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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Geschichte eines Untergangs - Das Erbe des Drachen



D4ene
28-02-13, 17:41
Eine Geschichte von Safirel 25.10.2010:

Einleitung:
Hallo liebe Community,

nachdem wir, das Bündnis Amber, uns aus der Welt das Erbe des Drachen verabschiedet haben (Die Gründe sind dabei irrelevant und werden zu genüge in den f2p / Abo Beiträgen behandelt), möchte ich hier eine kleine Geschichte reinstellen, wie die letzten Spieltage abgelaufen sind.
Die Geschichte beruht dabei auf wahren Ereignissen innerhalb der Welt. Einzig die Zeit habe ich aus erzähltechnischen Gründen gedehnt. (Es waren eigentlich nur ca 5 Spieltage)

Über feedback, negatives und wenn es sein muss auch positives ;) , würde ich mich sehr freuen.

Safirel

PS: Wer Namen zu den nicht namentlich genannten Personen innerhalb der Geschichte nennt kommt an den Galgen .. oder doch nur an den Pranger? (nicht, dass das hier als Morddrohung aufgefasst wird und gegen Forenregeln verstößt)


Die Geschichte eines Untergangs

In einem kleinen Zimmer am äußeren Rand der Burg saß die Königin mit ihren drei Baumeistern an einem runden Tisch und besprach mit ihnen die nächsten Bauvorhaben. Da klopfte es an der Tür und einer ihrer Leibwachen, ein anmutiger Engel, trat ein. Er verbeugte sich leicht, woraufhin sie ihm zunickte und damit zu sprechen gebot. "Meine Königin. Ein Bote ist vor der Stadt gesichtet worden und erbittet Audienz bei euch." Sie blickte leicht überrascht auf. *Ein Bote? Ich habe nichts dergleichen erwartet. Wer er wohl ist? und was er will?* "Ich werde ihn empfangen.", sprach sie. Der Engel nickte und verschwand wieder. Sie lächelte entschuldigend: "Meine Herren. Wir werden das hier wohl verschieben müssen:“ "Wie ihr wünscht, meine Königin.", nuschelte der Älteste unter den dreien. Die Baumeister verneigten sich und zogen sich dann zurück.
Die Königin trat auf den Flur und schritt Richtung Thronsaal. Der Engel, der die Botschaft von dem Boten überbracht hatte, trat an ihre Seite.
"Was könnt ihr mir zu diesem Boten sagen?", fragte sie.
"Leider nicht viel. Er trug das Zeichen eines Herrschers aus der näheren Umgebung. Einen Soldaten auf rotem Grund. Was er genau zu sagen hat wollte er nicht preis geben."
"Dann lassen wir uns Überraschen."
Sie betraten den Thronsaal. Er war nicht übertrieben groß, vielleicht 5 Meter breit und 10 Meter lang, aber durchaus prächtig. Durch die Fenster auf der linken Seite wurde der gesamte Raum mit Licht durchflutet. Ein roter Teppich führt vom Eingang zu einem Thron aus Stein. Die Armlehne war verziert mit dem Abbild eines Engels, je einer an der
Vorderseite mit Blick auf die Tür, und einem Drachen, der sich über die Rückenlehne schlängelt. Die Sitzfläche wurde durch ein dunkelrotes Samtkissen gepolstert. Sie setzte sich und wartete bis ein Soldat eintrat und den Boten ankündigte.
Der Bote trat ein und kniete kurz nieder. Als er sich wieder erhob begann er sofort zu sprechen: "Ich bringe euch Kunde von meinem Herrn. Er bietet euch an sich seiner mächtigen Allianz anzuschließen. Dazu bietet er euren stärksten Anführern einen Beitritt an, um so gemeinsam für den Schutz in dieser Region zu sorgen. Selbstverständlich wird auch ein Nicht-Angriffs-Pakt mit dem Rest eures dann ehemaligen Bündnis angeboten, damit auch deren Schutz gewährt ist. Hier in diesem Pergament ist alles nochmal genau aufgeführt." Er gab das Pergament einem Soldaten neben sich, der es an die Königin weiter reichte.
"Seid bedankt. Ich werde darüber nachdenken. Ihr könnt gehen", erwiderte sie.
Der Bote verneigte sich und verließ den Raum.
"Was haltet ihr davon, meine Königin?", fragte der Engel an ihrer Seite.
"Um ehrlich zu sein, nicht viel. Er verlangt, dass wir unser Bündnis für seines aufgeben. Und dabei werden einige aus unserem Bündnis zurück bleiben. Ich werde mich mit Lucean beraten." Sie wandte sich zu einem Dienstboten "Lasst die Pferde satteln, wir brechen unverzüglich auf."
Als sie die Tore von Westgate erreichten schickte sie einen Boten voraus, um sich bei ihrem Freund anzukündigen.
Nachdem sie herzlichst von Lucean empfangen wurde saßen die beiden im Garten des Palastes und unterhielten sich über die Einladung die sie erhalten hatte.
"Ihr habt auch so eine Einladung erhalten?", fragte Lucean.
"Ja. Vor kurzem kam ein Bote und überbrachte mir diese Nachricht" Sie reichte ihm ein Stück Pergament.
"Das ist genau das gleiche schreiben, das auch ich erhielt.", erwiderte Lucean.
"Sowas hatte der Bote angedeutet" Sie seufzte. "Wer wohl noch alles diese Nachricht bekommen hat?"
"Wir sollten uns mit den anderen beraten. Ich schicke sofort Boten zu ihnen. Wir werden derweil zu unserem Bündnistreffpunkt reisen und sie dort erwarten.", bemerkte Lucean.

