PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Missing Agent Story : Marie Sylvie Lacroix [1/6]



VanessaKallon
01-03-16, 12:31
Central Terminal
La Guardia Airport, NY
Black Friday : -3 Days


Schlaftrunken, ihren Rucksack geschultert, die Arbeitsjacke über ihre Laptoptasche gelegt und auf der anderen Schulter aufgeladen, zwängte sich Marie durch die Sitzreihen des Flugzeuges richtung Kabinentür. Stewards und Stewardessen verabschiedeten die Passagiere, wie vom Band, immer wieder mit den selben Frasen und einem Lächeln im Gesicht. Könnte sie selbst so arbeiten? Niemals. Geschäftsleute in ihren Anzügen zogen im Augenwinkel an ihr vorbei, einige bereits wieder an ihren Telefonen oder mit Zeitungen in der einen und ihren Aktenkoffern in der anderen Hand. Sie blieb stehen, kniff die Augen zusammen und rieb sich den Sand aus ihnen. Weitere Passagiere gingen an ihr, die Fluggastbrücke, richtung Terminal vorbei. Den Riemen ihres Ruckssacks anziehend, setzte auch sie sich wieder in Bewegung. Erst langsam, dann etwas zügiger. Immerhin war etwas hier, in New York, so dringend das sie in New Orleans alles stehen und liegen lassen und in den nächsten Flieger hierher kommen sollte. Ihre Gedanken kreisten während sie dem Ende der Fluggastbrücke näher kam. Ob ihr Boss, Jeff Hamsbergh, seines Zeichens Direktor für den nordwestlichen Bereich ihrer Firma, SSC Service Solutions, dahinter steckte nur um ihr das bevorstehende Wochenende zu vermiesen? Nicht das man in New York keinen drauf machen kann, aber in ihren Augen war es nicht das selbe wie in New Orleans. Eine Strähne ihres schwarzen Haar fiel ihr ins Gesicht, als sie die Beamten der Port Authority am Ende der Brücke stehen sah. Einer von ihnen sprach etwas in sein Funkgerät und blickte in ihre Richtung, als sie sich die Strähne aus dem Gesicht fischte und auf die beiden Männer und eine Frau zuging, die sich auf ihrer Seite des Ganges befanden. Bei meinem Glück... waren noch ihre Gedanken, wenige Meter bevor sie die drei Beamten erreichte. Auf dem Funkgerät eines der Beamten war die Stimme einer weiteren Beamtin zu hören,“Hab sie. Komm’ jetzt zu Euch hoch“. Nurnoch wenige Schritte. Die beiden Männer bauten sich sich demonstrativ im weg vor ihr auf, ihre Kollegin blieb etwas dahinter und beobachtete die ganze Szene aufmerksam und routiniert. „Miss Lacroix?“ sprach der Beamte mit dem Funkgerät in der Hand, Marie an. Ja Bitte, warum auch nicht, schoß Marie durch den Kopf. Vorsichtig, mit leiser und einem Übermaß an Müdigkeit in ihrer Stimme antwortete sie,“Ja?“.
„Kommen Sie bitte mit uns,“ erwiederte der Beamte mit dem Funkgerät in der Hand und zeigte damit in die Richtung, einige Meter seitlich von ihnen, eines nicht geöffneten Schalters und einer Tür die wohl hinunter zum Vorfeld führt. Sie wollte gerade nach dem Grund fragen, warum sich die Beamten gerade sie herausgesucht haben. „Das ganze wird leider einen Moment dauern, Ma’am. Wenn Sie solange bitte Tasche und Rucksack ablegen würden, während ich mich Ihrer Papiere annehme“, kam ihr der Beamte mit dem Funkgerät zuvor.
Während sie ihre Baggage auf den geschloßenen Schalter ablegte und ihre Papiere zur Kontrolle weiterreichte, nahm Marie den Mann näher unter die Lupe. Mittelgröß, sportlich,
kurzes hellbraunes Haar, dunkel blaubraune Augen, und seine Stimme. Ein leichter südlicher Akzent. Sie schaute auf das Namensschild an seiner Uniform, Castellio. Italiener, bestimmt. Während Officer Castellio seiner seits Marie kritisch musterte, trafen sich ihre Blicke. Marie, gut einen Kopf kleiner als ihr Gegenüber mußte aufschauen. Officer Castellion im gegenzug zu ihr hinab. Auf ihr schwarzes, mittellanges und halblockiges Haar, hinten zu einem hastigen Dutt zusammen gesteckt. In ihr müdes Gesicht, denn im Flugzeug hatte sie kein Augen zubekommen. Konnte sie noch nie. Und wahrscheinlich stieg von ihr auch ein recht exotischer Geruch auf. Eine Mischung aus, Schweiss, Flussmitteln, Rohöl, kreolischer Küche, und dem Versuch alles mit dem Geruch von Erfrischungs- und Hygienetüchern zu übertünchen. Jeff
hatte sie ja aus New Orleans abgezogen und ins erst beste Flugzeug nach New York stecken lassen, ohne das ihr Team und sie ihre arbeiten, der Umrüstungs einiger Bohlplattformen die auf trockdock lagen, fertig zustellen. „Und haben Sie etwas gefunden, das Ihnen zusagt?“, fragte Officer Castellio mit einem
charmantem Lächeln im Gesicht. „Möglicherweise“, antwortete Marie vorsichtig und ebenfalls mit einem verhaltenem Lächeln. Vielleicht nachdem in geduscht und eine Woche geschlafen habe, dachte Marie gerade also sich die Tür hinter ihnen mit einem tiefen Summen meldete. Jemand hatte seine Magnetkarte durch das Lesegerät auf der anderen Seite gezogen und wenige Augenblicke später sprang die Tür knackend auf. Ein Schwall kalter, feuchter Atlantikluft umspühlte alle Personen nahe der Tür, bis diese wieder zurück ins Schloß fiel. Eine weitere Beamtin, mit einer Einsatzweste in Signalgelb über ihrer Uniformjacke, kam hindurch, Maries als Gepäck aufgegebene Arbeitstasche in der Hand. „Die Tasche ist sauber. ‘Haufen Elektrozeugs, aber alles okay“, sagte sie mit einer leicht angerauten Stimme. Sie stellte sie auf den Schalter zu Maries anderen Sachen und genau so schnell wie sie aufgetaucht war, verschwand sie auch wieder. Officer Castellio nickte ihr noch dankend zu bevor sie wieder verschwand und er sich wieder Marie zuwandte und Ihr ihre Papiere zurück gab. „Alles in Ordnung, soweit. Wenn Sie uns nun bitte folgen würden...“, setzte Castellio an,“warten Sie, ich nehmen Ihnen das ab“, fuhr er fort und nahm Maries Rucksack in die Hand, während sie ihre beiden Taschen schulterte. Mittlerweile war der zweite Beamte ebenfalls verschwunden,
nurnoch die Beamtin im Hintergrund war noch da und lotste Castellio und Marie durch mehrere Sicherheitsschleusen und Kontrollen vorbei direkt zum Eingang des Terminals. Maries Gedanken fingen an warm zu laufen. Sonderbehandlung? Bitte, gerne auch öfter. Was ist so wichtig...dann durch die große Glasfront des Terminals sah sie ihn schon stehen. Einen alten umgebauten Einsatzwagen der New Yorker Polizei für Notfälle, jetzt in dezentem grau, mit schwarz und weißem Firmenlogo auf den Seiten. Die orangegelben Arbeits- und Wartleuchten auf dem Dach und an der Front waren an. Gegen die Motorhaube lehnte eine kleine Frau, in der zum Wagen passenden Arbeitsmontur. Maya Tian, eine der wenigen studentischen Hilfskräfte der Firma, hier in New York. Jetzt war Marie so einiges klar. Sie warf Maya einen ungläubigen Blick zu als sie zusammen mit Officer Castellio aus dem Eingang des Terminals heraus kamen. Maya hier. Die Eskorte. Jeff der am Telefon nichts näheres als einen Notfall nannte. Maries Gedanken rollten gerade auf die Startbahn und waren bereit zum abheben.

