziehe ich meine Inspiration hauptsächlich aus bestehenden Elementen. Ich denke, man muss auf bestehende und historische Elemente zurückgreifen, um etwas Originelles und lang Anhaltendes zu kreieren. Gerade diese Dinge sprechen nahezu alle an und erhalten das Spiel am Leben. In meiner aktuellen Reihe "žRequiem" zum Beispiel, habe ich mich von Kirchen aus meiner Region inspirieren lassen und habe einige Gebäude im ähnlichen Stil gezeichnet. Wenn ich eine Rüstung zeichnen möchte, werde ich zuerst in meiner Enzyklopädie der Waffen aus dem 13. Jahrhundert blättern, um einen richtigen Eindruck vom zu zeichnenden Objekt zu gewinnen. Des Weiteren schaue ich mir selbstverständlich wie jeder andere Zeichner auch, Arbeiten anderer Künstler an. Die Arbeiten anderer Künstler stellen auch eine Inspirationsquelle dar.



5. Was war der besondere Reiz, an einem Videogame mitzuwirken? Inwiefern unterscheidet sich diese Arbeit von deiner "žregulären" Arbeit?

Das Interessanteste daran ist, das kreierte Universum animiert zu sehen. Besonders beeindruckend ist, dass man sich in einem eigens erschaffenen Universum bewegen und darin herumlaufen kann und so zu einem Teil dieses Universums wird. Ich habe bereits in der Vergangenheit mit der Videospiele-Industrie zusammengearbeitet, allerdings war die Diskrepanz zwischen Zeichnung und Darstellung auf dem Bildschirm sehr groß. Bei der Arbeit an Might&Magic habe ich streng darauf geachtet, dass die Charaktere nicht ihr gesamtes Gesicht verlieren, wenn man ein paar Details wegnimmt. Auch wenn es noch nicht möglich ist, die Figuren "žeins zu eins" in ein Videogame zu transportieren, bin ich davon überzeugt, dass es in naher Zukunft möglich sein wird.


6. Du hast mit "žDark Moon Chronicles" zum ersten Mal von dir Reden gemacht. Das heldenhafte Fantasy Universum von "žDark Moon Chronicles" findet sich nun in Might&Magic wieder. Wie ist es für dich, wieder an einem Universum dieser Art zu arbeiten?


Es war wie eine Reise in die Vergangenheit. Ich fühle mich in diesem Universum wirklich zu Hause und weiß damit gut umzugehen, auch wenn diesmal die Vorgehensweise eine andere war. In Comics sind die Charaktere einfacher gehalten, weil man sie hunderte von Malen in unterschiedlichen Perspektiven zeichnen muss. Bei der Arbeit an Might&Magic ging es vordergründig darum, neue Charaktere zu entwerfen. Insofern war es mir erlaubt, mehr Details in die finalen Zeichnungen einzubauen. Seit meiner Arbeit an "žDark Moon Chronicles" habe ich an vielen weiteren Projekten gearbeitet. So war es mir möglich, die Palette der Charaktere, die ich zeichnen kann, zu erweitern. Dies half mir, meinen Horizont zu erweitern. Ebenso hat mich meine Arbeit an "žRequiem" stark beeinflusst, allerdings ist das Setting dort etwas düsterer und mit mehr Totenköpfen versehen...


7. Möchtest du zum Schluss noch etwas ergänzen?

Ich kann sagen, dass die Zusammenarbeit mit Ubisoft am Might&Magic Universum die beste Erfahrung war, die ich im Bereich Videogames bisher gemacht habe. Ich habe beim Designen des von Erwan und seinem Team entwickelten Universums sehr viele Freiheiten genossen. Alles in allem, eine tolle Erfahrung!

Seth_041
22-03-06, 17:45
Hey, wann kommt eigentlich der 2te teil des interviews mit fabrice?
der soll ja interesanter sein als der erste, wenn man dem autor glauben schenken darf

Ubi_Marc
23-03-06, 02:59
Kommt Zeit, kommt Interview! http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

Nein, jetzt mal im Ernst...ich hoffe in der kommenden Woche.

Seth_041
23-03-06, 11:34
ah, danke für die antwort http://forums.ubi.com/infopop/emoticons/icon_smile.gif

JohannSen
28-03-06, 11:39
Wird es keine Klagen von Games Workshop geben? Schliesslich sind sehr viele Einheiten und Helden (und mit den Dunkelelfen fast eine ganze Fraktion) 1:1 aus ihrem Tabletop Spiel Warhammer Fantasy kopiert worden.
Oder sind die Einheiten und ihre Rechte vieleicht sogar aus dem gescheiterten Warhammer Online Projekt gekauft worden?
Auf jeden Fall gefällt mir der "Style" sehr gut. Nur sollte man (Speziell Olivier Ledroit) darauf hinweisen, das der "Style" nicht nur auf seinem Mist gewachsen ist.

-JohannSen-