So reisten die beiden weiter um sich mit den anderen des Bündnisses zu treffen. Am Treffpunkt angekommen wurden sie schon von zwei Zauberern erwartet. Nach und nach trafen auch die anderen ein und als sie vollzählig waren ergriff Lucean das Wort: "Ihr habt wohl alle schon von der Nachricht gehört die einige von uns bekommen haben. Darin wird den Empfängern des Schreibens ein Beitritt in das Bündnis Junta angeboten. Alle übrigen sollen zurück bleiben und man will einen Nicht-Angriffs-Pakt unterzeichnen" Zustimmendes nicken war zu erkennen. "Und was denkt ihr sollten wir diesbezüglich antworten?"
"Ablehnen.", rief eine junge Magierin. Wieder gab es von allen zustimmendes nicken. "Unser Bündnis ist keine Gefahr für ihn, das sollte ihm doch auch klar sein.", sprach ein Magier. "Und wir wollen uns doch nicht in irgendeine graue Suppe einfügen lassen, nur weil es ihm so passen würde?! Ich mag unser Bündnis so wie es ist.", fügte die junge Magierin hinzu.
"Das ist recht eindeutig. Hat irgendjemand Einwände gegen diese Entscheidung", fragte Lucean. Alle schwiegen. "Dann werde ich diese Entscheidung überbringen lassen.", sprach ein Magier in edler Robe, das Oberhaupt des Bündnisses.
Daraufhin kehrten sie alle zurück in ihre Reiche zurück und glaubten die Sache sei damit erledigt. Aber sie sollten sich geirrt haben.

Nicht viele Tage waren seit dem Treffen vergangen, als die Königin erneut Kunde von einem Boten bekam. Als dieser den Thronsaal betrat kniete er kurz nieder und überreichte dann dem Soldaten neben ihm eine Schriftrolle. Dieser machte einige Schritte nach vorne, verneigte sich und reichte die Schriftrolle an seine Königin weiter.
Sie rollte die Schriftrolle auf und begann zu lesen, aber schon nach dem ersten Absatz ließ sie die Schriftrolle neben sich auf das Kissen sinken.
"Habt ihr dem Schreiben irgendetwas anzufügen, Bote?"
Dieser schüttelte den Kopf.
"Dann dürft ihr gehen."
Der Bote entfernte sich und mit ihm die Soldaten die ihn begleitet hatten. Als die Königin mit ihrem Leibwächter alleine war blickte sie ihn an und versuchte etwas zu sagen. Aber es kamen keine Worte aus ihrem Mund. Sie hob die Schriftrolle an "Darin ... ", begann sie, "das .... das ist eine Kriegserklärung! wenn wir nicht das tun was er will .." Sie blickt zweifelnd auf das Pergament hinab. "Wenn nicht gar schlimmeres! Lest nur den ersten Satz." Sie reichte die Schriftrolle an den Engel und dieser begann laut zu lesen: "ehrenwerte Lords, des bald ehemaligen, 'Amber' Bündnisses." Er blickte sie schockiert an. Sie nickte knapp. "Genau. Wenn nicht sogar die Androhung der vollständigen Auslöschung, wenn wir nicht in seinen Plan hinein passen. Unsere junge Magierin hatte wohl Recht.", sie musste schmunzel, "Er will uns in seine 'graue Suppe' einfügen. Aber ihm ist dabei anscheinend egal ob lebendig oder tot."