Maya wuchtete sich von der Motorhaube in Richtung Castellio und Marie. Sie nahm ihm Maries Rucksack ab während auch sie zu ihm auf sah. „Danke, Lou. Hast’was gut bei mir,“ kam reichlich verschwitzt und schon fast etwas schüchtern über ihre Lippen. „Ach, solange Du ein Auge auf Nici hast, geht das schon in Ordnung“, erwiederte Officer Castellio gelassen und schaute kurz über seine Schulter, zu seiner Kollegin die bereits wieder ihr Funkgerät in der Hand hatte und andeutete das sie anders wo gebraucht wurden. „Also dann, wir sehen uns die Tage. Die Pflicht ruft.“ Leicht verträumt warf Maya dem jungen Mann ein gehauchtes,“Bis die Tage“, hinterher. Marie warf Maya einen fragend Blick zu als sie anschließend ihre Sachen im Wagen verstauten. „Hab ich hier etwas nicht mitbekommen?“, drückte Marie zwischen zwei Gähnern hinaus. Ließ sich aber sofort durch den Geruch eines großen Bechers mit Kaffee und einer Tütte mit warmem Gebäck ablenken als beide ins Fahrzeug stiegen.
„Lou, also Lucas Schwester, Nicole wohnt bei uns im Wheeler eine Etage über mir. Er besucht sie wann immer er kann. Und ich schaue nur ab und an nach dem Rechten“. Marie verzog ihre dünnen Augenbrauen als sie in die Tütte mit dem Gebäck schaute. Während Maya den Wagen vom Flughafengelände in Richtung Manhattan steuerte fielen nicht viele Worte. Zumindest nicht solange Marie mit ihrem Frühstück fertig war. Ein besonders fettiges und süßes Teilchen ließ sie aber in der Tütte. Notfallreserve für besonders schlechte Momente. Sie waren schon fast auf der Brücke als Marie halbwegs wach wurde. Der Kaffee fing wohl gerade an zu wirken. „Ist ja nicht so das er nicht süß wäre, aber....“ sie nahm noch einen kräftigen Schluck aus dem Kaffeebecher,“....er ist mir ein klein wenig zu jung“. Maya grinste wie ein Honigkuchenpferd, nur um einen moment später generft auf die Hupe zu hämmern. „Wieso fährst du Arsch nicht einfach!“ schrie sie während sie einige weitere male die Hupe des Wagen maltretierte. Einen Moment später machte es bei Marie klick und ihr Verstand war wieder aus dem Schlafmodus erwacht. Mit einem letzten Schluck leerte sie den Kaffeebecher, drückte sich immer noch mehr müde als wach in den Beifahrersitz und schien für einen Augenblick förmlich in ihren Klamotten zu verschwinden, bevor sie Maya anfing zu löchern.
„Also, was hat Jeff mir nicht am Telefon sagen können? Warum sitze hier im Wagen? Und jetzt sag mir bitte nicht das Oberpfosten Jeff einen Regierungsauftrag angenommen und ihn voll in den Sand gesetzt hat“, knurrte Marie lauhwarm zwischen einer Reihe von Gähnern hinaus. „Jetzt fahr schon , du Affe!“ waren Mayas Worte, die einem protzigen Sportwagen vor ihnen galten. Marie hatte einige Momente lang nur einen Gedanken : Bitte keine Regierungssachen. „Keine Panik, Boss. Ich glaube nicht einmal Jeff wäre so blöde, so etwas so kurz vor dem langen Wochenende zu machen. Aber ohne ist es nicht. Jetzt Fahr schon, Du Penner! Bei DeCom und L9 gibt es massive Probleme mit den Buchungssystemen ihrer Kunden. So kurz vor dem Wochenende, zu dem fast jeder die Läden stürmt. Muss ich noch weiter...“ sie unterbrach sich selbst und hämmerte weitere male wütend auf die Hupe ein. „Das nächste mal frage ich Lou, ober er uns nicht mit Blaulicht den weg frei machen kann“, warf Maya ein und ließ endlich von der Hupe ab. Innerlich fiel Marie ein Stein vom Herzen. Jetzt war es ihr klar warum Jeff nicht genauer auf das Warum eingehen konnte. Ein richtig abgehörter Anruf, ein paar Gerüchte hier und ein paar Aktienverkäufe dort und schon wäre die nächste Wirtschaftskrise nicht fern. Marie wußte es ja nur zu gut wie leicht man so etwas, mit den
richtigen Leuten, in die Wege leiten konnte. Immerhin hatte Jeff sie ja auch aus genau solchen Gründe aus Frankreich in die Staaten geholt. Bloß außer Jeff und ihr, wußten dies nur eine Handvoll anderer Menschen. „Und, wo geht’s als erstes hin? Haben wir noch Zeit das ich zuhause unter die Dusche springen kann?“ fragte Marie obgleich sie die Antwort bereits erahnen konnte. Maya hatte es indes aufgegeben den Fahrer des Sportwagens vor ihnen mit Flüchen und Kraftausdrücken zu
belegen. Maya schüttelte mit dem Kopf,“Jeff war da sehr deutlich. Dich vom Flughafen holen und dann direkt nach DeCom am Penn Plaza. Dort alles retten was zu retten ist und dann weiter zum L9 Rechenzentrum in der 26sten. Und Marie, er hat die Überstundenscheine bereits bewilligt,.... mit der fünffachen Löhnung“.

Spätestens jetzt war Marie klar was sie von anfang an vermutet hatte, fünffache Löhnung und Überstunden. Jeff Hamsbergh, Du mußt ja wirklich tief in der Scheiße stecken.

VanessaKallon
03-03-16, 19:47
DeCom Technology Solutions
5 Penn Plaza, NY
Black Friday : -2 Days



„Das ist doch blödsinn. Centbeträge die dutzendfach in der Stunde durchs Land oder nach Übersee und wieder zurück flitzen. Hier verarscht uns jemand ganz gewaltig“, fluchte Maya durch den Serverraum. Stolz auf ihren kleinen Erfolg, spiegelten sich in ihren müden Augen weitere Programmzeilen des Bildschirms, auf den sie bereits seit Stunden starrte. Seit Stunden nur ein Geräusch auf den Ohren, das monotone Summen von CPU Lüftern, von hunderten. Seit Stunden ein wirres Lichterspiel von tausenden von Leuchtdioden, die den Datentransfer der Rechner untereinander, sowie von Außen nach Innen und umgekehrt, anzeigten. Stunden vor dem Klappbildschirm eines Serverschrank, auf einem unbequemen und alten Bürostuhl. Am anderen Ende des Serverraumes hatte es sich Marie auf einer Transportkiste bequem gemacht, ihre Finger über die Tastatur des Firmenlaptops fliegend, sofern sie nicht nach einem Becher mit heißem Kaffee griff, deren leergetrunkene Vorgänger sich an der Seite, schon
neben dem Mülleimer, starpelten. In den vergangenen Stunden, in denen ihr mobiler Rechner mehrfach versuchte bestimmte Muster im Programmcode der Serversoftware zu finden, hatte sie eine ihrer Fähigkeiten aus einem anderen Leben kultiviert, den Minutenschlaf. Nie ganz wech, und trotzdem etwas an gefundener Ruhe. Worauf ihrere studentische Hilfskraft jetzt erst gekommen ist, war Marie schon vor Stunden aufgefallen. Allerdings war dies leider Gottes nicht das einzigste war ihr zu Augen stieg. Neben diesem, offenbar von einem Amateur stammenden Code hatte sie noch weitere innerhalb der Firmenserver gefunden, verschlüsselt und bei weitem nicht so plump. Aber warum hier? Die Server von DeCom TS nahem vorallem die Kreditkartendaten kleiner Läden und Ketten auf und leiteten sie weiter. Viele Läden und Ketten würden wenn überhaupt nur sehr geringen Schaden nehmen sollten sie für eine Tage oder Wochen nicht in der Lage sein die Plastikkarten ihrer Kunden zu verarbeiten. Warum dann dieser Aufwand? Einer der Codes den sie gefunden hatte war dafür verantwortlich das Geisterbuchungen getätigt wurden. Fantasiesummen und Namen die nur aus Zahlenbestanden,
zweifels ohne dazu bestimmt das System mit Arbeit einzumüllen, abzulenken. Oder auch nur ein, mal schauen ob das überhaupt funktioniert? Ein weiterer Code, der der am schwersten wog, lies augenscheinlich willkürlich Buchungen stornieren, verzögerte sie praktisch endlos, oder lies die Summen willkürlich anderen Konten als den Zielkonten gutschreiben. Schlußendlich der letzte Code den sie hier finden konnte, bisher. Er lies von jeder Buchung einen prozentualen Anteil, augenscheinig, im Nirvana des Internetz verschwinden. Soweit, sogut. Einer der Codes war kindlich und ein anderer kriminell, die beiden anderen, da war sich Marie nicht sicher. Systemfehler aufgrund eines falschen Updates des Betriebssystems. Eine mutwillig genutze und durch den Autor der Software in das System eingebaute Hintertür. Cyberkriminalität. Spionage oder gar Sabotage von Außen? Es gab einige weitere Möglichkeiten, aber diese hier waren die die am nächsten auf der Hand lagen.