Wenige Tage waren vergangen. Die Königin stand auf der Zinne des Burgfrieds und betrachtete die Stadt, als ihr Leibwächter auf sie zu trat. Sie nickte ihm zu und er begann zu sprechen: "Meine Königin. Uns wurde berichtet, dass einige unserer Nachbarn auf unsere Städte zumarschieren. Es scheint als wollte man auf die Drohungen Taten folgen lassen."
"Das ist doch lächerlich. Wir sind weder eine Gefahr für ihn, noch haben wir irgendwelche Aggression gezeigt. Was soll bloß diese Reaktion? Alles nur damit die Welt sich nach seinem Willen bewegt?" Sie seufzt. "Macht die Truppen marschbereit. Ich will das sie sofort zur Verteidigung ausrücken können sollte es nötig sein."
"Jawohl, meine Königin."
Die darauf folgenden Tage waren geprägt von Scharmützeln und kleineren Kämpfen. Die meisten Angriffe konnten zurückgeschlagen werden. Nur vereinzelte Plünderungen waren nicht zu verhindern.
Tags darauf stand wieder ein Bote vor dem Tor und erbat eine Audienz.
Er wurde zum Thronsaal geleitet, wo ihn die Königin auf ihrem Thron sitzend empfing.
"Was habt ihr mir zu sagen?", fragte die Königin so freundlich wie es ihr unter diesen Umständen möglich war.
"Mein Herr lässt euch diese Nachricht zukommen. Darin bittet er euch einzulenken und dem genannten Bündnis beizutreten."
Das ist ein anderes Bündnis als noch im letzten Angebot dachte sie. Und als sie den Boten genauer betrachtete fiel ihr auf, das er unter dem Abzeichen mit dem Soldaten auf rotem Grund auch ein anderes Bündnisabzeichen trug. *Er hat also schon wieder das Banner gewechselt unter dem er dienen will .. oder vieleicht doch eher das ihm dienen soll, seine Ziele zu erreichen? ... Aber immerhin hat er es geschafft einige Nachbarn gegen unser Bündnis aufzustacheln. .. Pahh. Die wollen doch wahrscheinlich nur ihren eigenen Reichtum an dem unseren nähren!*
"Hier habe ich einen Brief in dem er alles ausführlich erklärt." Der Brief wurde zur Königin weiter gereicht.
"Habt Dank. Ich werde mich wieder beraten müssen und er wird eine Antwort von uns bekommen. Ihr dürft gehen."
Als er fort war begann sie den Brief genau zu lesen. Darin untermauerte der Verfasser noch einmal wie wichtig es sei einzulenken und sich seinem Bündnis zu fügen, wie es schon der ein oder andere getan hat. Er erklärt warum ihm ein Nicht-Angriffs-Pakt nicht ausreichend ist.
"Diese Ängste, wir könnten uns mit einem seiner Feinde einen Nicht Angriffs Pakt schließen und ihm so schnelles Geleit durch unser Gebiet direkt vor seine Städte zu liefern.", sie schüttelte den Kopf, "Das könnte ihm genauso mit seinen anderen Anhänger Bündnissen passieren. Aber bei uns fürchtet er wohl keine direkte Kontrolle zu haben .... und das fürchtet er so sehr?"
Sie las weiter, "Ha! Er hat Angst davor, dass jemand von uns sich in eine andere Allianz abwerben lässt und er dadurch Feinde direkt vor seinen Städten hat?! .. Wie paranoid ist dieser Kerl ?! Ist ihm unsere Treue zueinander, selbst in diesen grausamen und dunklen Tagen, nicht Beweis genug, dass das sicher nicht geschehen wird?"
Die weiteren Worte enthielten eine Begründung für den Wechsel seines Bündniswappen und Beteuerungen, dass er diesen Krieg nicht wollte. Abschließend erneuerte er nochmal sein 'Bündnis-Angebot', sogar mit einem 'Goldgeschenk'. Sie legte den Brief bei Seite und gebot einem Dienstboten die Pferde zu satteln. Damit ritt sie zum Bündnistreffpunkt.
Die meisten waren schon dort als sie ankam. Nachdem auch die anderen eingetroffen waren ergriff wieder Lucean das Wort. "Ich denke wir können das kurz machen. Wir werden dieses 'Angebot' nicht annehmen. Oder sieht das irgendwer anders?"
"Nein. und sein Blutgold wollen wir auch nicht.", stimmte die junge Magierin zu. Ein junger Menschenfürst fügte noch hinzu: "Dieses Bündnis besteht doch nicht aus Jux und Dollerei! Was denkt sich dieser Kerl eigentlich. Ich sage euch: Gemeinsam geben wir Gas, Gemeinsam beißen wir ins Gras." Lucean nickte.
"Ich hab schon mal etwas vorbereitet", sprach Jedron und begann das von ihm verfasste Antwortschreiben vorzulesen. Als er endete nickten alle anerkennend. "Da habt ihr passende Worte gefunden.", sagte Lucean: "Das könnten wir so an ihn übermitteln." "Nun, .. das habe ich schon", antwortete Jedron.
*Untote! .. Wie kann man von so etwas auch Intelligenz erwarten. In deren Köpfen ist doch Garnichts mehr drin. Da stimmt es wohl, das der Meister seinen Dienern immer ähnlicher wird.* Sie schüttelte den Kopf *Untote .... selbst Dämonen! .. mit ihnen sitze ich hier an einem Tisch und rede über unsere Vernichtung durch einen Menschen und sein Gefolge! Was ist bloß aus der Welt geworden? Wie weit einen fehlgeleiteter Ehrgeiz doch vom wahren Weg abbringen kann. ... Und wie weit einen Verzweiflung vom Weg abbringen kann.. Dämonen!. .. Dämonen! .. Das ich mit ihnen paktiere. .. Aber . das muss ich zugeben .. sie haben sich bis jetzt als treue Bündnispartner erwiesen. ... Das ist doch lächerlich .. so etwas wie treue gibt es bei denen doch gar nicht! Oder doch? Immerhin haben sie eingewilligt mit uns gemeinsam dem Ende entgegen zu gehen* Sie schüttelte wieder den Kopf *Das ist doch alles verrückt*
Als sie aus den Gedanken zurückkehrte war nur noch Lucean da.
"Alles in Ordnung", fragte er.
"Ja, es geht mir gut."
"Ich werde nun aufbrechen, soll ich euch ein Stück begleiten?"
"Nein nein ... reist ruhig nach Hause. Ich komme zu Recht."
"Seid ihr sicher?"
Sie nickte. "Macht euch keine Sorgen."
Nachdem sie ihm einige Zeit nachgesehen hatte begann sie mit den Vorbereitungen für ihre eigene Rückkehr und ritt zurück nach Hause.

Nachdem einige dem Locken des Goldes und des Schutzes erlegen waren und in das Bündnis des Feindes wechselten wurden die Plünderungen deutlich vermehrt und zu einem lästigen Ärgernis.
Sie blickte durch ein Fenster im Thronsaal auf die Stadt hinab und seufzte. *Ist es ihnen zu verübeln, das sie das Bündnis verlassen haben? Ist es falsch seine Überzeugung zum Schutze der Bevölkerung aufzugeben? ... Ist es falsch für seine Überzeugung in den sicheren Tod zu gehen!?*
Sie schüttelte heftig den Kopf um sich von diesen Gedanken zu befreien. *Nein, ich habe jedem freigestellt zu gehen. so wie wir es auch in unserem Bündnis getan haben.*
Plötzlich klopfte es an der Tür und der Engel trat ein und verneigte sich. "Was gibt es?", fragte sie. "Meine Königin. in Ilhiuma wurde eine Anführerin gefangen genommen, als sie versuchte mit nur wenigen Truppen einen Belagerungsring zu errichten"
"Bringt sie zu mir.", befahl sie. Der Engel nickte und entfernte sich sofort wieder.
*Was soll das nun? Die letzten Tage gab es schon einige Berichte das nur kleine Truppen Belagerungen errichteten und sich sofort wieder zurückzogen, sobald unsere Truppen sich nähern. Was hat er vor?*
Wenig später trat der Engel in Begleitung zweier Wachen und einer jungen Frau in Ketten wieder ein. Die Frau wurde in die Mitte des Raumes gebracht und dort auf die Knie gezwungen. Dann verkettete eine der Wachen die Handfessel, die hinter dem Rücken waren, mit den Fußfesseln. Die beiden Wachen traten zurück und bezogen neben der Tür Stellung. Nur der Engel blieb an der Seite seiner Königin, die etwa zwei Schritt von der Gefangenen vor dem Thron stand.
Die Königin betrachtete die junge Frau genau. Sie wirkte sehr kräftig und robust. *Sie muss wohl eine Kämpferin sein. Wie viele Schlachten sie wohl hinter sich hat?*
"Wie heißt ihr?", fragte die Königin.
Die Kämpferin antwortete nicht.
"Wieso habt ihr mit so wenigen Truppen versucht die Stadt zu belagern?"
Die Kämpferin spuckte ihr vor die Füße.
*Ja, sie ist definitiv eine Kämpferin.. Gladiatorin oder so etwas. Diese Manieren sind ein eindeutiger Hinweis.* Die Königin schmunzelte innerlich, verzog nach außen aber keine Mine.
"Gibt es irgendetwas das ihr mir sagen wollt?"
"Nein!", fauchte die Kämpferin.
"Oh. Immerhin könnt ihr tatsächlich sprechen. Ich hatte schon Angst man würde euch das dort wo ihr her kommt nicht lehren."
Die Kämpferin versuchte auf die Füße zu kommen und der Königin entgegen zu springen. Aber durch den Ruck, den die verbundenen Fesseln verursachten, verlor die Frau das Gleichgewicht und landete der Länge nach auf dem Boden. Die Königin trat an sie heran und richtete sie, etwas unsanft, wieder auf. Bevor die Frau auch nur einen weiteren Angriffsversuch unternehmen konnte war die Königin an ihren vorherigen Platz zurück gekehrt
"Warum habt ihr so einen Hass gegen mich?"
Wieder schwieg die Kämpferin.
"Wie ihr wollt." Sie wandte sich den beiden wartenden Wachen zu. "Bringt sie in die Burg bei Ilhiuma zurück. Aber behandelt sie gut. Gebt ihr genug zu essen und zu trinken." Die beiden Wachen nickten und verlängerten das Verbindungsstück der beiden Fesseln, damit die Kämpferin aufrecht gehen konnte.
"Und wehe mir kommt zu Ohren, dass ihr etwas unsittliches angetan wurde!", zischte die Königin der einen Wache noch zu.
Die Augen der Kämpferin flackerten und ihr ganzer Körper zuckte kurz. Dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle und die ausdruckslose Mine wie zuvor.
*Ich hoffe das war ihnen Warnung genug. Wie konnte man auch vergessen hier ein geeignetes Gefängnis für Kriegsgefangene zu errichten? .. Na gut, wer dachte damals auch schon an Krieg?*
Die beiden Wachen entfernten sich mit der Gefangenen und nur die Königin und der Engel blieben zurück.
"Soll ich einen Boten zu Verhandlungen ausschicken, meine Königin?", fragte der Engel zögerlich.
"Nein. Was sollten wir jetzt noch von ihm verlangen? .. auf das er sich auch noch einlassen würde? Ihm geht es doch nur um sich. Und seinen Willen durchzusetzen. Glaubt ihr er lässt sich dann von so etwas beeindrucken?"
"Da habt ihr wahrscheinlich recht, meine Königin."
"Mit genug essen und trinken wird sie bei Kräften bleiben, bis er sie aus den Ruinen unseres Reiches befreien kann. Oder mit uns vernichtet hat ... "
"Ihr glaubt... "
"Ich bin mir sicher, dass wir nicht mehr lange Widerstand leisten können. Und dann werde ich mein Ende empfangen, wenn dies mein Schicksal sein soll.", unterbrach sie ihn.


Einige Tage später zieht vor den Toren von Lhianul eine große Armee auf und belagert die Stadt. Nach einigen weiteren Tagen verbreitet sich die Botschaft von einer anrückenden Armee und Hoffnung macht sich breit, dass die Belagerer schon bald zurückgeschlagen werden.
Aber auch im Lager der Belagerer muss sich diese Nachricht verbreitet haben. Denn kurz bevor die Armee eintrifft zieht sich die Belagerungsarmee zurück.
Alle Bewohner der Stadt versammeln sich vor dem Stadttor um ihre Befreier zu bejubeln. Doch was sie dann sahen lies die gesamte Menschenmenge augenblicklich verstummen.
Die Königin stand oben auf der Stadtmauer über dem Tor und richtet ihren Blick in die ferne als Schweigen ausbrach.
"Was? ... Was ist das?!", fragte einer der Engel neben ihr.
Die Königin fing laut an zu lachen und auch unter ihr fingen einige Leute an zu lachen. Als dann auch der letzte erkannt hatte was für eine 'Armee' sie gerettet hatte war die ganze Stadt am lachen.
Die Königin ging hinunter zum Stadttor und empfing den General. Dieser kniete vor ihr nieder, ebenso wie seine Mannen.
Sie hob die eine Hand um das Volk zur Ruhe zu bringen.
"Erhebt euch. Und erklärt mir wie ihr mit dieser Hand voll Bauern diese große Armee vertreiben konntet?"
"Nun, meine Königin. Da sich die Truppen bis jetzt von jeder Belagerung zurückgezogen hatten, dachte ich, wenden wir eine List an. Und zwar jene List die sie auch selbst verwendet haben, um mit kleinen Truppen große Belagerungen vorzutäuschen. Und wie ihr seht. Sie haben uns für eine mächtige Armee gehalten und sind auf dem Rückzug, direkt in einen Hinterhalt von Lucean´s Truppen.", erzählte er grinsend.