55 Minuten später...
2 Stockwerke tiefer, Konferenzraum von DeCom Technology Solutions

„Nur der Spaß-Code, den Maya entdeckt hat, läßt sich bis jetzt zeitlich exakt lokalisieren. Das war eine Sache von fünf Minuten. Die anderen drei Anomalien sind gravierender und liegen tiefer, teilweise im Programmcode des Betriebssystems. Wir rechnen daran noch herum, aber diese sind seit mindesten zwölf, vielleicht auch achtzehn Monaten im System.Warum sie erst vor zwei Tagen aktiviert wurden kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Allerdings empfehle ich Ihnen das System bis auf weiteres herunter zufahren, Ihren Kunden mitzuteilen das sie in den nächsten Tage auf Zahlungen per Karte verzichten müssen und das Sie sich im Bezug auf die zuerst genannte Anomalie an die Cyberabteilung des FBI wenden und dort Anzeige erstatten,“ führte Marie in einem sachlichen, wenn auch leicht müden Tonfall aus. Rechts von ihr saß Maya, die nach dem einen oder anderen Becher Kaffee nun auch wieder halbwegs wach wirkte. Links von Marie, Jeff Hamsbergh, ihr Boss. Mit dem Abstand von
mehreren Sitzplätzen hatten sich der Chef von DeCom Technology Solutions und einer seiner Manager, an den großen Konferenztisch gesetzt. Der Manager notierte sich etwas auf einem Notizblock, während der Chef das was er gerade zu hören bekommen hatte nochmals in Papierform vor ihm liegend überflog. Mit einem ernsten Blick unter seiner Brille hervor schauend wannte er sich Jeff zu. „Sehen sie das genau so, wie Ihre Technikerin das gerade ausgeführt hat, Mister Hamsbergh?“ Jeff hörte auf mit einem Kugelschreiber zu spielen, den er in die Hand genommen hatte kurz nachdem Marie angefangen hatte zu sprechen und zog sein Jacket zurecht. „Absolut. Miss Lacroix ist Unsere Expertin auf diesem Gebiet, wenn Sie sagt das ist das beste so, dann ist es das auch“, kommentierte Jeff. Immerhin hatte war nicht nur seine Firma vor Jahren hinter Marie her. Mehr als ein Dutzend Firmen und Unternehmen hatten um ihre Gunst gebuhlt. Das einzigste wobei jeff, Marie damals hinters Licht geführt hatte, war die Ausstattung seiner Firma. Personell sehr gut aufgestellt, aber was die Technik anging, Mittelmaß, bestenfalls. Marie konnte sich, in den darauf folgenden Momenten der Stille, ein
Räusbern nicht verkneiffen. Zeitnahe gab sie Maya einen kleinen Stoß und zeigte auf ihre Uhr. L9 Communications, ein weiterer Kunde mit Kreditkartendaten, wartete bereits auf weitere Techniker die die Probleme in den Griff bekommen sollten. Nach einigen weiteren Momenten der Stille, legte der Chef von DeCom seine Brille zur Seite, schaute seinen Manager an und wies ihn schlußendlich an ihre Kunden über die Lage zu informieren. Beide standen auf, ebenso wie Jeff, Maya und Marie. Noch während man sich voneinander verabschiedete wurden die ersten Smartphones gezückt. Als man endlich den Konferenzraum verlassen hatte, zückte auch Jeff seines. Wen er anrief konnte Marie nicht mitbekommen. Sie war einige Schritte vor Maya, mit ihren Taschen. Sie wußte nicht worüber sie sich als nächstes Aufregen sollte, das Jeff der Gebrauchtwagenverkäufer mit silberner Zunge schlecht hin war? das bei L9 Communications höchstwahrscheinlich mitunter die selben Probleme auf sie warten würden? Oder das sie immer noch nicht duschen konnte? Andererseit konnte sie es sich nur schwer vorstellen das man bei L9 haargenau die selben Probleme hatte. Nicht jedes unternehmen stellt drittklassige systemadministratoren ein, die in ihrer Freizeit mit den Firmensystemen ins Netz gingen um Wetten auf Basketball und Eishockeyspiele abzugeben, geschweige denn auf irgendwelchen fragwürdigen Erotikseiten sich wer weis schon was anzuschauen. zum anderen war bereit Mike Kempton vorort. Mike ist MIT Absolvent, ein paar Jahre jünger als Marie und auch nicht mit einer vergleichbaren Vergangenheit gesegnet, wie sie. Nichts desto trotz sah Marie in Mike,
eine Person auf ihrem Niveau vielleicht auch darüber. Zumindest aber eine Person die die letzten Tage durchaus Zeit hatte zu duschen.

VanessaKallon
08-03-16, 07:31
L9 Communications - Data Center
601 W 26th Street, NY
Black Friday : -1 Day


Von außen betrachtet machte L9 Communications nicht gerade viel her. Eine kalte Stein und Glas Fassade wie vieler Orts in New York. Auf der anderen Straßenseite waren die Laderampen für ein von außen sehr heruntergekommenes Lager- und Bürohaus. Lediglich die Autos der
Mitarbeiter und Kunden, sowie der bei näherer Betrachtung mehr als opulente Wachschutz deuteten an, hier ist etwas teures Zuhause. Eben diesen Wachschutz passierte Maya nun zum dritten mal an diesem Tage. Die ersten beiden male um die müden Augen von Mike und Marie mit koffeinhaltigen und warmen Getränken am totalen zusammenkleben zu hindern. Nun, das Dritte mal, um ihrer aller Bäuche mit warmen, frittierten Meerestieren und anderen lokalen Köstlichkeiten halbwegs bei Laune zu halten. Auch dieses mal das selbe Spiel wie die beiden male zuvor, durch den Detektor, dann das Handgerät. Das sie sie nicht noch die Speisen jede einzeln aufmachen ließen war alles. Ist ja schlimmer als auf dem Flughafen, dachte sich Maya und wurde scließlich von einem der beiden, wie Mike sie so gerne nannte, Mietbullen, zu einem seiner zahlreichen Kollegen an der Sicherheitsschleue zum Serverbereich gebacht. Dahinter im Kontrollbereich der wiederum von den Server getrennt lag, waren Mike, Marie und je nachdem wie spät es gerade war zwei oder drei Techniker von L9 und ein paar der Mietbullen, die gerade ihre Runde abgingen.

Zeitgleich...

Mike stand von seinem Platz am großen Kontrollpult auf, streckte seine Arme gen Leuchtstoffröhren an der Decke und konnte sie gerade noch wieder rechtzeitig herunter schwingen bevor ein lautes und gelangweiltes Gähnen den Raum erfüllt hätte. Die letzten beiden Tage hatte er erst alleine, und seit den letzten Stunden, zusammen mit Marie versucht der ebenfalls chaotischen Lage bei L9 Communications herr zu werden. Bis auf den einen, kreativen, aber kindischen Angriff wie bei DeCom, lagen hier die selben Probleme vor. Nur halt einige Nummer größer. Immerhin gingen über neunzig Prozent aller Kreditkartenbewegungen im Großraum New York über die Server von L9. Auch Mike waren die, erst bei näherer und zweiter oder dritter Betrachtung auffallenden, Muster in den Codes und der vermeidlichen Fehltransaktionen aufgefallen. Vielleicht sogar einige Stunden vor Marie die Selbigen bei DeCom entdeckt hatte. Und ebenso wie Marie war es ihm bisher nicht möglich die Codierung zu knacken, oder wie Marie versuchte, die Zeitstempel auszulesen, an denen die Codes zum ersten mal in die Programme eingriffen. Langsam schlenderte er zu Maries Arbeitplatz und baute sich, dabei auf die Zeilen ihres Laptops konzentriert, hinter ihr auf. Marie, müde aber wachsamer als man es ihr ansah, nahm es beruhigend zur Kenntnis das es Mike war, während ihre Finger eifrig über die Tastatur ihres tragbaren Computers flogen. Nicht das man ihr die letzten Tage nicht ansah, oder schlimmer, roch, wenn man an ihr vorbei ging, aber hinter der müden Fassade schlummerten Fähigkeiten und Erfahrung die man nur erahnen konnte und die vergleichbar mit dieser Situation, hier bei L9 waren. „Du hast immer noch nicht gesagt wie New Orleans war,“ fragte Mike und beugte sich etwas vor um Marie buchstäblich über die Schulter zu blicken. Ihre Ohren vernahmen zwar was er sagte aber sie ignorierte ihn, zumindest für die nächsten Sekunden in denen sich in ihrem Kopf ein neuer, und nicht sonderlich erbaulicher, Gedanke formierte. Sie öffnete ein neues Fenster auf der Oberfläche ihres Rechners und griff auf das gesamte Wartungsverzeichnis der Kontrollserver zu, wählte es aus und kopierte es schließlich auf den Speicherstick in ihren Rechner. Mike sah dies, und kam mit seinem Kopf noch näher an Maries.
„Muss ich mir jetzt sorgen machen?“ fragte er flüsternd. Marie merkte wie Mikes Haar ihres streifte als er redete. Für einige Sekunden drehte sie ihren Kopf leicht zu ihm, gepaart mit einem sehr ernsten Blick. Dann drehte sie ihn langsam wieder zurück. Ihre ernste Miene wich einem, trotz ihrer Müdigkeit, vergnügtem Lächeln. „Sagmal, mag das deine Frau wenn Du mir so auf die Pelle rückst?“ neckte Marie. Mike war für einige Momente überrascht, fand aber recht schnell die passende Antwort um Maries ungewohnt frechen Anflug paroli zu bieten. Er hatte sie die letzten Monate, in denen sie an den selben Projekten tätig waren immer etwas zurückhaltenen, um nicht zu sagen leicht distanziert, erlebt.
„Es ist ja nicht so, das sie etwas dagegen hätte. Nur wäre das für den kleinen Mike etwas zuviel Arbeit. Zwei Prachtweiber die ganze Nacht lang...“ protze Mike fast schon lachend zurück. Marie verdrehte lachend den kopf und winkte ab.“Danke, zuviel Infos!“ erwiederte sie. Davon träumt Mike also die endlosen Stunden, zwischen Servern sitzend. Intressant. Während ihres Geflachses wurde der Kopiervorgang abgeschloßen, und blitzschnell schloß Marie das dazugehörige Fenster auf der Arbeitsoberfläche ihres Rechners wieder. Wissend das Mike dieses ebenfalls vernommen hatte. Hauptsache keiner der Techniker von L9 hatte es mitbekommen was Marie gerade gemacht hatte. Sie drehte sich zu Mike um. Er nickte ihr kurz zu, ihr zeigend das er darüber kein Wort verlieren würde, zumindest nicht bis Marie ihn von sich aus darauf ansprechen würde. Das spaßige Lächeln wich einem leicht ernsteren, als sich Mike aufrichtete und schon erste Anstalten machte wieder auf seinen Platz zurück zu kehren. „Wesendlich wärmer als hier“, waren ihre Worte. In ihnen schwang ein ein deutliches Missfallen mit. Ein Vermissen. Ihre Stimme wurde lauter, und schwärmte von den Annehmlichkeiten der kreolischen Küche. „Vergess was man so sagt. Ein wenig Regen, etwas Wind. Egal. Das einzigste was zu der Jahreszeit da unten Pelz trug, liegt auf dem Grill. Oder zumindest Federn. Du solltest unbedingt mal Kokoshähnchen mit gebackenen Süßkartoffeln und gewürzten Auberginen probieren. Schön mit Soße,“ versank sie in wohlig tuende Erinnerungen und schloß für einen Augenblick ihre Augen während sie weiter sprach. „Und danach Mangos mit Vanillesoße und gebackenen Bananen“. Spätestens jetzt verdrehte einer der L9 Techniker angewiedert die Augen, während ein anderer ihm den Scheibenwischer machte und in Richtung Marie deutete. Praktisch zeitgleich betrat Maya mit dem Essen, den Raum. Ein leichter Windzug wehte den Geruch von Süßkartoffeln, frittierten Meeresfrüchten, etwas nußigem und mindestens einem dicken und saftigen Cheeseburger, herein.