Während sich diese Truppe also auf dem Rückzug befand griff eine weitere Armee Ilhiuma an. Diese Belagerung konnte unter hohen Verlusten auf beiden Seiten durchbrochen werden. Als die Königin den Tag darauf dort hin reiste um sich ein Bild von dem ganzen zu machen bot sich ihr ein Bild des Grauens. Der Fluss und die Felder vor der Stadt waren in Blut getränkt und mit Leichen übersät. Und in Zelten vor der Stadt wurden Dutzende Verletzte behandelt. Ein Mensch, der General dieser Armee, erblickte sie, trat vor sie und kniete nieder.
"Erhebt euch General. Erzählt mir was hier vorgefallen ist."
Er blieb knien, den Kopf gesenkt, der Blick Richtung Boden.
"Meine Königin. Ich übernehme die volle Verantwortung für dieses Massaker. Ich habe eine Fehlentscheidung getroffen und dadurch viele Soldaten in den sicheren Tod geschickt. Bestraft mich für diese Schandtat.", antwortete der General.
"Erhebt euch", erwiderte sie energisch, "Hier wird niemand für irgendetwas bestraft. Einzig ich alleine müsste dafür bestraft werden. Denn es war meine Anweisung."
Er erhob sich langsam, der Blick blieb aber gesenkt.
"Außerdem muss ich euch mitteilen, dass die Gefangene entkommen konnte"
"Auch das ist nicht eure Schuld. Macht euch darum keine Sorgen. erstattet mir lieber Bericht über den Zustand der Truppen und die Verletzen."
"Es sieht gar nicht gut aus. Die Armee ist sehr stark dezimiert und es sind noch sehr viele mit lebensbedrohlichen Verletzungen unter den Verwundeten."
Die Königin nickt. "Sonst noch etwas?"
"Nein, meine Königin."
"Dann dürft ihr zu euren Truppen zurück kehren."
Der General verbeugte sich und zog sich in ein Zelt mit Verwundeten zurück.
Die Königin lies den Blick noch einmal über das Schlachtfeld gleiten ehe sie nachdenklich in die Stadt ritt.


Nachdem sie, spät am nächsten Tag, nach Lhianul zurück gekehrt war zog sie sich in ihr Arbeitszimmer zurück. *Er hat heute keine größeren Attacken unternommen. Entweder ist das die Ruhe vor dem Sturm, oder er ist tatsächlich Kriegsmüde. Was auch immer es ist, ich werde einen Brief aufsetzen. Denn ich habe ihm nie direkt geantwortet .. ich sollte diese meine eigene Engstirnigkeit und Dummheit überwinden. Wie kann ich sonst erwarten, dass er dies tut?*
Das Arbeitszimmer war ein sehr kleiner Raum mit nur einem Fenster, zwei Tische und einem Stuhl. Auf dem größeren Tisch standen ein Federkelch samt Feder, sowie eine Kerze. Sie setzte sich an den Tisch, nahm ein Blatt Pergament von dem kleinen Stapel, der auf dem kleineren Tisch lag, und begann zu schreiben.
Als sie endete betrachtete sie ihr Werk. *Es ist doch etwas mehr geworden, als ich dachte. Nun gut, lassen wir uns überraschen was er darauf antworten wird. Ob er antworten wird .. oder mich mit meiner eigenen Ignoranz straft.* Sie seufzte, rollte das Pergament zusammen und rief nach einem Boten.
Es klopfte an der Tür und nachdem sie ihm erlaubt hatte einzutreten erschien ein Bote. Er verneigte sich.
"Bring dies unverzüglich in die Stadt unseres Feindes."
"Wie ihr wünscht, meine Königin.", erwiderte der Bote und verschwand.
*Ich habe mich nicht mit den anderen beraten. Ob es nun klug war ihm zu schreiben. Wird er glauben ich zeige Schwäche? Nein, ich denke ich habe klargemacht das dieser Brief kein Zeichen der Schwäche ist.*
Sie nahm die Kerze vom Tisch und zog sich in ihr Schlafgemach zurück.