Kurz darauf...

An einem Tisch etwas ab des Kontrollpultes saßen die Drei und aßen ihr improvisiertes Mittagessen. Mikes saftiger Cheeseburger und eine große Tütte dicker Pommes dazu waren so typisch, nicht typisch amerikanisch, halt einfach typisch Mike. Aber egal was er aß, und er konnte rein praktisch so gut wie alles essen, er nahm dadurch nicht sonderlich zu. Gute Gene, wie er immer sagte. Maya hatte etwas, das Aussah wie Bami Goreng bloß mit wesendlich mehr Tintenfisch und Karnelen statt Hühner oder Rinderfleisch. Geschickt und gekonnte schaufelte sie mit den recht dürren Eßstäbchen Happen um Happen in ihren Mund. Während Marie sich ihrerseits mit einem recht dürftigen Abklatsch von gebackenen Süßkartoffeln und Hähnchen in Nusssoße begnügte. New York ist New York. Aber halt kein New Orleans. Während Marie versuchte soviel wie möglich von der nicht wirklich guten Nusssoße von den Hähnchenstücken zu tropfen, schob Mike sich einen kleine Fuhre Pommes zwischen seine Kiefer, knapp gefolgt von einem großen Biss in seinen saftig triefenden Cheeseburger. Maya beobachtete dies, nachdem sie selbst ihrerseit einige Nudeln in ihrem Mund verschwinden ließ. Nachdem die letzten Reste ihres Bissens ihre Kehle hinunter glitten konnte sie sich eines knackigen Kommentars nicht erwehren. „Also wenn mein Mann so vor mir essen würde,... also Ihr wisst was ich meine. Bong! Getrennte Betten, oder er pennt auf der Couch bis er richtig zu essen gelernt hat oder sich einen Schlabberlatz umhängt“. Maya konnte sich das Lachen gerade noch verkneiffen, aber Marie ließ vor lachen ihre Plastikkabel in die Aluschale fallen und lehnte sich sichtlich amüsiert in den Stuhl auf dem sie saß. Mike hörte auf zu kauen. Seine Augen blickte in die ferne des Raumes, an seinen Kolleginnen vorbei. Mike hatte eine Idee. Marie sah es ihm förmlich an, wie sich die ebenfalls müden Windungen in Mikes Gehirn auf machten einen Gedanken, oder gar eine Idee zu formen. Bloß sorgte Mike Momente später erstmal für herzhaftes Gelächter der beiden Frauen, als beim Versuch seine Gedanke in Worte zu fassen, sich ein Teil des Cheeseburgers in seinem Mund auf den Weg Richtung Tischplatte machte. Mike grinste kurz mit, griff sich eine der Papierservietten und korrigierte sein kleines Malheur. Wenig später, nachdem sein Mund frei schon Speisen oder derer Reste war und sich die beiden Frauen wieder beruhigt hatten, ergriff er kurz und knackig das Wort. „Wir teilen den Zahlungsverkehr auf und schieben einen oder zwei Sortierer davor. Kawow, und Papa Mike ist rechtzeitig zum Abendessen Zuhause bei seinen beiden kleinen Monstern“. Marie begriff sehr schnell, ja fast schon beängstigend schnell worauf Mikes Idee fußte. Es wäre etwas an Schrauberei nötig und noch einiges mehr an Programmierung, aber zeitlich machbar. Das leidenschaftliche lächeln in ihrem Gesicht wich einem, ernsten und profressioniellen Ausdruck baldigen Schaffens. Beinahe zeitgleich sprangen Mike und Marie von ihren Stühlen auf und waren in Nullkommanichts wieder, eifrig bei der Arbeit und jagten mit ihren Fingern über die Tastaturen ihrer Computer. „Da ich hier am wenigsten Moss sehe, esse ich erstmal auf“, kommentierte Maya das ganze läßig und schob sich geflegt etwas in den Mund das aussah wie frittierter Tintenfisch. Doch aus dem Hintergrund fuhr ihr Marie in den Karren. „Wenn Mademoiselle fertig ist mit dinieren, Jeff anrufen. Sag ihm er schuldet uns einen Monat bezahlten Urlaub“.

Ein paar Stunden später...

Nachdem Mikes Idee gefruchtet hatte, Jeff eingetrofften,sowie die Führungsriege von L9 beruhigen konnte und diese mit der angebotenen Teillösung sogar zufrieden war, konnte Mike nach Hause zu seiner Frau und den beiden Kindern verschwinden. Maya und Marie überwachten noch die ersten Stunden den laufenden Datenverkehr und Marie korrigierte hier und da einige Anfällig- und Kleinigkeiten, ihrer Notlösung. Sicher sie war nicht perfekt, zumindest nicht aus Maries Sicht aber der Rest lag nun an L9 und den Behörden. Sie konnten die Kreditkartenbuchungen aller Beträge über Fünfhundert Dollar, halbwegs sicherstellen. Fragwürdige Zahlungen oder solche die unter die Regularien der Behörden fielen, wurden auch weiterhin zurückgestellt oder ganz verweigert. Buchungen unter Fünfhundert Dollar waren vorerst nicht möglich, dafür funktionierte das System wieder fast perfekt. Ein Notlösung halt, aber immerhin besser als alle Buchungen auf zwei oder gar drei Wochen hinaus unmöglich zu machen. Und während Maya und Marie langsam ihre Sachen zusammen packten verschwand Hinter den Hochhausschluchten des Big Apples die Sonne mit den letzten Lichtstrahlen und gab den Himmel frei für eine klare, knackig kalte Nacht, hupenden Autos, Nachtschwärmern auf der suche nach einem guten Club. New York halt, die Stadt, die niemals schläft.

VanessaKallon
15-03-16, 01:38
Wheeler Apartments
419 W 34th Street, NY
Black Friday


Am frühen Nachmittag...

Die gewaltigen Blätter tropischer Palmen wogen sich samt im Wind. Strahlend blauer Himmel hinter ihnen. Ein paar sanfte, weiche Wolken die sich im Hintergrund aufmachten, den Himmel vom Meer etwas deutlicher zu trennen. Unter ihren Füßen, ihen Zehen, warmer fast schon staubfeiner Sand. Vor ihr, das Meer. Zu ihrer Linken, ein gut aussehender und gebauter junger Mann. Zu ihrer Rechten, ein kühler, tropischer Drink mit Schirmchen und Stohhalm. Ihr Blick ging weiter hinaus auf das Meer und Richtung Sonne. Die Sonnenbrille die sie trug schütze ihre Augen als sich in die Sonne blickte. Das Haar unter einem breiten und feinen Strohhut war sicher. Sie ging einige Schritte im warmen Sand, mit ihrer begleitung zur einen und dem Dring in der anderen Hand. Ein dünnes seidiges Tuch war um ihre Hüfte gebunden, in orangen und goldigen Farben gehalten. Passend zu ihrem gelben Bikini. Aus der Ferne erklang eine kaum vernehmbare Melodie, die mit jedem Moment immer lauter wurde, bis sie sie erkannte. Der klingelton ihres Smartphones. Mit einem schlag war alles weg. Dreck. Das einzigste was von dem warmen Sand unter ihren Füßen über war, schien nun zwischen Maya Augenliedern zu kleben. Mit einer Mischung aus Wiederwillen und Notwendigkeit öffnete sie schließlich ihren Augen. Sie drehte sich auf die linke Seite zu dem was ihr Nachttisch sein sollte, im Grunde aber nur ein Element eines schmalen und hohen Regals war. Noch halb schlaftrunken tastete sie nach ihrem Smartphone das sie, doch so brutal, aus dem Schlaf und einem sehr schönen Trum gerissen hatte. Mittlerweile wurde aus dem sonst so gern gehörten Klingelton ein unwillkommendes dröhnen und klingeln in ihren Ohren. Sie nahm es in die Hand als sie es schließlich ergreifen konnte und hielt es näher als üblich vor ihr, noch halb im schlaf befindende, Gesicht. Auf dem Display erstrahlte das breite Grinsen eines stadtlichen jungen Mannes in Uniform, groß, kräftig und mit einem edelen und guten Herzen. Han, ihr Bruder. Bisher hatten sie jede Woche mindesten ein mal telefoniert, damit er wußte das es seiner kleinen Schwester, dort drüben in den Staaten auch gut ging. Ansonsten würde er persönlich rüber kommen und den ganzen Laden mal so richtig aufmischen, wie er immer zu sagen pflegte wenn seine kleine Schwester bei ihm war. Leicht enttäuscht und mit einem Seufzer lies sich Maya wieder ins Bett fallen als sie den Anruf schlußendlich doch annahm. „Also wenn Du mir nicht jetzt sagst das die Invasion kurz vor der Tür steht leg ich gleich wieder auf“, knatterte Maya mit hörbar müder Stimme in ihr Gerät. „Wie? Wo? Wo sind diese Schweinehunde? Die mach ich fertig!“, konterte Han gewohnt mit Humor und einem leichten Anflug von Sarkasmus. Was die nächsten Minuten folgte war das übliche, sich jede Woche wiederholende Ritual zweier Familienmitglieder die mehrere tausend Kilometer auseinander ihr Leben führten. Han, bei ihren Eltern und jüngeren Schwestern, sowie seiner eignen kleinen Familie auf Taiwan und Maya, hier in den Staaten. Maya hätte auch die Möglichkeit gehabt zuhause zu studieren, aber mit einer Universität und einer Firma aus den Staaten im Lebenslauf schien es ihr zumindest wesendlich sicherer etwas sinnvolles aus ihrem Leben zu machen. Während sie die gewohnten Worte mit ihrem Bruder, seinen beiden kleinen Söhnen und seiner Frau wechselte, kontrollierte sie ihr E-Mailfach nachdem ihr alter Laptop endlich hochgefahren war, wühlte bereits in ihrer Komode und holte schließlich noch Handtuch, Shirt und Panty heraus. Mit jeder der vergangenen Minuten wurde sie klarer, weniger müde. Es war schon Nachmittag. Beinahe hätte sie auch noch verschlafen, immerhin wollte sie heute Abend mit einigen ihrer Mitbewohnerinnen aus den Wheeler Apartments auf eine Party. Schlußendlich hatte sie ihren Bruder, Han, davon überzeugen können das mit ihr alles in Ordnung war, immerhin hatten sie die letzten Tage viel zu tun gehabt. Kaum hatte sie sich von ihrem Bruder verabschiedet und das Gespräch beendet fuhr ihr bereits der erste gute Gedanke an diesem Tag durch den Kopf, abgesehen vom Sunnyboy aus ihrem Traum. Vielleicht hat Jeff ja schon das Geld für die letzten Tage bewilligt. Was ein dickes Vielleicht mit beinahe unendlich vielen Fragezeichen war. Also lief sie ihren Laptop geöffnet während sie den restlichen Kram zum duschen zusammensuchte und bereits ihr geplanntes Outfit zusammenstellte. Die einfache schwarze Cargohose, ein blaues Top, ein roter Hoody, sowie die rot-blauen Sneakers. Was sie aber mit ihren Haaren anstellen sollte wußte sie allerdings noch nicht, als sie in Badelatschen, Panty und Shirt, und den Duschutensilien den Gang ihrer Etage zum Gemeinschaftswasch- und Duschraum entlang ging.