Am nächsten Morgen erwachte sie noch vor Sonnenaufgang. Sie erhob sich aus ihrem Bett und ging zu einem Fenster. Am Horizont war ein rot, gelbes Schimmern zu sehen, es würde nicht mehr lange dauern, bis die Sonne auf geht. Ein leises, zaghaftes Klopfen ließ sie aus ihren Gedanken aufschrecken. Sie ging zur Tür und öffnete sie. Auf der anderen Seite stand ihre junge Zofe, die sich vor ihr verneigte.
Sie lächelte sie an. „Guten Morgen, komm herein.“
„Guten Morgen, meine Königin“, erwiderte die Zofe, „ich habe eure Kleider schon herausgesucht und zurecht gelegt. Und wollte jetzt nur nachschauen, ob ihr schon wach seid.“
Die Königin entzündete eine Kerze, die auf einem Tisch zwischen dem Bett und dem Fenster stand. „Vielen Dank. Aber ich werde heute etwas anderes brauchen.“
Die Zofe blickte sie verwundert an: „Etwas anderes? Was meint ihr?“
„Meine Rüstung und meine Waffen.“
Man konnte der Zofe die Überraschung deutlich ansehen. „Eure Rüstung? Ihr wollt mit der Armee reiten? Wieso?“ Bei dem letzten Wort errötete sie und presste sich rasch eine Hand vor den Mund. „Wie ihr wünscht, meine Königin.“
Der Königin entfuhr ein kurzes, heiteres lachen. „Du brauchst dir den Mund nicht selbst verbieten. Deine Frage ist wohl gerechtfertigt. Und ich nehme sie dir auch keinesfalls übel.“ Sie schenkte ihr ein freundliches Lächeln. „Die Erklärung dafür ist recht einfach. Wir sind zu wenige und da ist jeder der kämpfen kann eine Hilfe. Also werde auch ich meinen Teil dazu beitragen. Außerdem wollen wir versuchen den Plünderungen um Elynea etwas Einhalt zu gebieten.“
„Ich verstehe, aber solltet ihr deswegen wirklich selbst kämpfen?“, fragte die Zofe.
„Sollte ich etwa nicht? Ich habe durch meine Entscheidung meinem Volk dies aufgezwungen. Also werde ich auch selbst zur Waffe greifen, um für meine Überzeugung und mein Volk zu kämpfen.“
Die Zofe schüttelte mit dem Kopf. „Ihr habt niemandem etwas aufgezwungen. Das Volk steht hinter euch und eurer Entscheidung. Das wisst ihr.“
„Ja, das weiß ich … oder hoffe es zu wissen.“ Die Königin seufzte. „Oder bezweifelst du, dass ich noch kämpfen kann?! Das ich zu langsam geworden bin?!“ Sie machte einen schnellen Schritt auf die Zofe zu. Diese wich erschrocken zurück, wobei sie über ihr Kleid stolperte und rücklings auf das Bett fiel.
„Nein. Keinesfalls zweifel ich daran, meine Königin.“, sagte die Zofe zaghaft. Die Königin reichte ihr eine Hand und half ihr wieder auf die Beine.
„Gut, dann hätten wir das geklärt. Geh nun und bereitet meine Rüstung vor.“ Sie schenkte der Zofe noch ein Lächeln, während diese sich verneigte und aus dem Zimmer verschwand.
*Ich werde diesen Kampf niemals aufgeben, auch wenn ich mir jeden Tag klarer darüber bin wie es enden wird. Aber weiß ich, dass mein Volk das genauso sieht?
Die Armee kämpft immer noch. Das stimmt. Und selbst der Rest des Volkes, der nicht kämpfen kann, versucht auf seine Art etwas beizutragen.
Sie hat wohl Recht.
Das ganze Volk steht hinter dieser Entscheidung. Hinter diesem Kampf für unsere Freiheit.
Und es wird mit mir unter gehen … * Sie seufzte. *Ich bin spät dran. Es ist schon hell, ich sollte mich beeilen.*
Daraufhin betrat sie die Vorkammer und sah, dass ihre Zofe schon alles erledigt hatte. Die Zofe half ihr beim Ankleiden und reichte ihr als letztes ihr Schwert und ihren Bogen.
Sie ging hinunter zu den Ställen um ihr Pferd zu holen und sich den Truppen anzuschließen, die nach Elynea aufgebrochen waren.


Die ersten Tage in Elynea waren relativ ruhig und es konnten einige Gruppen von Plünderern zerschlagen werden. Dann jedoch kam eine Nachricht, dass sich eine Armee auf die Stadt zu bewegte, deren Flaggen Zeichen des Soldaten auf rotem Grund trugen.
Die Königin stand mit einigen Paladinen um einen Tisch, auf dem eine Karte der Stadt und ihrer Umgebung lag, als ein Kundschafter vor dem Tisch niederkniete.
„Erhebt euch. Was habt ihr zu berichten?“
Der Kundschafter erhob sich und sprach: „Meine Königin, es sind sehr wenige, die auf uns zu marschieren. Es scheint fast so, als ob dies wieder ein Täuschungsversuch werden soll.“
„Dann werden sie dieses Mal eine Überraschung erleben. Habt dank Kundschafter, ihr dürft euch entfernen.“
Nachdem sich der Kundschafter erhoben und entfernt hatte begann die Königin zu ihren Beratern zu sprechen: „Verteilt die Truppen hier … hier . und hier. Befiehlt ihnen sich zu verstecken und für einen Überraschungsangriff bereit zu halten.“, wobei sie mit dem Finger auf Stellen auf der Karte deutete. „Ich übernehme den letzten Punkt, hier.“
Die Männer um sie herum nickten und sprachen fast synchron: „Wie ihr befiehlt, meine Königin.“ Darauf verschwanden sie zu ihren Truppenteilen und bereiteten den Hinterhalt vor.
Die Königin bezog mit einem Teil der Truppe Stellung in der vierten Position und wartete auf den nahenden Feind.
Dieser erreichte kurze Zeit später genau diese Position und begann mit der Errichtung eines kleinen Lagers. Die Königin gab das Signal zum Angriff und wies drei Boten an, die anderen drei Gruppen zu ihrer Position zu holen.
Die Feinde waren schnell in einen Kampf verwickelt, als die Königin eine ihr bekannte Gestallt erkannte und auf diese zustürme.
„Ihr?!“
Die Kämpferin drehte sich überrascht um und griff sofort an, als sie die Königin erkannte. Diese wich ihrem Angriff gekonnt aus und parierte ihren Rückhandschlag.
„Was wollt ihr hier?! Warum seid ihr so leichtsinnig und kommt wieder mit so wenigen Truppen zu uns?“
„Rückzug!“, brüllte die Kämpferin, während sie sich einige Schritte von der Königin entfernte.
„Seid ihr ihm so hörig, dass ihr zwei Mal die gleiche Dummheit begeht?!“
Die Kämpferin funkelte sie an, rannte noch einige weitere Schritte von der Königin fort, sprang auf ihr Pferd und gab diesem die Sporen.
Die Königin pfiff nach ihrem Pferd, griff den Bogen, der am Sattel befestigt war, zog einen Pfeil aus dem Köcher und legte an.
Währenddessen hatten die meisten der Feinde versucht die Pferde zu erreichen und zu entfliehen. Jene denen dies nicht gelang, wurden von den Soldaten der Königin niedergestreckt.
Die Königin zielte genau und dann schoss der Pfeil durch die Luft. Er traf die Kämpferin an der rechten Schulter, knapp neben dem schützenden Schulterstück ihrer Rüstung. Durch die Wucht des Aufpralls verlor die Kämpferin das Gleichgewicht und stürzte vom Pferd. Am Boden blieb sie regungslos liegen.
Sofort hielten einige fliehende Soldaten an und kehrten zu ihrer schwer verwundeten Anführerin zurück. Die Soldaten hoben sie zu einem Soldaten auf sein Pferd und dieser ritt mit ihr davon. In dem Moment erreichten einige Soldaten der Königin die kleine Gruppe Flüchtlinge, die eben noch ihrer Anführerin geholfen hatten, und verhinderten somit deren weitere Flucht. Nach einem kurzen Gefecht war keiner der zurückgebliebenen Soldaten des Feindes mehr am Leben.
In diesem Moment trafen die anderen drei Gruppen ein. Die Königin erzählte den Anführern was vorgefallen war und das die Anführerin der Feinde schwer verwundet, vielleicht tot, mit einem kleinen Rest ihrer Truppen entkommen konnte.


Als die Königin tags darauf in ihre Burg zurück gekehrt war, wurde ihr mitgeteilt, dass eine weitere Botschaft für sie überbracht wurde. Sie betrat die kleine Schreibkammer und fand den Brief auf dem Tisch liegend. Sie begann die wenigen Zeilen laut zu lesen
„Ich habe mich über euren Brief gefreut. Da ich aber gerade wenig Zeit habe, werdet ihr in den nächsten Tagen eine Antwort von mir bekommen, in der ich genauer auf euren Brief eingehe.“
*Sollte er tatsächlich einlenken? Wird das ganz doch noch ein vernünftiges Ende nehmen?*
„Glaubt ihr, er wird tatsächlich noch einlenken?“, fragte der Engel, der neben der Tür stand.
„Nein.“ Sie legte den Brief wieder auf den Tisch. „Das kann er wahrscheinlich gar nicht mehr. Zumindest nicht ohne sein Gesicht unter seinen Verbündeten zu verlieren. Und ‘das‘ wird sein Ego mit Sicherheit nicht zulassen.“ Sie trat zum Fenster und blickte den Engel über die Schulter an. „Aber wer weiß? Man sollte die Hoffnung nie aufgeben. Vielleicht wird er doch noch Einsichtig.“
„Stimmt, die Hoffnung sollten wir in diesen Tagen nie vergessen, denn wir haben kaum noch etwas anderes.“, entgegnete der Engel.
„Wir haben nicht mehr viele Truppen, das stimmt. Auch sonst leidet alles unter diesem Krieg: die Städte, das Volk. Aber etwas haben wir kein Stück verloren und werden es uns auch für immer bewahren: unsere Freiheit.“
„Und die ist es Wert dieses Opfer zu bringen?“, fragte der Engel.
Die Königin drehte sich zu ihm um und funkelte ihn an.
„Ja. Hoffe ich … .“ Nachdem sie kurz inne gehalten hatte fuhr sie fort: „Diese Frage habe ich mir auch oft gestellt. Und ich war stets unschlüssig ob es falsch ist für seine Überzeugung in den sicheren Tod zu gehen. Doch jeder weitere Tag in diesem Konflikt bestärkt mich nur, dass meine Entscheidung die richtige war, für mich. Ob es die Richtige für mein Volk war, darüber muss jemand anderes Urteilen.“
Der Engel nickte und die beiden verließen die Schreibkammer.