etwas Später, auf der anderen Seite des Flußes

Marie’s Haus
110 Willow Ave
Hoboken, NJ


Mit grellem Schein erleuchtete die Arbeitslampe über der Nähmaschine den Platz in Maries Arbeits- und Hobbykeller. Weiter hinter ihr im Raum, auf dem Tisch stehend, verglimmt in einem Aschenbecher der Überrest einer Zigarette. Daneben eine halb leere Flasche mit Hochprozentigen, mit einer verdächtig grünlich blauen Färbung, nebst benutztem Glas. Aus den Lautsprechern eines kleinen, flachen Kompaktanlage weiter dahinter, ist franko-algerische Musik zu hören. Unterbrochen von dem immer wieder aufraunenden Rattern der Nähmaschine, an der Marie schon seit ein paar Stunden saß. Anders als Maya, brauchte Marie schon seit Jahren nicht mehr soviel Schlaf. Nicht weil sie nicht wollte, oder es ihr in einen Reflex in Fleisch und Blut übergegangen wäre, sondern weil sie nicht anders konnte. Zumindest an den schlechten Tagen. Und die wurden mit den Jahren nicht weniger, eher mehr. Wie ein Schleier aus Lustlosigkeit, Schuld und Angst legte sich dieser Zustand an manchen Tagen über Marie. Tagen an denen sie sich fragte warum und wieso. Doch was manchmal schlimmer war als diese Tage zu überstehen, waren die darauf folgenden Nächte. Wenn sie schlafen konnte, wachte sie meisten total verschwitzt und schreiend auf, die Namen derer auf den Lippen die sie hinter sich lassen musste. Und derer, die ihr genommen wurden. Père. Mère. Pierre. Natalie. Giselle. Andre.
Weiter ratterte die Nähmaschine, als könne sie mit ihr die Gedanken in ihrem Kopf zum schweigen bringen. Zumindest für ein paar Stunden, oder Tage, wenn sie dieses Glück hatte. Zum Glück aber hatte sie den Job in Jeffs Firma, auch wenn diese an manchen Tagen weder die Bezeichnung Firma, noch ihrere Tätigkeit einer geregelten Arbeit gleich kam. Vielmehr waren sie wie die Feuerwehr. Von einem Brand zum anderen, wenn man nicht irgendwo etwas wässern musste. Jeff sparte in manchen, um nicht zu sagen in fast allen, Bereichen wo er nur konnte. Allerdings zog er zumindest die Kunden der Firma, welche im Grunde auch nicht seine war, nicht über den Tisch.
Jeff Hamsbergh, Director of Operations, SSC Service Solutions - Northeast Office. Immer wenn Marie an die Zeilen auf dem Briefkopf dachte wurde ihr anders. Zumindest damit konnte sie sich gut Ablenken. In irgendeiner Art und Weise war ihr dieser Mann nicht ganz geheuer. Sie vermutete zwar insgeheim das er Gelder der Firma für sich abzweigte, konnte es ihm aber bisher noch nicht nachweisen. Diese Gelegenheit hatte sich bisher noch nicht ergeben. Und auch wenn dieses Bild von ihm, in ihrem Kopf gut dazu geeignet war sich für eine Weile abzulenken, so übernahmen an diesen Tagen ihre Gefühle.
Der Himmel hatte sich gegen Mittag zugezogen. Das helle Blau eines klaren Himmel und die Strahlen der Sonne waren dichten grau weißen Wolken gewichen. Es war knackig kalt und zog weiter an. Es roch förmlich nach den ersten Schneeflocken. Doch noch ließen sie auf sich warten. Schnee wie Zuhause. Schnee, keine staubig ausgetrockneten Flußbetten. Keine sengende Sonne. Keine Nächte in denen man mit dem Messer in der Hand über staubigen Boden kroch, verschwitzt, blutend. Keine exotischen Märkte, die sich von einer auf die andere Sekunde in den Vorhof der Hölle verwandelten. Diese Orte waren nun weit weg, zumindest solange sie nicht schlief. Und wieder war eine Reihe Schlaufen fertig genäht. Und sie nahm die nächste in angriff, bis sie schließlich fertig war, mit diesem Teil. Die gröbste Arbeiten verrichtete sie mit der Maschine, feinere Dinge und einige andere Sachen nähte sie immernoch mit der Hand, wie gelernt. Während Marie sich einem Teil nach dem anderen widmete, hatte die Zigarette weiter hinten im Raum nun endgültig damit aufgehört Rauchsignale von sich zugeben. Weiter am Rande des Tisches lag ihre Armbanduhr. Auf einem Stuhl direkt davor stand ihr gepackter und einsatzbereiter Kommandorucksack. Weiter ratterte die Nähmaschine. Weiter erklang die Musik die sie an Zuhause erinnerte. Nicht nur an das schlechte, überwiegend an das Gute. Die Freundschaften die sie in den letzten Jahrzehnten geknüpft hatte. So wie in den letzten Monaten, mit Maya. Über Eck, dem Nähtisch gegenüber war Maries kleine Elektrobastelecke. Gut ausgestattet mit vielen Bauteilen, Lochplatinen, Feinlötstation und ihrem Laptop. Auf dem, Momente zuvor zwei neue Nachrichten eingingen. Die erste, von Maya. Sie ist unterwegs zu einer Party mit ein paar Mitbewohnerinnen. Die zweite, von der Firma. „Sonder- und Überstundenzahlung wurde dem Mitarbeiterkonto gut geschrieben“ - Als ob es Jeff selbst verfaßt hätte. Marie stopte für einen Moment und blickte an die Kellerdecke. Als wohne dort noch jemand. Mit einem kleinen grinsen im Gesicht, der klar und deutlich Maya geschuldet war, schüttelte Marie den anderen Gedanken wieder aus ihrem Kopf und widmete sich wieder ihrer Nähmaschine zu, die wie Marie schon bessere Tage gesehen hatte, aber auch noch sehr viele weitere Tage erleben würde.