Zwei Tage später stand die Königin zusammen mit ihrem Leibwächter auf einem Turm ihrer Burg und blickte auf das umliegende Land.
„Dort drüben am Horizont. Sind das Banner?“, fragte der Engel und deutete Richtung Westen.
„Es sieht so aus.“ Die Königin nahm ein Fernglas aus der Tasche an ihrem Gürtel und blickte hindurch. „Ja, es sind Banner. Banner mit einem Soldaten auf rotem Grund. Und es sind tausende.“ Sie steckte das Fernglas wieder weg. „Ist das also seine Antwort, die er in ein paar Tagen schicken wollte?“ Sie lachte. „Wie konnte ich auch nur erwarten, dass es eine andere Antwort als diese sein könnte?“
„Was werden wir tun, meine Königin?“
„Versammel die Truppen. Wir werden bis zum letzten Atemzug kämpfen.“
Der Engel nickte und ging die Treppe in den Turm hinab. Die Königin blickte noch einmal gen Horizont und begab sich dann in ihre Gemächer, um sich für die Schlacht zu rüsten.
Als die Königin auf den Innenhof der Burg trat erwartete der Engel sie bereits.
„Die Truppen haben sich am Platz vor dem Haupttor versammelt. Wir sollten sie nicht warten lassen.“
Die Königin nickte und stieg auf ihr, von einem Stalljungen bereitgestelltes, Pferd.
Als sie den Platz erreichten war dieser vollgestopft von Menschen. Die Königin ließ ihren Blick schweifen.
*Es scheint fast so, als ob jeder, der nur irgendwie eine Waffe halten kann, hier versammelt ist. Wohin habe ich mein Volk nur geführt .. .. mein Volk? ... es ist nicht mal mein Volk! Ich bin Elfe. Und trotzdem haben sie mich als die Nachfolgerin ihres Königs akzeptiert. .. Ihres Königs, der mich bei sich aufnahm und behandelte wie seine eigene Tochter.
Keine Frage: in den ersten Jahren war das Misstrauen gegen ‚die Elfe‘ am Hof groß, aber mit der Zeit haben die meisten diese Entscheidung ihres ehemaligen Königs akzeptiert, dass er eine Elfe zu seiner Nachfolgerin ausbildet. Wohl auch, weil er keine eigenen Kinder hatte.
Aber dies alles spielt nun keine Rolle mehr, denn in wenigen Stunden wird nichts von diesem Volk übrig geblieben sein. Und doch sind sie alle gekommen, um genau das mit zu erleben und dazu bei zu tragen …*
Sie hob die Hand und gebot somit für Ruhe.
„Wir, die wir uns heute hier versammelt haben, sind der letzte Widerstand den wir dem alles verschlingendem Ungeheuer entgegen werfen können. Und doch werden wir uns ihm in den Weg stellen! Denn wenn es eines gibt, das mir bei meiner Ausbildung am Hof immer wieder eingetrichtert wurde, dann ist es, das dieses Volk für seine Freiheit lebt!
Und so soll es geschehen! Wir werden gemeinsam gegen die Unterdrückung kämpfen! Und sollte uns der Tod ereilen, so können wir nur gewonnen haben. Denn derjenige der heute stirbt tut dies in Freiheit!“
Sie zog ihr Schwert und streckte es gen Himmel.
„Für unsere Freiheit! Für mein Volk!“
„Für unsere Freiheit!“, schall es über den Platz. Dann war ein kurzes klimpern von Rüstungen zu hören und alle, wirklich alle Anwesenden, waren niedergekniet und schrien: „Für unsere Königin!“
„Ihr habt die Richtige Entscheidung für euer Volk getroffen, meine Königin.“, flüsterte der Engel neben ihr. Sie blickte ihn an und lächelte. Er musste das Lächeln erwidern, denn ihre Wangen waren vor Verlegenheit ganz leicht rötlich gefärbt.
Dann wurden Befehle gebrüllt und die Truppen verteilten sich. Ein großer Teil ging auf die Stadtmauern, ein kleinerer Teil, Berittene und einige Fußsoldaten, blieben auf dem Platz hinter dem Stadttor.
Die nachfolgende Schlacht war ein blutiges Gemetzel, denn die Truppen der Königin waren zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen.
Die Königin versuchte mit einigen Soldaten das Stadttor zu halten, welches von einem Rammbock zerborsten war und eine mittelgroße Lücke in die Stadt bot.
Der Storm an Truppen, die durch diese Lücke drängten nahm nicht ab und so musste sich die Königin und ihre Truppen immer weiter zurück ziehen, bis sie schließlich fast den provisorischen Wall aus Wagen, Türen, Schränken, etc. erreichten
In dem Rückzugsgefecht wurde sie von einem Pfeil getroffen und ging zu Boden. Einer der Soldaten schob sie mit letzter Kraft hinter den kleinen Wall. Dort blieb sie regungslos liegen.
Ein Engel kniete neben ihr nieder.
„Meine Königin, seid ihr bei Bewusstsein?“, fragte er.
Ihre Augenlieder flatterten und sie blickte ihn aus glasigen Augen an.
„Ja ..“ Als sie das aussprach hustete sie etwas Blut. „ .. aber sicher nicht mehr lange ... . Es geht zu Ende. Wie ich es gesagt habe.“ Der Engel wischte ihr mit einer Hand das verbleibende Blut aus dem Gesicht. „Und ich werde den Tod empfangen, so wie es mein Schicksal ist.“
„Es ist noch nicht vorbei, der Feind zieht sich zurück. Es wurde eine große Armee des Dämonenbeschwörers auf dem Weg zu uns gemeldet. Und Ilhiuma wurde von Lucean’s Truppen befreit.“
*Ich wusste auf Lucean ist Verlass. Aber auch auf die anderen die diesem Bündnis aus Freundschaft und gegenseitiger Hilfe beiwohnen. Nur … Dämonen* Sie lachte innerlich *Nun sind es jene, denen ich es am wenigsten zugetraut hätte für meine Freiheit zu kämpfen, die mir meine Freiheit gewähren. Welch Ironie*
„Für mich ist es hier vorbei. … Ich habe sie …“ Ihre Augenlieder fielen langsam zu. „ … meine Freiheit …“ Bei diesen Worten sackte sie zusammen und jedes Lebenszeichen war aus ihr gewichen.

Ende.

Safirel, 25.Oktober 2010