VanessaKallon
21-03-16, 01:34
E 48th Street / UN Plaza, NY
Black Friday : +1 Day


Sanft kam das Taxi zum stehen, Jeff stieg aus und reichte dem Fahrer durch das geöffnete Seitenfenster den schuldigen Betrag, nebst einem nicht gerade unbedeutenden Trinkgeld. Der Fahrer tippte dankend an seine älter wirkende Baskenmütze, schloß das Fenster und fuhr schließlich die achtundvierzigste Straße weiter hinunter, um schlußendlich hinter den Gebäuden, am FDR, zu verschwinden. Ein Stückchen weiter die Straße hinauf an der Einfahrt zur achtundvierzigsten, an der sich auch eine Bank befand, dampfte es aus der Kanalisation. Vereinzelt bogen Fahrzeuge in die Straße, fuhr an ihm vorbei. Er schaute sich um. Hinter ihm, eines der zahlreichen Konsulatsgebäude, leere Blumenkübel, kahle Bäume. In einigen der Konsulatsräume diverser ausländischer Vertretungen brannte noch Licht. Pfleißige Bienchen ihres jeweiligen Landes, Regierungsbeamten die es mit ihren Sekretärinnen trieben, Reinigungskräfte die ihrer Tätigkeit nach gingen, Spione bei der Arbeit. Man konnte sich irgendetwas davon aussuchen, wenn es das nicht war, dann halt etwas anderes. In der Stadt die niemals schläft. Jeffs blick ging nach vorne. Über die Auffahrt zum FDR hinweg, durch die kahlen Bäume und Büsche, auf das Gebäude der Vereinten Nationen. In Anbetracht dessen und der Tatsache das es im Umkreis von einigen Blocks keinen selbigen gab in dem kein Konsulat oder eine anderweitige, permanente diplomatische Niederlassung irgendeines Landes zufinden war, schien die Wahl dieses Treffpunktes doch etwas fragwürdig. Allerdings würde er, wenn überhaupt, auf den Überwachungsbändern eines Landes zu finden sein, das mit den Vereinigten Staaten nicht die sonderlich besten Beziehungen pflegte. Wie beispielsweise Vietnam, dessen Konsulat in dem Gebäude direkt hinter ihm untergebracht war. Sein Blick blieb auf dem etwas weiter weg stehenden Streifenwagen der New Yorker Polizei hängen, der direkt über der Ausfahrt aus dem Tunnel stand, allerdings in Fahrtrichtung siebundvierzigste Straße. Von dort aus, wo er stand konnte er nicht genau erkennen wieviele Beamten sich im Fahrzeug befanden. Aber es war mindestens einer. Trotz der knackigen kälte bildeten sich erste Schweißperlen auf Jeffs Stirn. Er öffnete den oberen Knopf seines Mantels, doch das heiß aufkommende Gefühl des verbrechend ließ sich damit nicht mindern. Einige Minuten vergingen, in denen er immer wieder angestrengt auf seine Armbanduhr schaute, wenn er nicht über die Straße hinauf zu diesem einen Streifenwagen blickte. Dort tat sich etwas. Ein Beamte mit einer Papiertüte und zwei Papbechern , wohl mit Kaffee gefühlt, erreicht das Fahrzeug. Es waren zwei. Dann, ein matt grauer SUV kreuzte seinen Blick und blieb an der Ecke zur achtundvierzigsten Straße stehen. Die hintere Tür auf der Beifahrerseite öffnete sich und eine Frau stieg auf. Keinen Moment nachdem sie die Tür geschloßen hatte, setzte sich das Fahrzeug auch schonwieder in Bewegung, weiter die Erste hinunter. Läßig zog die Frau sich ihren Mantel zurecht. Ihr langes, lockige blondes Haar schien vom schwarz ihres Mantels förmlich verschlungen zu werden. Als sie näher kam und die Straße überquerte sah Jeff sie nun besser. Einen schwarzen oder sehr dunkel grauen Hosenanzug, passend dazu flache Schuhe, wohl eine Weste oder ein Jacket ebenfalls in einem dunklen Farbton, wenn nicht auch in schwarz welches sie unter dem etwas zu kurz geratenem Mantel tragen musste, denn die wenigen möglichen Stellen die einen Blick darunter erlaubt hätten gaben keine andere Farbe preis. Für Jeff unmerklich nickte die Frau einmal kurz und strich sich mit der Hand über ihr Haar, welches ebenso ihr linkes Ohr bedeckte. Ungefähr einen Meter vor Jeff blieb sie stehen. Sie wirkte auf ihn sportlich und deutlich wärmere Temperaturen gewöhnt, aber zu dieser Jahreszeit wäre wohl jeder lieber woanders. Sie schien noch relativ jung in Jeffs Augen, vielleicht ende Zwanzig, anfang Dreißig, maximal. Sie deutete mit ihrer Hand den Gehweg entlang, eindeutig, fast schon bestimmt, so wie man es von einer Polizeibeamtin her kannte. Also setzten sie sich in Bewegung und gingen langsam die Achtundvierzigste entlang, hinunter in Richtung FDR.

„Sie haben die Transaktionsnummer, so wie vereinbart, Mister Hamsbergh?“, fragte sie mit einer doch recht unerwarteten und rauen Stimme. Wohl Kettenraucherin, dachte sich Jeff und nickte. „Gut. Gab es Komplikationen?“, ihre Stimme wurde bestimmter. Jeff mußte schlucken und blieb stehen. Ungefähr einanhalb Schritte später blieb auch die Frau stehen und drehte sich zu Jeff. „Mehr oder weniger“, stammelte Jeff während er sich den Kragen seines Hemdes, unter dem Mantel zurecht zog und versuchte ihn zu lockern. „Inwiefern?“, fragte sie und trat einen Schritt näher an Jeff heran. „Ein Jugendlicher hat eines der kleineren Systeme gehackt. Und mindestens ein noch unbekannter Profi hat alle Systeme gehackt und damit für ein totales Durcheinander gesorgt. Ich musste meine besten Leute daran setzen, damit es überhaupt funktionieren konnte“. Die Miene der Frau wechselte von neutral Ernst zu bitter Ernst. „Ich glaube aber nicht das sie etwas bemerkt haben“, fuhr Jeff fort, dem der Schweiß nun vollend auf der Stirn stand. Die Frau machte den noch gut halben Schritt an Jeff heran und packte ihn mit der linken Hand an der Schulter. Die andere hielt sie fordernd vor ihm auf. „Die Transaktionsdaten, Mister Hamsbergh. Ein zweites mal werde ich nicht danach fragen“. Jeff war überrascht und erschrocken zugleich als er merkte mit welcher Kraft die Frau ihn an der Schulter packte. Offenkundig kein Liebchen und dann dieser Akzent, dachte Jeff während er aus seiner Manteltasche einen Speicherstick holt und in die offne Hand der Frau legte. Sie trug schwarze Lederhandschuhe. Etwas an das Jeff auch hätte denken können, aber für das nächste mal war er nun schlauer. Die Gesichtszüge der Frau wurden wieder entspannter. Zeitgleich ließ sie Jeffs Schulter los, verstaute den Speicherstick in einer Innentasche ihres Mantels und holte einen mittelgroßen beige grauen Umschlag hervor. Nervös und leicht hastig öffnete er den Umschlag. Darin waren eine Bestätigung für die Eröffnung eines neuen Kontos unter falschem Namen, ein Flugticket, sowie Ausweis und sonstige Dokumente, passend zu diesem Namen. Sichtlich ruhiger ließ Jeff den Umschlag im inneren seines Mantels verschwinden. Er musste einige male tief durchatmen ehe er sich wieder halbwegs beruhig hatte. Er hatte ja mitunter schon vieles mitgemacht was keinen ganz so legalen Anstrich hatte, aber dieses hier setzte allem die Krone auf. Leicht ratlos blickte er die Frau an. „Und nun? War’s das?“, fragte er. Sein Gegenüber schaute ihn mit leicht angewiedertem Blick an. „Noch nicht ganz. Wir drehen. Gehen bis zur Ecke, wo sich mich verabschieden werden und sich ein Taxi nehmen werden. Fahren sie direkt nach Hause und warten sie dort bis mein Auftraggeber ihre Daten verifiziert hat“. Jeff war verwundert, das sie alles so nüchtern und offenbar gefühlskalt hinunter betete. Offenbar nicht das erste mal für sie. Aber für Jeff.

Die nächsten Minuten verlaufen für Jeff wie hinter einem Vorhang aus Nebel und Schimmer. An der Ecke der achtundvierzigsten Straße zur ersten Avenue angekommen, wagt er es erst garnicht der Frau zum Abschied auch nur einen angedeuteten Kuss auf dei Wange zu setzten. Stattdessen ein zarkhafter und vorsichtiger Händedruck, das erst beste Taxi was anhiet und Jeff war weg. Sie schaute Jeff noch einige momente lang nach bis auch ihrer Mitfahrgelegenheit anhielt um sie aufzunehmen. Nachdem sie in den matt grauen SUV eingestiegen war und dieser losfuhr, öffnete sie ihreren Mantel, holte den Speicherstick heraus und gab ihn einem jungen Mann, kaum älter als sie selbst. Während der Mann neben ihr den Speichestick kontrollierte, entledigte sie sich ihrer nun entgültig offenkundig unbequemen Bekleidung, begleitet von einigen Flüchen die stark nach holländisch klangen. Begleitet von einigen weiteren weniger nett klingenden Flüchen hatte sie die nun bis auf Slip und einen Sport-BH , der für sie ungewohnt und offenbar wiederwertigen Kleidung entledigt und eine andere Frau, die vorne auf dem Beifahrersitz saß rechte ihr eine Tasche nach hinten, mit anderer Kleidung. Ihr Blick blieb nach Hinten gerichtet und konzentrierte sich auf den Mann der auf seinem Laptop den Speicherstick nun überprüft hatte. Als dieser wortkarg, aber mit erhobenem Daumen ihr signalisierte das alles in ordnung war, richtete sie ihr Augenmerk auf ihre Kameradin. Sie hatte sich gerade in eine dunkle Cargohose gezwängt und ihr offnes lockiges blondes Haar mit einem Gummi in einen Pferdeschwanz gebändigt. „Ui, Süße. Wie schlimm war’s?“, fragte die gleichaltrige Frau, begleitet von einigen netteren Worten, die ebenfalls stark an die holländische Sprache erinnerte. „Dieser Idiot dachte doch wirklich das ich mit ihm ins Bett gehe. Als wenn ich so eine von der Wall Street wäre. Idioot“. Den Fahrer veranlaste diese Aussage zu einem leichten grinsen, fast schon unbemerkt von allem. „Amerikaanse“ kommentierte er das ganze trocken und konzentrierte sich weiterhin darauf den Wagen zu steuern. Seine Beifahrerin konnte sich eines amüsierten grinsens ebenfalls nicht erwehren, während das ständig aufziehende und abfallende Licht der Straßenbeleuchtung ihr ebenholz farbenes Gesicht in einen warmen gelblichen Ton hüllte. Sie wandte sich wieder zur Rückbank, ihrer blonden Kameradin zu und sagte: „Moenie paniekerig raak nie, liewe. Die nag is nog jonk“. Dann zog sie ihren Kopf nahe an ihren, drückte ihre dunkel Himbeer roten Lippen auf ihre blass roten, bis sie sich einige Momente später mit einem leisen Schmatzer wieder trennten. Die nag is nog jonk.

VanessaKallon
30-03-16, 20:37
Midtown Precinct South
357 W 35th Street, NY
Black Friday : +2 Days


„Ma’am, wenn sie Bitte einen Moment noch warten könnten. Danke“, sagte der Beamte hinter dem Tresen zu Marie, während er an einem Ohr mit dem Telefon zu gange war und mit den Händen einen Stapel an Protokollen und Formularen zur Seite schob. Der Beamte war sichtlich gereizt, weniger aufgrund von Maries Behaarlichkeit, sonder wegen dessen was hinter im los war. Statt der üblichen Personalstärke der Schicht, waren deutlich weniger Beamte auf dem Revier, die noch nicht mitgerechnet die zu Fuß oder im Wagen auf Streife waren. Eine Tatsache die Marie schwerlich einzuschätzen wußte, denn seit den Jahren die sich nun in den Staaten lebte, war dieses das erste mal das sie sich mit der Polizei beschäftigen musste. Und warum? Nur wegen Jeff. Sie konnte es nicht glauben das sie sich wegen gerade jemanden wie Jeff so aufregen konnte. Aber bei all den Fehlern die Jeff in Maries Augen hat, es ist immernoch ihr Chef, der Mann der am Ende die Lohnchecks ausstellt. Marie versuchte beim Gedanken an Jeff nicht gleich durch die Decke zu gehen, was ihr sichtlich schwer fiel während sie sich neben die mit Personen gefüllte Sitzgruppe auf der anderen Seite des Flurs stellte. Neben ihr saß ein junger Latino, vermutlich Mexikaner, mit einem kleinen Jungen auf dem Schoß. Der kleine Junge, mit seinem roten Sweatshirt und dem darüber getragenen viel zu großen Trikot der New York Shortbows, wirkte leicht verstört, als hätte ihn etwas oder jemand mehr als heftig erschreckt. Während Marie zu ihm herunter schaute, schaute der Junge zu ihr auf. Sie lächelte, und der Junge lächelte leicht zurück. Dann ging Maries Blick zurück auf den Beamten hinter dem Tresen, immernoch eifrig mit einem Stapel Papier am kämpfen, begleitet von seinem, wie es schien, stätigen Feind an diesem Tage, dem Telefon. Marie sah es in den Gesichtszügen des Mannes, er war diese Art von Stress wohl gewohnt und trotzdem der Aufgabe nahe. Irgendwo weit rechts von ihr öffneten sich die Türen und zwei Beamte, offensichtlich von einem Einsatz zurück, betraten das Revier. Sie gingen zu ihrem Kollegen am Tresen, der gerade soviel zeit fand das Telefon gegen seinen Oberkörper zu drücken damit die Person am anderen Ende der Leitung nicht alles von dem mitbekam was er an diesem Ende sagte. Mit hoffnungsvoller Miene und einem mehr als großem Fragezeichen im Gesicht wandte er sich dem Kollegen zu der gerade seine Mütze absetzte, auf den Tresen legte und sich auf den selbigen aufstützte. „Kommen gerade aus der Notaufnahme. Mitchell wird wieder. Drei Schüße in Arm und Schulter, ein vierter ging durch die Weste und hat ihre Lunge nur knapp verfehlt. Und Anderson. Der liegt noch auf dem OP-Tisch. Seine Weste sah aus wie ein schweizer Käse. Vielleicht ein Dutzend Treffer“, berichtete der Beamte seinem Kollegen, welchem die Sorgenfalten nun deutlich ins Gesicht gemeisselt waren. Für einen Moment senkte er seinen Kopf. Als er ihn wieder hob antwortete er seinem Kollegen : „Das wird eine verdammt lange Woche. Das sind zwei weitere Namen die nicht auf dem Dienstplan stehen. Costas, Fuller und Ramirez haben sich heute Morgen schon krank gemeldet. Vor einer Stunde etwa auch noch Roskovski. Mal schauen wieviele wir noch zum Schichtwechsel sind“. Sein Kollege, der gegen den Tresen lehnte musste, angesichts dieser Nachrichten, ersteinmal tief Luft holen. Sein Partner, der mit ihm das Revier betreten hatte war in der kurzen Zwischenzeit im Gewirr aus Gängen, Räumen und Büros verschwunden nur um kurz darauf wieder aufzutauchen. Über der einen Schulter, zwei vollausgestattete Taktikwesten. Über der anderen, zwei M4 Karabiner. „So. Schluß mit Lustig. Komm, Partner“, sagte er mit deutlich verbitterter Stimme, während er im vorbeigehen seinem Partner mit dem Ellenbogen einen leichten stoß verpasst. Ihr Kollege, hinter dem Tresen, hatte mittlerweile seinen neuen besten Freund zur Seite gelegt. Der Telefonhörer lag irgendwo hinter dem Tresen und nicht auf dem Apparat. In den all den Unmengen von Papier schien er nun das richtige formular gefunden zu haben, zumindest für Marie, denn mit einer winkenden Handbewegung bat er sie an den Tresen heran. Dann drückte er ihr ein Klemmbrett mit dem entsprechenden Formular für vermisste Personen und einen Bleistift in die Hand, und deutete mit einer anderen Handbewegung wieder in Richtung der wartenden Leute. Mit einem leisen und höfflichen „Danke“, nahm Marie das Klemmbrett und den Stift, und stellte sich wieder neben den jungen Mann mit dem kleinen Jungen. Leicht genervt warf Marie ihren Kopf zurück, strich sich die Haare zurecht und konnte im Grunde nicht fassen was sie hier gerade überhaupt machte. Für Maya, immerdoch und auch für Mike. Aber für Jeff? Marie begann ernsthaft an ihrem Verstand zu zweifeln. Einige Momente, und einige gedachte Flüche, später nahm sie das Klemmbrett und den Stiff wieder in die Hände und begann sich das ganze durchzulesen. Hin und wieder mußte sie eine Pause machen und harderte mit sich selbst und der englischen Sprache. Ihr Blick fiel dabei nicht gerade selten auf den kleinen Jungen neben ihr. Fast immer, wenn er zu ihr auf schaute, antwortete sie mit einem warmherzigen und freundlichen Lächeln. Wenn sie eines am aller meisten vermisste, aus ihrem alten Leben, dann war das die gepfegte und zivilizierte Sprache Frankreichs. Nebst der einen oder anderen Delikatese, selbstverständlich. „Ist das hier immer so?“, fragte Marie den jungen Mann mit dem kleinen Jungen neben ihr. Dieser antwortete, nachdem er dem kleinen etwas auf spanisch sagte,“Si. Aber normal sind die weniger loco. Reicht doch schon wenn die halbe Stadt loco is. Irgend so ein Chalado hätte heute Früh beinahe meinen kleinen Bruder hier, über den Haufen gefahren. Diese Locos mit ihren SUVs, und dann noch so eine scheiß Farbe. Grau. echt, wer fährt freiwillig sowas, die müßen doch krank sein im Kopf“. Marie sah zum Jungen herab. „tapferer kleiner Mann“, erwiederte sie, den Jungen anlächelnd. „Si,si“, antwortete sein großer Bruder. Kaum einen Moment später unterbrach der Beamte hinter dem Tresen die Szenerie. „Mister Valeres, den Flur runter, dann rechts, vierte Tür auf der linken Seite. Dort finden sie Sergeant Daniels, sie ist für ihren fall zuständig“, wies er den jungen Mann mit seinem kleinen Bruder auf dem Arm den Weg. Kaum hatte der Mann mit dem kleinen seinen Platz verlassen war diese auch schon von der nächsten Person in beschlag genommmen. Nicht das es woanders auf diesem Planeten anders laufen würde. Erst recht nicht in einer Großstadt, oder gar einer Metropole wie dieser hier. New York ist und bleibt allerdings eine Klasse für sich. „Maudit“, fuhr es Marie zischend über die Lippen, denn in all der Zeit bisher hatte sie nicht mehr als ihre eignen Daten eingetragen.

Name der vermissten Person : Jeff „Arschloch" Hamsbergh...

VanessaKallon
08-04-16, 15:58
Haus von Jeff Hamsbergh
E 24th Street, NY
Black Friday : +3 Days


In dunkler Kleidung stand sie da, im Halbschatten der Laternen vom Gramercy Park, dessen Bäume und Sträucher sich fast vollständig ihrer grünen Zierde endledigt hatten. Alle Sinne geschärft. Auf den richtigen Moment wartend. Eigentlich hatte sie sich ja vorgenommen diese Aktion nicht alleine zu starten. Allerdings sofern sie auch nur ansatzweise richtig lag, in ihrer Vermutung was Jeff anging, so konnte das jeden in Gefahr bringen. Zwei kurze Blicke und sie überquerte die Straße. Immernoch darüber nachdenkend in was ihr Chef verwickelt war. Zügig hatte sie das Haus umrundet und war nun dank der Feuerleiter des Nachbargebäudes auf dem Weg nach oben auf das Dach, um so hoffte Marie von dort aus in Jeffs Haus zu gelangen.
Oben angekommen musste Marie mit Verwunderung zweierlei feststellen. Zum einen war das Dach von Jeffs Haus in eine Art Partyveranda umgebaut worden, mit Blumen und Pflanzenkübeln, Sitzecke, Liegen und Grill. Und zum anderen war es zuhoch um einfach herüber zu springen und sicher zu landen. Einzigst dieses dünne, sehr alt aussehende Fallrohr war eine Möglichkeit sicher auf der anderen Seite herunter zu kommen. Wobei sicher hierbei nur eines war, würde sie fallen, würde das alles andere als gut tuen. Wiedererwartend aber war das Fallrohr stabiler als gedacht und so glitt sie, begleitet von einer kleinen Staub, Ruß und Rostwolke sicher bis auf das Dach hinunter. Von dort an war es ihr ein leichtes, sich mit dem neuen Spielzeug das man ihr mit auf den Weg gegeben hatte, sich bis in Jeffs nicht minder luxoriöse Wohnung vorzuarbeiten. Bevor sie selbige betrat, hatte Marie noch ihre verschmutzten Handschuhe ausgezogen. Zum vorschein kam ein weiteres Paar. Dünner, sauber, antistatische, ohne Profil, ideal zur Spurensuche. Nur für den Fall das Jeff einzelne Speicherchips herumliegen hatte, die die Polizei noch nicht untersucht oder gar übersehen hatte. Aber überhaupt, die Wohnungstür war nicht versiegelt worden. „Schlechtes aber zu erwartendes Zeichen“, dachte sich Marie während sie die Wohnungstür hinter sich langsam und leise ins Schloß zog. Typsich Jeff. Stillos und trotzdem protzig. Männer. Zum Glück sind nicht alle so. Schnell war ihr Kopf wieder klar und alles was sie, scheinbar in einem anderen Leben, gelernt und dutzende male auch hinter feindlichen Linien gemacht hatte war wie auf Knopfdruck da. Wohnbereich, Küche, Bad. Alles leer, keine Spuren die auf einen Kampf oder auf eine zumindest unprofessionelle Durchsuchung gingedeutet hätten. Geschwindten Schrittes und ebenso leise verschwand Marie die Treppe hinauf in die zweite Etage der Wohnung. Schlafzimmer mit Blick auf den Park, sehr hübsch, so garnicht typisch für jemanden wie Jeff. Gästezimmer, ein weiteres Badezimmer und ein praktisch einen einzelnen Raum einnehmender begehbarer Schrank. Nichts, gar nicht. Keine Kampfspuren, keine offenkundigen leeren Plätze, keine Flecken durch irgendeine Art von Flüßigkeit. Allerdings ersparte Marie sich auch das Schwarzlicht. Das wäre, zumindest in Jeffs Schlafzimmer wohl zuviel des guten gewesen. Für wenige Momente verzog sie ihr Gesicht vor ekel. Das einzigste was bisher auffiel war das fehlen von Blumen. Nicht jeder hat einen grünen Daumen, geschweige eine Hand. Ein weiteres Detail fiel Marie auf als sie die Treppe von der oberen Etage wieder herunter kam. Jeffs entsetzliches Aftershave, Marke „Großväterchen’s zweiter Frühling“. Dann, was zum. Maries Sinne waren geschärft wie lange nicht mehr. Durch die Straße vor dem Haus schoßen Lichtstrahlen, begleitet von einem sehr bekanntem Geräusch, dem aufheulen einer Sirene. Ein weiterer Krankenwagen bahnte sich seinen Weg durch die Straßen der Stadt. Eben noch angespannt, wante sich Marie nun wieder voll und ganz ihrem verschwundenem Chef zu. Besser gesagt, seinem Schreibtisch und seinem Rechner. Schnell fuhr Jeffs persönlicher Computer hoch, denn anders als für seine Untergebenen, hatte er für sich privat die beste Technik zur Hand. Kaum war das Feld für den Benutzer-LogIn erschienen, meldete sich auch schon Maries kleiner, oranger Freund zu Worte, den sie in form einer Uhr am Handgelenk trug. Auch eines dieser schicken, neuen Spielzeuge die man ihr im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand gedrückt hatte. „Analysiere System“, meldete die Stimme die auch aus einem guten Hollywoodfilm stammen könnte. „Schade Kleiner, aber als Schwester wärste mir lieber“, war Maries Antwort, welche von einem kleinen Schmunzeln begleitet wurde. „Analyse beendet. Systemzugriff hergestellt“. Ihr kleiner neuer Freund und Helfer war schnell, das musste Marie neidlos zugeben. Gut einfache Passwort und Benutzernamen Felder zu umgehen hätte sie ebensogut hinbekommen, wenn auch nicht in so kurzer Zeit. Der Terminplaner, sowie die häufig genutzte Programme und Dateien waren schnell gefunden, auch ohne ihren kleinen Helfer. Zwei der Termine stachen deutlich hervor. Der erste lag bereits zwei Tage zurück, achtundvierzigste Straße. Der andere war für Heute und Morgen eingekreist, dazu eine Adresse in Brooklyn, an den Docks nahe dem U-Bahntunnel. Zum auch ein Name und eine Abkürzung. Reisiger Dood und C. Marie markierte diese Einträge für ihren kleinen Helfer, welcher mit einem dezent leisen „Daten kopiert“ auch prompt antwortete. Während ihre Finger bereits dabei waren die Ordner mit den meist und auch zuletzt genutzen Daten zu öffnen beschäftigte sich ihr Kopf immernoch mit diesem Namen. Diesem Namen der ihr auf so seltsame Art und Weise vertraut war. Mühelos hätte sie ihren kleinen, orangen Helfer daran setzten können, im Grunde war sie auch schon drauf und dran dieses zu tun, als ihr bei den aktuellen Daten die Augen aufgingen.
Irgendwie hatte es Jeff bewerkstelligt, das während dieses heillosen Durcheinanders auf den geschäftsservern, hunderte, ja sogar, tausende von unbemerkten Überweisungen zu verstecken. Deren Transfernummern waren in sogar in mehreren Dateien untergebracht, offenbar nach Konten geordnet. Teils inländisch und teils im nahen Ausland, sprich dort wo man das Wort „Steuern“ nicht im Kontext mit Geld benutzte. Aber dann, ein Verzeichnis weiter lief es Marie eiskalt den Rücken hinunter. Erschrocken, als hätte sich gerade hinter ihr die gesamte New Yorker Polizei aufgebaut, bereit, sie in einem Gewitter aus Blei verschwinden zulassen. Das erstemal seit langer Zeit zitterten Maries Hände mal nicht als Folge eines schlechten Traumes, sondern als Folge einer schlechten Tatsache. Auf dem Bildschirm von Jeffs Rechner hatten sich die Dateien von drei Mitarbeitern des Unternehmens geöffnet. Von den Personen die Jeff mit dem letzten, aktuellen Auftrag beauftragt hatte. Die starrte auf die vollständigen Personalakten von Mike, Maya und ihre eigene. „Terre maudite!“ Eigentlich hatte sich Marie in letzter Zeit vorgenommen weniger, oder besser garnichtmehr zu fluchen, aber das hier. Sollte Jeff aus der ganzen Sache wiedererwartend doch noch lebendig angetroffen werden können, so schwor sie sich, würde sie ihm zumindest alle Zähne ausschlagen. Wenn nicht sogar mehr als das.
Und da war es wieder, dieses dunkele, unheilvolle Gefühl. Jenes was Marie erfüllte, wann immer sie Abschied von einem Menschen nehmen mußte der ihr etwas bedeutete. Ihr Puls stieg, das Herz nahm Fahrt auf von den ersten Spuren Adrinalin welches in wenigen Momenten ihren kompletten Körper durchströmen würde. Nunmehr hastig markierte sie auch diese Dateien, welche ihr kleiner helfer auch prompt kopiert hatte. Was in den nächsten paar Minuten folgte ware eine Mischung aus Nebel, Furcht und eine Überdosis Adrinalin. Wie sie Jeffs Wohnung verlassen hatte, hatte sie nur unterbewußt wahrgenommen. Noch auf dem Dach zückte sie ihr Smartphone und wählte als erstes Mikes Nummer. Nichts. Nur die Mailbox. Auf dem Weg nach unten versuchte sie es erneut. Wieder nichts, außer der Mailbox. Wieder legte sie auf. Ihr Blick verengte sich, ihr Hals zog sich zusammen, das Atmen fiel ihr schwerer als sie es ein drittes mal versuchte. „Non!“ fluchte sie als sie die Straße zum Park bereits wieder überquert hatte.
Drei oder vier Handbewegungen später wählte das gerät Mayas Nummer. Seit langem standen Marie erstmals wieder Schweisperlen auf der Stirn, während ihre Hände nervös versuchten den Ohrstecker einzusetzten. Was ihr unter normalen Umständen auch problemlos gelang, doch dies waren keine normalen Umstände. Jeff war in irgendwas verwickelt was selbst für die Verhältnisse dieses Schmierfinkens deutlich zu groß war. Und Maries Freunde, welche sie praktisch gerade erst gewonnen hatte. Nein, nicht gewonnen. Deren Vertrauen und deren Freundschaft sie sich verdient hatte, waren in Gefahr. „Komm schon Kleines, geh ran!“ zischte Marie vor sich her, kaum wahrnehmend das sie schon rannte. Ihr Blick war starr nach vorne gerichtet, kaum noch etwas wahrnehmend, als blicke sie direkt in eine nahe unheilvolle Zukunft, die mit jedem Schritt, mit jedem Schlag ihres Herzens, näher kam. Sie überholte. Und mit einer leeren schwarzen Fratze alles verschlang. Jede Sekunde, jedes Freizeichen wurde zur Tortur. Schlimmer als ausgerissene Zehen oder Fingernägel. Lähmender als der Strom eines Elektroschockers. Unangenehmer als eine Serie von tritten in die Magengrube. Doch mit einem Schlag war alles klar. Das Freizeichen verschwand und Mayas typsich lieblich und freche Stimme erklang.
„Sorry Leute, aber ihr wisst ja wie das läuft. Also, Nachricht nach dem Affen“, war ihr Mailbox zu hören.

„Merde!“